Einunddreißigster Tag im Dezember

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Der letzte Tag des Jahres…
Als das Jahr noch jung war, begann ich Zitate und Spontangedanken zu sammeln für ein besonderes kleines Büchlein. Doch wie das meistens so ist, wurde daraus nix und ich blieb irgendwann stecken und vergaß das kleine Buch.
Es noch mal zur Hand nehmend, tat es mir aber leid um das Gesammelte, deswegen wird es jetzt hier im Blog ans Licht der Welt gebracht.

„Von oben fiel Licht hinein. Wir fanden das Leben plötzlich sehr schön.“
Erster Satz kam in irgendeiner Doku vor, mir fiel dazu spontan der zweite ein und ich dachte, das wäre ein fantastischer Buchanfang

„When Mama was moth“
Song der Band „Cocteau Twins“ (Spontaneinfall/Zufall)
(ich liebe Motten und Nachtfalter, nur keine Kleidermotten, versteht sich)

„Es gibt eine Liebe, an die sich niemand erinnert.“
Das fand sich bei Erling Kagge, ist aber von einem anderen norwegischen Schriftsteller, Jon Fosse. EK meinte, das müsse wohl die Stille sein. Ich fand den Satz besonders, weil es sich (für mich) so anhört, wie eine universelle Liebe, die da ist, auch wenn keiner sich mehr dran erinnert und die alle Zeiten (und alle Verfehlungen der Menschen) zu überstehen vermag.

„Sollte uns die Wirklichkeit bei Gelegenheit ratlos machen, suchen wir unser Zuhause wieder auf. Wo Bücher sind, finden wir Trost.“
Wilhelm Schmid (gefunden im Leseglück Bändchen)

„Also Jahre- JAHRE- im Museum gespart.“
Aufgewacht aus einem Traum mit diesem Satz im Kopf, den ich noch Sekunden vorher zu jemandem gesagt habe. Alle Begleitumstände vergessen, nur das blieb, sehr eindringlich, sehr klar. Ich hab nur keine Ahnung, was es bedeutet. Offen für Interpretationen.

„Ramses sleeps for you“
Zufallsfund: Titel eines Textes in einer Zeitschrift („Carrier pigeon“) bei Kickstarter. Das klang für mich erstmal einfach nur herrlich verrückt und surreal, später stöberte ich dem etwas nach und fand heraus, Ramses ist der Kater eines Menschen, der nicht schlafen kann, weil er sich zu viele Gedanken macht und zu viel Verstörendes erlebt hat. Der Kater hingegen rollt sich einfach zusammen, schnurrt und schläft. („Ramses is emotion in catform and he is love“)

„I hope you find me“
Das Projekt fand ich beim Stöbern in meinem eigenen Blog wieder. Es ist ein Gedichtband, gestaltet aus der Rubrik „Missed connections“ in den Kleinanzeigen von Zeitungen. Wieder finde ich, daß dieser eine kleine Satz (nur 5 Worte) Welten enthält, ganze Geschichtenberge.

„In her eyes there is June, but in her heart there is January.“
In London beim blinden Aufschlagen in einem Buch gelesen und beim Anhören meiner Aufzeichnungen irgendwie an dem Satz hängen geblieben.

„Ihr müsst mit dem Kopf tanzen und mit den Beinen denken“
Zitat von Gret Palucca

„Trees are slow animals“
Fand sich bei Paula (einer Flickrfreundin), sie sagt, das habe ein portugiesischer Dichter geschrieben

„Alle Erwachsenen sind Heimatvertriebene“
Heißt es in der Lasker-Schüler-Biographie von Kerstin Decker (wobei ich gar nicht weiß, sagt das nun die Biographin oder ist das ein Zitat von Else selber).

„Am meisten lerne ich an der Wiederholung des immer Gleichen“
Peter Handke in „Gestern unterwegs“

„Between us and the sea“
Name eines Fotobandes im Buchladen „Bildband“

„He could make pancakes…“
Aus Lucia Berlins Geschichte „Temps perdu“

„I take the clouds with me“
Titel einer Fotostrecke in der Vogue Italia

„We need to relearn the art of being“
Siri Harrison

 

Euch allen ein zauberhaftes Jahr 2020!

Dreiundzwanzigster Tag im Dezember

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Seltsam, die Dezembernachmittagssonne macht mich jeden Tag glücklich, obwohl ich innen bin. Das Licht ist dann so schön in meinem Zimmer und ich fühle mich wohl und behütet. Und dann verabschiedet es sich, gleich 15 Uhr, die Dämmerung kommt…

Ich bin im Journal-Flow. Immer noch total absorbiert, gleichzeitig sortiere ich mich mit dieser Arbeit so durch altes und neues Papier, brauche, stückle, ordne, packe um und weg, entsorge, versende.

Hier erstmal das Quadrate-Journal, das nun auch endlich fertig ist.

Square Collage Journal 1

Mein neues kleines Journal heißt „!So“. Und hier kann man die ersten Seiten sehen.

Collage Book So 1

 

And on and on and on Zwischendurch gebe ich mich intensiven Stempelgeschichten hin. (Was den Schreibtisch wüst aussehen läßt.) Mein Traum: mein geliebtes Vintage-Rain-Design gäbe es als Washitape. My fav design

Apropos. Hier habe ich mal alle Maskingtapes fotografiert, die ich besitze. (Zu Weihnachten schenke ich mir noch 9 weitere) Was hab ich eigentlich früher ohne gemacht?
All my masking tapes

Ansonsten Dokus, Filme, Hörbücher, aber weniger Bücher (es liegen einige wie klagend neben meinem Bett und wollten Beachtung. Ich aber, in meiner unendlichen Garstigkeit, ignoriere sie).
Begeistert bin ich gerade von Uwe Timm und seiner behutsamen Sprache. Er hat ja ein Buch über seinen Freund Benno Ohnesorg geschrieben, das ich mir als Hörbuch gekauft und dann noch von Frau Zeilensprung bekommen habe, so daß ich abwechselnd höre und lese.

Und die Zeit rauscht durch und durch…die Wochen vergehen wie im Fluge, die kurzen Tage sind in Ordnung. Mittags schlafe ich meistens und sitze dann abends lange an meinen Collagen.
Irgendwann geht dann die Heizung aus und mir wird kalt und kälter, den Ofen einheizen lohnt aber auch nicht mehr. Göttlich wenn dann, endlich ausgestreckt, meine Füße das Schaffell finden, das in meinem Bett liegt.

Bei Flickr hab ich jetzt neu für mich entdeckt: Galerien. Meine liebste (eigene) ist diese:

Unread. So würde ich eine Zeitschrift nennen, wenn ich eine herausgäbe. Oder nein, so würde ich mein Café/Zeitschriftenladen nennen. Und das wäre die Bilder in meiner Zeitschrift.
Träumereien in FMoll…ich meine, die olle FM träumt in F-M-oll. 😉

Habt ein lichtschimmerndes, friedliches Jahresendzeitfest, Ihr lieben Lesers, male & female and both 🙂

Elfter Tag im Dezember

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Ich war ein fleißiges Bienchen. Endlich ist mein kleines Journal „How to make the most of…“ fertig geworden.
Hier als ganzes Album zu sehen.

Collage Book 2019

Dies sind meine Lieblingsseiten.

Collage Book 2019 Collage Book 2019

Collage Book 2019 Collage Book 2019

Dann habe ich auch gleich noch den Schwung genutzt und auch mein Square Journal fertig gestellt. Mehr dazu im nächsten Blogeintrag.

Aufs Beste unterhalten fühle ich mich durch die wunderbare Serie „Berlin-Schicksalsjahre einer Stadt“ vom RBB. (Hier gibt es die Folgen) Meine absolute Empfehlung für alle, die Berlin mögen und/oder sich für deutsch-deutsche Geschichte interessieren. Leider sind die frühen Folgen mit der Stimme von Katharina Thalbach. So sympathisch ich die Frau finde, aber ihre Krähenstimme ist eine Zumutung. Immer wieder stelle ich fest, daß nur wenige Sender ein Händchen für Stimmen haben. Besonders die weiblichen sind wirklich übel.

Ich kaufe Hörbücher zuweilen fast mehr nach Stimme als nach Inhalt. Mein letztes war von Uwe Timm „Am Beispiel meines Bruders“, da stimmte beides. Gert Heidenreich war der Sprecher. Gleich nach Brückner der Beste, wie ich finde. Ich würde selber gerne mal Sprechstimme einer Doku sein. Das wäre ein Traum. Natürlich könnte ich das machen, in dem ich eine kleine Doku drehe und dann dazu was spreche, aber mir fehlt die Ahnung von der Technik.

Und in zwei Wochen ist Weihnachten, in drei Wochen das Jahr zu Ende. Zur Abwechslung genieße ich mal die Winterzeit. Still, ruhig, besonnen, farbreduziert und geräuscharm wie selten (Fenster immer zu, keine Vögelchen mehr in den Bäumen davor und wenn dann nicht so laut wie zur Brutzeit). Das Jahr neigt sich, ich freue mich auf 2020, ein bedeutsames Jahr: Mein Kind wird volljährig, macht Abitur, wird ihren Führerschein machen und zum Studium aufbrechen. Svea (self portrait)(Foto: Selbstporträt von ihr)

Sie ist der letzte Jahrgang mit dem bescheuerten Turbo-Abitur. Gottseidank. Man glaubt nicht, was das für ein Druck ist. Glücklicherweise sind ihre Noten sehr gut, aber Streß ist das trotzdem.

Erster Tag im Dezember

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Berlin November 2019 Berlin November 2019
Gestern in Berlin. Zum Planufer fahren, so der Plan. Angekommen denke ich: Schön und brrrrr…ist das eisig!
Berlin November 2019 Der Herbst liegt in den letzten Zügen, der Winter lugt schon arg um die Ecke. (Auf dem Autobahnklo lief „In the summer time“, damit, so dachte ich, möbelt Radio Brandenburg die trübe Stimmung seiner Hörer auf.) Berlin November 2019
In der Tat das Wetter ist ungemütlich, zwar sonnig, aber nur wenig Grad und so ein Eiswind, das ich keine Lust habe draußen rumzubummeln, stattdessen strebe ich ein Café an.
Die Grimmstraße verspricht Märchenhaftes, also setze ich mich in die „Goldmarie“.
Berlin November 2019 Die ist zu loben. Netter, kleiner, gemütlicher Eckladen mit bequemen Sofabänken, günstigen Preisen, gutem Kaffee und guter Musik. Außerdem gemischtes Publikum, natürlich Kreuzberg, das ist ein Unterschied zu P’berg oder Mitte. Als ich anfange zu schreiben, läuft „I’ll be your mirror“ und ich bin baß erstaunt. „Nico!“ rufe ich so laut, daß das Pärchen am Nebentisch zu mir hinsieht.

I’ll be the wind, the rain and the sunset

The light on your door to show that you’re home.

Und ich bin wieder für einen Moment glücklich. Den bitter-süßen Cappuccino auf den Lippen, das Sonnenlicht, das durch die Ecktür genau auf mich scheint, nix was von mir erwartet wird, meine Hometown wie immer freundlich. Und Magie!

Der Graefekiez, den fand ich schon in den 80ern toll. Eine Altbauwohnung mit Blick auf das Planufer oder eines der anderen Landwehrkanalufer! Das wäre damals „to die for“ gewesen. Heute ist das etwas partymeilig und vielleicht eher nervig. Außerdem: wo parken? Wir hatten Glück und huschten gestern noch in den letzten freien Platz (wohl dem, der ein kleines Auto hat).

Später stieß D. dann noch zu mir und wir saßen da und genossen unseren Kaffee. Berlin November 2019
Eigentlich wollte ich im Kiez noch weiter Fotos machen, aber mir war einfach zu kalt.
Berlin November 2019 Also fuhren wir ein wenig durch die Gegend. Kreuzkölln- und wo ist jetzt eigentlich die „neue Kultgegend“? Die Sonnenallee (das längere Ende) sieht jedenfalls aus wie immer. Und schließlich landeten wir über sämtliche Planeten(straßen) Berlins auf der Puschkinallee, die ich kahl aus irgendeinem Grunde noch nie gesehen habe. Berlin 2019
Fast ein wenig unheimlich. Im Sommer ist die grandios schön.
Über das Ostkreuz fahren wir Richtung Friedrichshain.

Diese Sprühzeichen sieht man nun überall und mir gefallen die sehr. Wer oder was steckt dahinter?
Berlin 2019 Ich frage Sandra Rummler, die das (natürlich) weiß und die Jungs sind zwar des Wahnsinns fette Beute, aber ihre Skills sind imposant. Berlin 2019
Die Dämmerung schränkt meine Fotoaktivitäten nun rasch ein.
Schnell husche ich noch in diesen Laden, auf der Suche nach einem Geschenk für mein Kind zum 18. Geburtstag. Und werde fündig! Hoffentlich wird sie so begeistert sein wie ich.
Die Verkäuferin ist sehr nett und wir stellen erfreut fest, daß sie aus MV kommt. Ob sie Rostock vermisse. Nein, aber das Meer.
Berlin 2019 Berlin 2019

Berlin 2019

 

Vierundzwanzigster Tag im November

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London 2018

Sollte ich einen Film drehen, würde ich dieses Lied verwenden.
Tatsächlich ist das ganze Album dazu („Idjagieðas / In the Hand of the Night“) absolut hörenswert. Mari Boine habe ich Anfang der 90er entdeckt, beim (wer erinnert sich???) „One world/one voice“ Projekt. Wie so viele andere Musiker wurde sie darüber ja sehr bekannt und eine Zeitlang war sie sehr populär. Man kann sie nicht oft hören, finde ich, aber jetzt nach langer Zeit mal wieder- ein Hochgenuß.
Dazu das schöne Licht, ein milder, milchiger Sonnenschein nach Nebel. Draußen eine starre, farbleere Landschaft, deren Tönung mir sehr entspricht. Je älter ich werde, desto weniger mag ich Buntes, das gilt sogar auch für Blumen.
Dabei hieß es in einem Film „Eine Frau, die Blumen liebt, tötet man nicht“. Das sagte Lino Ventura, glaube ich, aber zu wem und wo? Jedenfalls lautete die Antwort: „Das leuchtet mir nicht unbedingt ein.“

Da wir bei Filmen sind, neulich sah ich „Augenblicke“ von Agnes Varda und J.R.. Fantastischer kleiner Film: eine alte Frau, ein junger Mann und jede Menge Frankreich, bebildert mit riesigen Fotos. Muß man gesehen haben. (Danke an Anja fürs Leihen!)
Überhaupt Filme, es stapelt sich. Ein Turm von „muß ich nochmal sehen“s.

Nochmal gesehen habe ich auch das wundervolle, durch und durch romantische „Brief encounter“, immer wieder göttlich. Ein alter Bahnhof mit Dampfloks. Frau kriegt was ins Auge und begegnet der Liebe ihres Lebens.

Ich machte mir dazu Notizen:

Refreshment room
Diese Hand auf Schulter Geste
Third wave coffee? Der Apparatus bei Tisch
Er hat sein Kreuzworträtsel, sie ihre Nadelarbeit, dazu Radiomusik
Damals gab es erstaunlicherweise auch noch Bücher bei „Boots“
Im Restaurant: Smoking room mit Pfeil nach unten, aber jeder im Raum raucht, including the doctor, der 2 Zigaretten rauchte, obwohl er nur eine kleine Schale Suppe aß. Und nicht daß er vorher gefragt hätte, ob sie das stört.
“If them sandwiches were made this morning, you’re Shirley Temple!”
“There should be a Society for the Prevention of Cruelty to Musical Instruments.”
“We even halved the tip.“
“It can’t be!”- “It is!” (Die schlechte Cellistin bedient auch das Kinopiano)
Er (Crosswords again): „It was Richard the third who said „My kingdom for a horse“, wasn’t it?“
Sie (rauchend mit Blick auf den offenen Kamin): “Yes darling!”
Er (am Bleistift kauend): „I wish he didn’t, cause it spoils everything.“

Dr. Alec Harvey: Forgive me?
Laura Jesson: Forgive you for what?
Dr. Alec Harvey: For everything. For meeting you, in the first place. For taking the piece of grit out of your eye. For loving you. For bringing you so much misery.
Laura Jesson: I’ll forgive you if you’ll forgive me.

Siebzehnter Tag im November

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„Darkness is my birthright“
London 2014 Das gefällt mir natürlich. Ich las das neulich in einer Biographie über Nico (von Tobias Lehmkuhl), die war recht lesenswert. Ich mochte es, daß der Autor Nico ihr Geheimnis ließ. Alles hätte so sein können, oder auch nicht. Wer weiß das schon. Wer Nicos Reich betritt, dem geht es wohl auch nicht wirklich um Wahrheit und Klarheit. Es gibt einfach Leute, von denen erwartet man Verwirrung. Ich fand nie, daß sie gut singen konnte, aber je öfter man sie hört, desto mehr breitet sich ihre seltsame Stimme aus, verfolgt einen und am Ende findet man sie doch gut.

Naja. Wenn schon schwarzer Hund, dann auch füttern. Egal, ich gewöhne mich langsam an den November und bin happy, daß die Welt mich in Ruhe läßt. Je älter ich werde, desto mehr habe ich ein Verkriechbedürfnis. Wie Peter Handke möchte ich gerade nichts als im eigenen Gewühl von Papier & beyond „in meiner Sinnlosigkeit prangen“. November 5 p.m.

Und dabei bin ich gerade sogar wieder kreativ, oh ja, ich bleibe dran am Collagenbüchlein. (Mehr auf Flickr)
Collage Book 2019

“Hingabe” von Patti Smith habe ich nun auch gelesen. Als Romanautorin eignet sie sich nicht, aber ihre Alltagspartikelchen bleiben magisch. Besonders witzig, daß lauter Dinge darin vorkommen, die am Rande mit mir zu tun haben, Sete in Südfrankreich ist der Lieblingsort meiner Tochter, mit Simone Weil hatten Frau Zeilensprung und ich es noch vor einiger Zeit, dann Patrick Modiano, von dem lese ich gerade mein drittes Buch. Alle sind gleich, mehr oder weniger, aber sie machen dennoch Spaß. Diese Atmosphäre eben.

Apropos Tochter, ich finde, S. hat auch ein gutes Fotoauge, ich mag ihre Bilder. Rom (seen by my daughter)

Rom (seen by my daughter) Allerdings fand sie Rom schrecklich. Nein, Touristenstädte, das ist nicht ihre Sache. Rom (seen by my daughter) Rom (seen by my daughter)

Zum Schluß noch etwas, das ich gestern entdeckte. Der Film und die Musik gehören eigentlich, streng genommen nicht zusammen, ich finde aber doch. Sehr berührend.

 

Achter Tag im November

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„It was cold and it rained/so I felt like an actor.” Der Zusammenhang der Bowie-Lyrics erschließt sich mir zwar nicht ganz, aber ok, ich mag’s.

Der (ich meine mein) Alltag ist wieder etwas inspirierter als die Tage zuvor. Sehr gefreut habe ich mich über ein verspätetes Geburtstagspäckchen.
Verspätetes Geburtstagsgeschenk Nun kann ich es doch lesen, Patti Smiths „Devotion“ auf Deutsch. Ich bin gespannt. Danke, Manulan! Man beachte auch das schöne Bauhaus-Geschenkpapier, irgendwo zwischen Modern art, London und der Musik von Kraftwerk. Wie Peter Handke wohnt wußte ich schon aus „Bin im Wald kann sein, daß ich mich verspäte“, diesem herrlich entschleunigenden Film. Seltsam bei anderen Künstlern finde ich das Chaos immer total genial, bei mir selber eher beschämend.

Aber Messietum ist mir ganz fremd, denn mich beunruhigt mein vieles Zeugs eher und ich wäre dankbar, ich könnte weniger haben. Messies hingegen brauchen und lieben ihr Zeugs.

Beim Packen für mein letztes Paper Swap, fand ich ein angefangenes Collagenbuch und viel viel Material. Ich fing einfach wieder an und freute mich, daß ich tatsächlich mal wieder was zustande gebracht habe, nach MONATEN ohne Collagen. New Collage Book

New Collage Book

Ansonsten wie üblich im “Altmaterial” rumgewühlt. Ist Zeigenswertes dabei? Ich denke doch. Groningen 2019
Schlemmertage in Groningen. Dieser herrliche riesige Tisch und alles lecker!
Groningen 2019 Groningen 2019

Dagegen mein frugales Geburtstagsfrühstück in London voriges Jahr.
London November 2018 Egal! Frische Blumen und über Sonos in der ganzen Wohnung das hier. London November 2018

So romantisch ist London nur selten, aber Exmouth Market schon. Das war 3 Minuten von meiner Wohnung.
London November 2018 London November 2018
Manchmal so in meinen Träumen, wenn ich nicht schlafen kann, dann stelle ich mir vor, ich hätte einen komibiniertes Café/Bookstore in London.
London November 2018 Irgendwo in einer Seitenstraße in einer lieblichen Gegend. Buchladen gar nicht mal, einen Laden für Kunstzeitschriften. Und die andere Hälfte ist Café. Mein Café hätte eine Üppigkeit von Lesematerial und außerdem lägen überall Notebooks aus zum Reinschreiben. London November 2018
Zum Glück bleibt es beim Träumen, denn eigentlich ist das viel zu anstrengend.

 

Fünfter Tag im November

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Erwache am Morgen mit einer Kommentarbenachrichtigung und jemand schreibt mir: “Paris is what you make of it…”. Ich denke „what you make of it“, wo kommt das vor und es läuft wie ein loop in meinem Kopf— das ist aus irgendeinem Song. Und wunderbarerweise funktioniert mein oller Rechner da oben noch ganz gut und spuckt nach nur 5 Minuten das Ergebnis aus: Paul Simon.

Ain’t it strange the way we’re ignorant
How we seek out bad advice
How we jigger it and figure it
Mistaking value for the price
And play a game with time and love
Like a pair of rolling dice

Life is what you make of it
So beautiful
So what

Jemand fotografiert ein Londoner Hotel, sodaß es aussieht wie die Spitze eines “Fountain pen” (ich liebe diesen Ausdruck).
Und ich habe von Hunden geträumt, von jungen Hunden, vielleicht ein Viertel Schakal, wie die Sprengstoffsuchhunde der Aeroflot.
Und Schreibmaschinen! Ich sah am Wochenende den Film „California Typewriter“ und dachte über die Tatsache nach, daß es keine einzige Firma mehr gibt, die Schreibmaschinen herstellt. Schluck. Meine erste war eine tonnenschwere Olympia Büromaschine, die mein Vater mir gebraucht gekauft hat, zu meinem 12. Geburtstag. Sie war elektrisch und ihre Lüftung machte einem im Winter kalte Pfoten. Aber sehr leichter Anschlag und unkaputtbar. Später hatte ich eine Brother, die war ein Fortschritt, weil sie leicht zu tragen war und eine Korrekturtaste hatte.
Meinen ersten PC hatte ich dann 1995 und das erste, was ich entdeckte waren die 10000 Truetypearten, die mir nun zur Verfügung standen. Ehrlich gesagt, ich hätte damals niemals wieder zurück kehren wollen zur Schreibmaschine. Das mußte ich dann in der Zeit, in der ich im Wohnmobil lebte. Ich schrieb auf einer grünen Reiseschreibmaschine vom Trödel für 20 Mark. Das war so anstrengend, daß ich lieber wieder von Hand schrieb.

Groningen 2019
Immer noch fülle ich fleißig meine Duo Gruppe bei Flickr. (Aufs Foto klicken führt bei Interesse dahin)

Und bei Post Secret schreibt jemand: „I wish I had a husband, I could cheat on and a lover I could cheat with and a friend I could tell about it.“ Mal abgesehen davon, daß der Wunsch bekloppt ist, denke ich: All the lonely people, where do they all come from?

Und in den dämmrigen Ecken lauert er nun immer, der knurrende, bissige schwarze Hund. Wie lange kann ich ihn noch in Schach halten? Er folgt mit seinen gelben Augen meinen langsamen Bewegungen durch den Raum.

Zweiter Tag im November

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Und wieder ein Lebensjahr um und nun bricht mein 54stes an. Nun ja. Alte Säckin.
Ich bin ganz froh mal Zuhause zu sein und nicht wie sonst immer in London. Vermutlich regnet es da auch gerade, vor allem aber wäre es mir zu anstrengend.
Obwohl schon klar wäre, wo man mich da finden würde.
London 2015 Das Foto ist von 2015 und da saß ich oben bei Waterstones im dritten Stock und überlegte, was ich mir mal kaufen könnte. London 2015
Es machte einfach Spaß in all den Büchern ausführlich zu stöbern, nirgends kann man das so gut wie dort.
London 2015 Um die Zeit herum ist in London auch immer Poppy Day und überall laufen die Menschen mit künstlichen Mohnblumen herum. London 2015

London 2015 Natürlich würde ich auch in die Tate Britain gehen. Sowieso und überhaupt. London 2015

Das Bild hier hat mich immer wieder. Diese seltsam alarmierte Atmosphäre, die Farben, die Stimmung. Sehr passend zum Herbst.
London 2015 Die Packing list von Patti Smith hab ich neulich verbummelt. Eigentlich mein Talisman, der immer auf jeder Reise der letzten 5 Jahre dabei war. Hier sitze ich gerade im „Eat“ in Shoreditch und lese im Drehbuch von „The king’s speech“, einen Tag vor meinem 49sten Geburtstag. Ich habe das Gefühl, die Zeit rast. Wo sind nur die letzten vier, fünf Jahre geblieben?London 2015

 

Achtundzwanziger Tag im Oktober

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Kein Tag nirgends.
Beziehungsweise nur ein falscher. Wäre man doch im Bett geblieben, Heizkissen auf dem Bauch und Füße auf Schafsfell.
Statt dessen stehe ich in dem Berliner Bikini Center, das ich 2017 schon einmal besucht habe und mir immer wieder noch mal genauer ansehen wollte.
Leider ist es voll, laut und ich habe mal wieder so einen „Schub“, der mich zu einem Zombie macht, kraftlos, mit Luftnot, Erschöpfung und Beinen, die nicht gehen wollen.
Was um alles in der Welt…?!
Berlin Oktober 2019 Eigentlich gefällt mir die Architektur da ganz gut. Jemand hat es intelligent mit vielen vielen Sitzplätzen gestaltet, die mal nicht 08/15 sind. Berlin Oktober 2019
(Sitzplätze sind gut!)
Dennoch ändert es nichts an der Tatsache, daß das einfach nur ein Shoppingcenter ist, in dem es eigentlich nur überteuerten Kram gibt, auf den man im Grunde verzichten kann.
Berlin Oktober 2019 Dabei ist dieses System mit den kleinen Pop-up-Boxen-Läden ganz intelligent. So wechselt das Angebot immer wieder. Berlin Oktober 2019
Hier gibt es Klamotten für die Kaue. Ganz witzige Idee, finde ich. (Grüße an dich, Manulan!)

Berlin Oktober 2019 Schlechter Laune bin ich nicht, nur so entsetzlich erschöpft und überfordert. Deswegen werden meine Gedanken ein wenig böse und ich dachte beim Fotografieren: Affen, die auf Affen blicken. (Oh und ich ekle mich so vor Pavianen! Diese roten Pöker und noch schlimmer, die Löllermänner, die auch noch ewig rot in der Gegend rumblinken. Das verdirbt einem ja den Kaffee.) Nun gut, streben wir Höheres an. Berlin Oktober 2019
Blick auf weitere Affen einerseits und die Häuser der affigen Menschen andererseits. Das Waldorf Astoria. Das Zimmer für schlappe 300 Ohren und total häßlich. Aber bütte, von mir aus.
Nichts spricht zu mir, ich muß irgendwie wieder weg. Also runter…

Man betritt einen Laden, hört solche Musik (ich wußte bisher nicht, daß solche Schauerlichkeiten existieren) und blickt auf all den Kram, der bunt und bunter herüber leuchtet, den aber keiner braucht. Stempel mit abgegriffenen Botschaften, Schals mit eingewebten Zitaten (oder eigenen Texten), Büroklammern in Tierform, Fliesen für die Küche mit Berliner Street Art und natürlich endlose Postkarten mit hahaha und hohoho kleinen Kurzlachermotiven.

Berlin Oktober 2019 Oben ist der japanische Teeladen “Chaya”. Ich hätte wahnsinnig gerne so ein kleines Töpferkännchen, aber die Biester kosten ein Vermögen. Warum nur? Ich nehme also seufzend Abstand und gönne mir statt dessen eine Schüssel, die ich aber erst an meinem Geburtstag auspacken darf.

Schließlich trinke ich einen (zu teuren) Cappuccino im „Einstein“. Nein, ich fühle mich nicht gut. Berlin Oktober 2019

Berlin Oktober 2019 Um mich abzulenken, beobachte ich die Menschen. Mir gefallen die kleinen Lichtinseln mir gegenüber, wie die Leute da sitzen, „arbeiten“, ihre Heißgetränke genießen, in ihre Bagels, Croissants oder Törtchen beißen. Berlin Oktober 2019

Man ärgert mich schon wieder mit Musik. Auf dem Raststättenklo lief „You can leave your hat on“. Nun isses „Lady Marmalade“. Voulez-vous fuck yourself into your knee, ce soir? (Also ehrlich, FM, woher kommen nur deine blöden Gedanken?)
Immerhin:
Berlin Oktober 2019 Endlich stehe ich an der frischen Luft. Aber die Gegend ist so öde, wie sie immer war. Breitscheidplatz. Gedächtniskirche. Europacenter. Gepflegte Langeweile. Glücklicherweise werde ich bald abgeholt. Jemand macht Seifenblasen. Riesige, aber auch kleine. Berlin Oktober 2019
Eine kommt auf mich zu, als ich da sitze und warte, zerplatzt auf meiner Hand. Später sehe ich einen Regenbogen.
Gut wird es erst, als wir auf dem Rückweg sind, wir legen James Brown direkt auf unsere Wunden auf, geben uns dem Groove hin und blicken in den gigantisch schönen Sonnenuntergang und die ziehenden Stare am Brandenburger Himmel. Was Musik doch für eine Heilkraft hat. Aber die gute muß es sein. Da sind wir uns einig und switchen zu „Blue lines“ von Massive Attack.