Berlin again, diesmal sonnig, aber schweinekalt.

Wir landen in Kreuzberg, aber man will uns da nicht, voll, kein Parkplatz at all, eine Frau schreit auf der Straße rum. Nee so nicht. Wir landen im Friedrichshain und gehen in ein kleines mexikanisches Restaurant. Das ist nicht besonders bis auf die Tatsache, daß sie unglaublich leckere Rhabarber-Limonade haben und Lampen, die aus Fleischwölfen gefertigt sind.

Das Klo ist nahezu ein Bad und als ich die Fleischwolflampe fotografieren will, entdecke ich einen Spiegel und muss schnell noch ein Experimentbild machen.

Vor 10 Jahren etwa lief ich die Oderberger lang und kam am Café „Kapitalist ein scheues Reh“ vorbei. Name und Location gefielen mir unglaublich. An dem Tag aber hatte ich keine Gelegenheit dort einzukehren. Das wollte ich einige Wochen später tun, aber ich bog falsch ab und landete auf der Chorinerstraße.


Später dann vergaß ich das Ganze und noch später war ich immer woanders. Aber jetzt war es soweit. Ich überredete D. also zur Oderberger und wir fanden das Café beide urig.
Wir genossen unseren Kaffee, die Sonne schien durch die Fenster, wir lasen beide je einen Artikel im Spiegel, D. über einen Wissenschaftler, der sich mit amerikanischen Verschwörungstheorien befaßt, ich ein Patti Smith Interview.

Immer noch habe ich ihr Buch nicht gekauft. Ich nahm mir vor, das gleich zu tun.

Auf der Oderberger gibt es auch einen kleinen Plattenladen. Und welch ein Zufall- im Schaufenster steht eine LP von Tame Impala, genau über diese Band haben D. und ich neulich noch gesprochen, weil mir einer ihrer Songs so sehr gut gefällt und das Cover interessant ist. (Das Foto entstand spontan bei der Fotosession für das Cover und wurde es dann.)

Das Hotel hier ist leider schweineteuer. Das Ganze war mal ein Schwimmbad. Die Lage ist genial. Aber wie ich las, verlangen die bei Zimmerpreisen von über 200 Euro noch Eintritt für den Pool. Selten so gelacht.
Ich dachte, es muss herrlich sein, so einem altehrwürdigen Gebäude gegenüber zu wohnen. Mir würde das gefallen. Aber dann wieder: all die Hotelgäste mit ihren Rollkoffern auf dem Kopfsteinpflaster.

Ich lenke meine Schritte Richtung englischer Buchladen auf der Kastanienallee in fester Kaufabsicht des Smith-Buches, doch zu meinem Schock wollen die mir 22 Ocken abknöpfen, wo das bei Amazon nur 18 kostet. Ehrlich, Leute, ich habe wirklich keinen Bock darauf, mich über den Tisch ziehen zu lassen. Die machen es einem aber auch wirklich schwer.

Bei deutschen Büchern ist es egal, aber wer ausländische Bücher kauft, ist besser beraten, das nicht im Buchhandel zu tun. (Als ich es dann bei Amazon auschecke, sehe ich, daß sie es runtergesetzt haben auf 12,99. Sorry, aber dazu kann ich nicht nein sagen.)

Es ist ganz witzig mal wieder auf der Kastanienallee zu sein und die Poster und Sticker zu fotografieren.

Ich gehe in die Buchhandlung zur schwankenden Weltkugel. Dort erstehe ich ein Buch aus der Reduziertbox. Ein altes Suhrkamp: Die Geräusche der Stadt von Alexej Remisow.
Innen hat jemand mit feiner Handschrift hinein geschrieben:
„Die Zeit vergeht* schneller als früher,
wir laufen nur schneller an ihr vorbei.“
*nicht
(v. „Thomas K.“ Weihnachten 2002)
Ich fand sowohl das vergessene Wort, als auch „Thomas K.“ in Gänsefüßchen witzig. Der sogenannte Thomas K..

Apropos Suhrkamp: Neulich bestellte ich zum ersten Mal direkt beim Verlag (Roland Barthes „Fragmente einer Sprache der Liebe“) und bekam ein Notizbuch geschenkt, das man im Laden nicht kaufen kann. Gut dem Dinge!