Schlagwörter
Gewichtchen ergänzt durch KI Bilder von Wohn(t)räumen.
An einer Ampel, eine ältere Frau mit Hund, die sich selber mit dem Ende der Leine geißelte, während sie auf ihre Grünphase wartete. Zack, einmal rechts, einmal links im Wechsel. D. und ich beobachteten das amüsiert und waren uns einig, daß das absolut das war, was man als Kind gemacht hätte.
Seltsamerweise liebt man als Kind all diese spielerischen Dinge, die leicht weh tun: Gummiband um’s Handgelenk und flitschen lassen, Wäscheklammern an den Ohren befestigen, sich mit einer Drahtbürste über’n Arm fahren usw.. Später dann läge einem nichts ferner, als sich selber noch zusätzlich irgendeinen Schmerz zuzufügen, es sei denn man kriegt ein Tattoo gestochen.
***

Humor: Spotify bot mir ein Mixtape mit White noise an.
***
Dachte an Bettina Wegners Zeile: Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen.
Ich machte daraus innerlich: Wenn unsere Leader nicht mehr stimmen.
***
Hatte einen seltsamen Traum von einer WG in der ich zu Gast war. Ein unscheinbares Haus und ganz am Ende mußte man eine Leiter hochklettern, die aus Geschenkpapierrollen bestand, ich wollte das schon sein lassen (zu wackelig), war aber neugierig und dann am Ende super erstaunt. Man hatte einen unglaublichen Blick von der Terrasse der Wohnung über eine grandiose Meeresbucht und einen großen Fluß davor, der gelbes Herbstlaub mit sich führte und in einer Krümmung ins Meer mündete. Ich sagte seltsamerweise: Ist das der Mississipi? Und jemand sagte: Wir sind in Australien!
Mir war das sehr peinlich und ich fragte nach dem Namen des Flusses, aber bekam nur zur Antwort er hieße: Der Fluß der durch Melbourne fließt.
Ich war absolut beeindruckt von dem Blick, vor allem, da man mitten in der Stadt war und davon nichts ahnte.
Zur anderen Seite raus lag eine Art berühmte Prachtmeile und man war mit den Fenstern gleichauf mit einer Tribüne, auf der massenhaft Fotografen mit Teleobjektiven saßen, die irgendeine hochrangige Persönlichkeit erwarteten.
Ich fragte, ob sich die Bewohner nicht beobachtet fühlten. Doch, schon, aber es ist auch lustig war die Antwort.
(Als ich das dann auf der Karte auscheckte, war ich so erstaunt, daß man tatsächlich den Blick aus meinem Traum haben könnte und zwar von einem Hochhaus auf der Collins Street, erst auf den Yarra River, der sich krümmt und dann dahinter die Meeresbucht in die er mündet. Allerdings müßte man dazu schon sehr sehr weit oben sein. Die Collins Street sah ebenfalls genauso aus wie in meinem Traum, nur ohne Straßenbahnschienen.)
***

Sehe eine erschütternde Doku über ein Typ, der seine Ex-Freundin als Geisel nahm und später erschoß. Sie hatte den wunderschönen Namen Eloá, den ich bisher noch nie gehört habe. Ihr Freund hingegen hieß Lindenberg, mit Vornamen und die ganze Zeit macht es mich nervös, nicht zu wissen, ob seine Eltern ihn nach Udo Lindenberg benannt haben.
Wobei mir wieder die chilenische Freundin von G. einfiel, die Margot hieß, weil ihr Vater sie nach seiner Jugendliebe benannt hat, einer Deutschen, die damals in Chile lebte. (Und überlegend, weiß ich plötzlich gar nicht mehr, ob sie wirklich Chilenin war oder doch Argentinierin?)
***
Sah den etwas schmalzigen, konstruierten Film „Manhattan love story“ von 2002. Dort sitzt „Jaylo“ in der Metro und während alle Zeitschriften und Zeitungen lesen, liest sie: „Drama of the gifted child“ von Alice Miller.
Ich frage mich, ob Zuschauer aus der Zeit noch wissen, was für ein Buch das ist. Erschienen ist das 1979. Ich habe das 1986 gelesen. Aber vielleicht kennt das jeder in den USA. Bei uns wage ich das arg zu bezweifeln. Was Menschen in Filmen lesen, trifft immer eine Aussage. Die Zuschauer müssen es nur kapieren.
Gute Szene in dem Film: Der schwarze Typ, der die Bildschirme des Hotels überwacht, fragt Jaylo, die jedem Spitznamen gibt, wie sie ihn wohl nennt und sie antwortet: I call you God, because you see everything and you are still smiling.
Nette Nebenrolle in dem Film für Bob Hoskins (als Englishman in NY), der bei „We want Sex“ eine ähnlich liebenswerte Rolle spielt.
***

Die Büffel stehen an der Bar, an der Bar, an der Bar, ja, was machen die da?
***
King Charles wurde 77. Er ist fast 18 Jahre älter als ich.
Auf seiner Seite findet man dies:
“For men this is a neck bow (from the head only) whilst women do a small curtsy. Other people prefer simply to shake hands in the usual way. On presentation to The King or Queen, the correct formal address is ‚Your Majesty‘ and subsequently ‚Sir‘ or ‚Ma’am,‘ pronounced with a short ‚a,‘ as in ‚jam‘.”
Interessant, denn früher hieß es: “Mam as in ham, not Mahm, as in farm.”
Aber vermutlich kam da sein vegetarisches Bewußtsein auf und machte daraus jam. And by the way, the Dutchy Jam, also seine eigene, war auch immer sehr lecker.
***
Wie seltsam, als ich in Hamburg war, fragte ich überall nach Brasch und sie hatten ihn nicht, dann bin ich in Berlin, sogar in Ostberlin und denke gar nicht mehr an Brasch.
***
Lese in Roland Barthes Buch über die Fragmente einer Sprache der Liebe hinein und finde gar Interessantes und Köstliches. In was für ein Buch von ihm habe ich denn neulich im „About“ reingelesen, das sprach mich eher nicht an, obwohl ich gerne ein Buch von ihm gekauft hätte, weil 1. Habe ich noch keines von ihm 2. Suhrkamp. Ich fürchte fast, es war das gleiche Buch. (Nein, es war „Die Lust am Text“)
***
Geologists are astrologers who looked down once. (Palimpsest)
***
Schon zweimal habe ich jemanden auf einem Bahnsteig kennen gelernt. 1985 in Barcelona, 2015 in Berlin.
***

Ein Erzählmotiv, das ich grundsätzlich nicht leiden kann, ist das Folgende: Jemand lebt allein für sich in festen Routinen und dann tauchen plötzlich Leute in deren Leben auf, die Chaos reinbringen, ein verlorener Teenager, eine störende Geliebte, Fremde, zweifelhafte Geschwister, unheimliche Nachbarn, Leute, die einem auf den Sakko gehen.
Ich hasse dieses Motiv in Büchern und Filmen regelrecht. Ich möchte lieber davon erzählt bekommen, wie Menschen für sich leben, die Einsamkeit umarmen, sich in Details verlieren.
(Es ist interessant, daß ich schon als Kind alle Geschichten gehaßt habe, wo jemand ein ruhiges Leben führt und dann passiert etwas und Chaos bringt aus. Ich fand das extrem bedrohlich als Kind und empfinde heute noch genauso. Anders sind alle Stories, wo jemand von alleine auszieht um etwas zu erleben oder das Chaos sucht.)
***
Die Verkäuferin geht vor die Tür rauchen. Als ich mit meinem Buch zur Kasse gehe, kommt sie schnell rein. Ich sage: Hast du gerade geraucht? Ihr Gesicht läuft so spitz zu, daß ich denke, sie glaubt vermutlich jetzt, ich würde sie dafür tadeln. Ich sage: Du hättest gerne noch zu Ende rauchen können. Die Verhärtung in ihrem Gesicht weicht nur kurz auf, dann ein angedeutetes Lächeln: Naja. Sehr leise. Ihre Bewegungen sind eckig, ich dachte: Ich hab ihr irgendwie eine verpaßt, ohne das beabsichtigt zu haben. Sie sah humorlos aus, verkantet irgendwie, es tat mir leid.
***
TV Persönlichkeit vom Daily Mail: Jo Elvin. Genialer Name. (she, her)
***
Wer die Zahl 59 mag und ihr Auftauchen bemerkenswert findet, hat es jedesmal gut, wenn er den Timer seines Handys auf eine Stunde stellt. Nach genau einer Sekunde springt er auf 59:59 für genau eine Sekunde.
(Warum denke ich über so etwas nach?)
***