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Als ich heute Morgen den Eintrag von Blogfreund Videbitis las, dachte ich über die Frage nach: „Darf Kunst uns verarschen?“

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wie bei dem Prinzip: „Wer heilt, hat recht“, denke ich: was Spaß macht, ist (auch) Kunst. Oder anders gesagt: sie darf, wenn sie uns glücklich macht. Sie darf uns auch unglücklich machen. Hauptsache, sie hat uns was zu sagen, inspiriert uns.
Und natürlich ist es so, daß das, was dem einen höchstes Vergnügen ist, dem anderen einfach nur als blanker Unsinn gilt oder als unbegreiflich (bl)öde. Das gilt ja für viele Aspekte des Lebens, vom Hobby über den Job, vom Einrichtungsstil bis zur Sexualität.
Vielfalt ist immer das, was das Leben naturgemäß am meisten liebt und Kunst nimmt sich da nicht aus.
Die Grenzen der Kunst sind damit aber auch klar: Alles das, was andere verletzt, diffamiert, angreift oder erniedrigt, ist keine Kunst, auch kein Lebensstil, sondern einfach nur gegen die Natur, gegen das Leben und unglücklich (im wahrsten Wortsinne).

Apropos Wörter: im Web stieß ich auf eine ganze Reihe inspirierender Wörter des englischen Sprachraumes wie „Frazil“, das mir deswegen gefiel, weil ich es sofort in einen Mix aus meinem Vornamen und dem Land Brazil uminterpretierte. Nicht, daß ich was mit Brasilien zu tun hätte, aber nach „Maha de Carnaval“ kann die Verbindung vielleicht doch so falsch nicht sein. Frazils sind allerdings sehr unbrasilianisch und ebenfalls unfrancahaft, es sind Eiskristalle in Flüssen.

Gut gefallen haben mir auch
Leveret
Hatchling
Polliwog

Mal sehen, Leveret ist irgendeine Schutzhaube, vielleicht Abdeckungen für Schreibmaschinen im Büro. Oder Rollos für kleine Fenster, diese klassischen beigebraunen mit der baumelnden Schnur und unten ist ein kleiner Kunststoffmöppel dran. „Please make sure to pull down the leverets, before you leave the room.“ Ja, das gefällt mir.

Hatchling ist auf jeden Fall etwas, das zu “hatch” gehört, zur Durchreiche (erinnert ihr euch an Judith Kerr in „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“? „Ach Heimpi, ich will nicht von dir und der Durchreiche weg!“) Vielleicht ist hatchling genau das, ein Kind, das (noch) Spaß an Spielchen mit Durchreichen und ähnlichem hat, das endlose „Peek-a-boo“ oder „Kuckuck-machen“, mit dem man Kinder unter drei Jahren zu wahren Begeisterungs-Extasen bringen kann.

Polliwog ist selbstverständlich ein besonderer Zwerg. Vielleicht einer, der sein Pfeifchen falsch rum hält oder mit seiner Schubkarre ungewöhliche Dinge transportiert, etwa grüne Seife oder Häkelnadeln. Wie klingt denn dagegen Kaulquappe? Jedenfalls nicht wie etwas, das man gerne im Garten hätte. So unlustig und ungesellig irgendwie. Natürlich muß man bei Polliwogs aufpassen, denn ihre Vorliebe für alles Ungewöhliche macht sie prädestiniert für Streiche aller Art. Es heißt, sie lieben es in Blumentöpfen zu wühlen oder Maulwürfen den Weg zu den spießigsten Gärten der Umgebung zu weisen.

Übrigens handelt es sich bei all diesen Wörtern in Wirklichkeit um Tierkinder. Leveret ist ein Babyhase, hatchling der Jungaligator und Polliwog siehe oben.
Ach ja und da wir gerade dabei sind: Smolt ist weder eine dänische Zwischenmahlzeit, noch ein ikeanischer Klapptisch und schon gar nicht ein norwegischer Trinkspruch, sondern der kleine Lachs. Schön, daß wir drüber gesprochen haben.