Achter Tag im Dezember

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Die Kälte kommt. Anfang des Monats war sie ja schon mal da, so daß wir wirklich diesmal mit dem meteorologischen Winteranfang das Vogelhäuschen aufgehängt haben.
Zeit für die Vogelfütterung Dann kam Sturm und Nässe und relative Milde, aber zum Wochenende soll es Frost geben und etwas Schnee. Die Vögelchen nehmen das Futter jedenfalls dankbar an. enjoy

Es war ein reiches Lesejahr!
Besonders auffallend diesmal: Biographien und Autobiographien. Eine bunte wilde Mischung, vom sehr zu Herzen gehenden „Changeling“ (Mike Oldfield) über Michael Ende, Eva Mattes, Moby, Peter Handke, Astrid Lindgren, Freddy Mercury, Winston Churchill, Hannelore Kohl, Donald Trump und einigen nicht ausgelesenen wie Joseph Beuys, Paul Mc Cartney und Rio Reiser. Aktuell amüsiere ich mich über John Lydon, alias Johnny Rotten.
Viele andere Bücher, die ich las hatten autobiographische Züge wie die sechs Knausgard-Bände, die Bücher von Josef Ortheil, Devotion von Patti Smith, Winsstraße von Knut Elstermann und auch meine Nummer Eins The lonely city.

Hier meine drei Lieblingsbücher in 2017:
Die drei besten...
Dazu möchte ich mich noch mal ganz herzlich bedanken bei meiner Freundin Anja, die mir nicht nur zwei der drei Bücher geschenkt hat, sondern ohne die 2017 nur ein halbes (Lese-)Vergnügen gewesen wäre. Den Knausgard in 6 Bänden parallel zu lesen und uns darüber auszutauschen war ein Highlight. Aber auch die Lindgren-Biographie und „Devotion“ haben wir nahezu zeitgleich gelesen.
Hinzu kamen endlose Anregungen für andere Bücher, Filme, Dokus, Podcasts und Artikel online, die unseren Alltag sehr bereichert haben. Wir hatten in 2017 einen beinah täglichen Austausch per Whatsapp Sprachnachrichten und haben das für uns als sehr bereicherndes Medium entdeckt.
Und last not least haben wir beschlossen uns zu Weihnachten nichts zu schenken, aber Bücher & DVDs zu leihen.
Spannend, schön, hilfreich, danke!!!

Nun aber zu den Top 3 meiner Leseliste:

1. Olivia Laing: The lonely city– selten habe ich in einem Buch so reiche Querverweise gefunden, auf bereits bekannte und unbekannte Künstler, auf Bilder, Fotographien, Filme, Literatur, Projekte, Musik, Gedankengänge, alles kreisend um das Thema Einsamkeit, das einfühlsam und in vielen Facetten beschrieben wird. Vier Künstler stehen dabei im Mittelpunkt: Edward Hopper, Andy Warhol, David Wojnarowicz und der mir bis dahin vollkommen unbekannte Henry Darger. Jeder steht für eine andere Art der Einsamkeit und Einsamkeitsbewältigung, für eine andere Art der Kunst und ich habe besonders das Nachgoogeln dieser Künstler und Werke als Bereicherung empfunden. Viele Stränge führten auch zu Personen und Kunstwerken, mit denen ich schon länger vertraut bin, wie etwa Nan Goldins Fotos, dem Hitchcock Film „Vertigo“ (der mal zu meinen Lieblingen gehörte) oder Valerie Solanas, die einfach zu schräg war, als daß man sie vergessen könnte.
Ich finde, das Buch sollte dringend auf Deutsch erscheinen, auch weil es nicht ganz einfach zu lesen ist. (Ihre beiden weiteren Bücher sind übrigens schon fest auf meiner „to read“ list.)

2. Devotion (Patti Smith)– ein Kleinod, weil die unnachahmliche Atmosphäre, die Patti immer kreiert in ihren Büchern, mich auch hier wieder sofort umarmt hat. Die Geschichte in der Geschichte ist etwas befremdlich, aber dennoch sehr gut und ihr Detailblick hat mich wieder einmal verzaubert. Ganz meines und ganz ihres natürlich auch.

3. Die Lindgren Biographie war einfach eine Freude zu lesen. Man erfuhr so viel, es war gut geschrieben, ging vor allem auch sehr auf den Fakt ein, der nicht vielen bekannt ist: Astrid Lindgren ist sehr früh Mutter geworden und war mit einem unehelichen Kind persona non grata in ihrem kleinen Dorf und mußte ziemlich viele Entbehrungen hinnehmen, bis sie und ihr „Lasse“ wirklich eine Familie sein durften. Der Rest ist bekannt: Das zweite Kind Karin verlangte nach einer guten Geschichte und Pipi Langstrumpf wurde geboren.

Weitere Highlights meiner „have read(y)“ list:

Knausgards Band 2 der “Min kamp”Serie: Lieben, “Die Berlin Reise” von Ortheil, Mike Oldfields “Changeling”, die Geschichten von Barry Lopez und vor allem auch drei ganz ausgezeichnete Hörbücher: Der Briefwechsel von A. Lindgren und Louise Hartung, das überaus aufschlußreiche „Die Wahrheit über Donald Trump“ und Alfred Lansings Buch über die Shakleton Expedition.

Aber es gab auch Ärgernisse und Enttäuschungen, alle drei Handkebücher, die ich las, haben mir nicht gefallen („Am Felsfenster, morgens“, „Die Angst des Tormannes…“, „Versuch über den geglückten Tag“) und Knausgards Band „Leben“ war wirklich eine Tortur.

Auch bei den Filmen war das Jahr reich. Endlich war ich mal wieder im Kino („Maudie“) und es gab inspirierende Dokus („Ich bin im Wald, kann sein, daß ich mich verspäte“, „In the search of Sugarman“, „Dream of life“ und eine wundervolle Doku über Janis Joplin, um nur einige zu nennen).
Dazu ein endloses Ausmaß an allen möglichen Dokumentationen, diversen Podcasts und weiteren Bild- und Tonelementen online. Was wäre man ohne das Netz (und den doppelten Boden;))?
birds card

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Sechsundzwanzigster Tag im November

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Auf der Oranienstrasse war ich zuletzt im Sommer, an einem dieser heißen Tage, Ende Juli. Diesmal ist es klamm und kalt, aber wenigstens zunächst trocken.
Ich laufe sie in üblicher Manier runter und fotografiere mich so durch die Kleinigkeiten.
Decollage Oranienstrasse Natürlich gibt es Décollagen. Und natürlich faszinieren sie mich immer wieder. So wie auch witzige Aushänge, Schilder usw. Kleingeld

Die üblichen Weisheiten. (Wie war das noch: „And the words of the prophets are written on the subway walls and tenement halls…”?)
Die Liebe Vieles bleibt unerklärt. Loved

Strange street art Respect
Einiges ist selbstverständlich (oder etwa nicht?).
Du bist nicht allein

„Das zweite Erwachen der Christa Klages“ fällt mir dazu ein: Kinderladen bleibt

Ich gehe ja immer gerne zu „Kisch & Co.“. Buchauslage 1
Drei Fotobücher fielen mir ins Auge:
Ein scheinbar neues von Nicholas Nixon und ich fragte mich, ob es von den Brown Sisters schon ein neues Foto gibt?

Dann eines, das „Push the sky away“ heißt, wobei ich sofort dachte: Das ist doch ein Album von Nick Cave.

Beide Bildbände standen eingeschweißt im Schaufenster und ich war zu faul, sie innen zu suchen, also tat ich, was ich immer mache: fotografieren, um dann Zuhause in Ruhe nachzusehen.
Die Fotos von Piotr Zbierski haben was, aber wirklich zu mir sprechen, tun sie dann auch nicht. Aber merkwürdigerweise ist bei dem Buch, Patti Smith als Autorin genannt.

Das dritte war ein Bildband, der unglaublich reduziert war von fast 50 Euro auf 17: „The years shall run like rabbits“ der niederländischen Fotografin Hellen van Meene. Ihre Fotos fand ich leider etwas verstörend. In erster Linie pubertierende Kinder, aber so inszeniert, daß sie –bei mir zumindestens- ein gewisses Unbehagen hervor riefen. Jedenfalls kein Universum, in das ich eintauchen möchte. Wenn auch es da eine gewisse Faszination gibt.

Leider war die anhängliche Galerie geschlossen. Und: Im Buchladen mangelt es an Sitzmöglichkeiten zum Reinlesen, das habe ich schon immer bedauert.
Hunger treibt mich voran, aber noch mehr das schwindende Licht des Nachmittags, also erst Fotos, dann Essen.

Ach ja und einen neuen Handke gibt es. Das Cover ist genial. Der Titel merkwürdig. Der Klappentext weckt Neugier. Der Preis stößt dann wieder ab. Vielleicht später mal, dann reduziert.
Buchauslage 2

Der Buchladen „Müßiggang“ ist fast so vollgestopft wie der auf der Graefestraße und könnte toll sein, aber der Mensch, der dort verkaufte, grüßte mich weder bei der Ankunft, noch als ich wieder ging und es gab dort auch kein einziges Buch, das ich jetzt kaufenswert gefunden hätte. Dennoch hat er eine gemütliche Sesselgruppe um einen Tisch und dort könnte man wirklich gut reinlesen, vermutlich vollkommen ungestört, denn man wird ja nicht beachtet (hat auch was für sich).

Dann aber endlich ins „Bateau Ivre“. Seltsam, das kleine Schiffchen hier an der Hauswand hab ich noch nie gesehen. Le Bateau
Aus irgendeinem Grunde mag ich den Laden, obwohl er auch Nachteile hat: Ein Behindertenklo im Untergeschoss ist z. B. irgendwie irrwitzig. Die Schmuddeligkeit der sanitären Anlagen auch.
Und oft ist es dort sehr voll, allerdings mit einer guten Mischung an Leuten, die meisten eher sympathisch.
Bateau Ivre innen Das Essen ist manchmal auch irgendwie seltsam. Diesmal auch, denn das rote Pesto ist irgendwie keines, aber dafür so lecker, daß das dann auch nix mehr macht. Und ich habe Hunger wie ein Wolf und verschlinge dankbar die große Portion. (Die Preise sind absolut ok) Nach gestilltem Hunger hole ich meine üblichen Sachen raus und mache es mir gemütlich. Ich habe schon wieder Tonnen von Schlachtmaterial dabei, außerdem sind zwei Postkarten zu schreiben und es läuft keine Musik und es ist ziemlich laut in dem Laden, so daß ich wunderbar mal meine neuen Kopfhörer ausprobieren kann. Herrlich, die sitzen so stramm, daß Noice cancelling überflüssig ist. Ich sitze in einem warmen Soundraum und höre Jamie Woon und sonst nix mehr. Drinnen gemütlich, draußen naß, was Besseres gibt es ja gar nicht. Lampe im Bateau Ivre

Im Sommer war ich zuletzt da und saß rechts hinten in der Ecke. Da war es so heiß, daß ich dankbar war, daß das große Fenster „versenkt“ wurde.
Bateau Ivre Irgendwann gilt es aber doch aufzubrechen. Es nieselt leise vor sich hin.

Sehenswerte Fisch-Collagen an der Hauswand einer Raucherkneipe. Fischcollage an Hauswand

Ach und da ist ja auch Rio, den ich aber auf dem Bild niemals erkannt hätte.
Rio Lause lebt
Im Versuch, doch noch ein paar Fotos zu machen, stößt mein Fuß an etwas. Ein Pflasterstein. Ich will ihn beiseite werfen, da kommt mir spontan ein blöder Gedanke, nämlich ihn einzustecken. Pflasterstein von der Mariannenstrasse! Kleine Hommage an „die alten Zeiten“. Selbstverständlich bin ich gegen das Werfen von Pflastersteinen, egal auf wen. Aber das ist mehr ein Gag. So sieht also Kreuzberg die grauhaarige Rabin mit Hackenporsche einen Pflasterstein in ihrer Seitentasche verstauen, mit blödem Grinsen und „highly amused“.
Pflasterstein

 

Fünfundzwanzigster Tag im November

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Berlin auf dem Sprung vom Herbst in den Winter.
Goldelse im Regen Das Unangenehme: Nässe, Kälte, frühe Dunkelheit (ganz schlecht für Fotos)

Das Angenehme: Die Farben, wie gemütlich Cafés aussehen, wenn man draußen steht und wie schön es ist, drinnen zu sein

Between autumn and winter
So hat jede Jahreszeit ihre eigene Schönheit. Auch in der Stadt.

Ganz vergessen hatte ich die Graefestraße, die liegt mitten im Kreuzberger Kiez zwischen Landwehrkanal und Hasenheide.
Ganz urig ist Umbras Kuriositätenkabinett. Graefekiez 1

Das Antiquariat mit der spektakulären (und bereits arg verwitterten) Buchsäule ist auch innen so, wie es sich außen präsentiert.
Umbras Kuriositätenkabinett2 The beauty of decay

Nicht nur Bücher versammeln sich hier, sondern auch anderer Trödel. Eng ist es, voll gestopft und der Besitzer trägt tatsächlich ein umbrafarbenes Shirt (immer?).
Umbras Kuriositätenkabinett Ich möchte lieber fotografieren, als was kaufen (zumal mir dort alles viel zu teuer ist), aber leider darf man das nicht. Ein heimliches Foto gelang mir doch, als er gerade telefonierte. Witzig aber, wie sich alles dort übereinander lagert: Das Schöne, das Altehrwürdige, das Abgewrackte, das Urwitzige, das Urtümliche und alles dazwischen.

Wie auch die Parallelstraßen dort im Kiez, ist die Graefestraße alt-berlinerisch und romantisch. Graefekiez 2
Kopfsteinpflaster, Altbauten mit schönen Balkonen, schöner Baumbestand (im Sommer herrlich), überall Zeugnisse urbanen Kieztreibens: kleine Läden, Cafés, Kitas, Street Art, Urban Gardening.
Leider aber auch: voll, eng und die übliche Nummer: Alteingesessene raus und Dinkys (double income, no kids yet) rein.
Graefekiez 3

Graefekiez 4
Wohnen möchte man da nicht, aber zum Durchschlendern herrlich. Leider ist meine Zeit sehr begrenzt, deswegen gehe ich nicht weit. Mache aber meine üblichen Fotos von Details, die mich amüsieren.
Graefekiez 5 (Der Balkon sah ganz normal aus. Vermutlich im Sommer anders.) Nichts
Inspirierend. Ein super Titel (Buch, Platte, Band, Film, Song und am besten natürlich Café).

I am older than the internet

Kleine nette Galerie mit dem Namen “Whitegrid” (Agnes Martin ruft mein fröhlich frei assoziierendes Gehirn). In einem schmalen Raum dahinter eine silberne Null als Luftballon. (Andy Warhol ruft mein Hirn schon wieder dazwischen). Whitegrid Gallery
Einige Bilder gefielen mir sogar. Die meisten allerdings sagten mir nichts.
(Sehnsucht nach guter Kunst!)

Langsam bekomme ich Hunger, aber die Tageslichtstunden sind wirklich knapp bemessen. Und ich will noch auf die Oranienstraße.

Kein Schickimicki

Und für den Romantikfaktor: träumende Einhörner… The Unicorn is dreaming

Mehr aus Kreuzberg dann die Tage…

 

Zwanzigster Tag im November

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Immer wieder sucht der gemeine Künstler nach neuem Material. Die Idee Zeitschriften- und Katalogseiten zu bedrucken, kam mir seltsamerweise erst jüngst. Macht aber riesigen Spaß und ist sehr nützlich für meine Collagen.
Printing Besonders gefällt mir die alte Spielkarte mit dem „Cucu“ auf den winterlichen Strukturen einer Gudrun Sjödén Seite (immer sehr brauchbares Material). Aber auch die Vintage Flora auf den Seiten der italienischen Architekturzeitschriften ist schön. Es ist wirklich ganz einfach und die Möglichkeiten sind nahezu unendlich. 4 cards 4.Nov 2017
Noch immer mache ich wahnsinnig viele Collagenkarten.
Finish the day
Das in Begleitung von Loungemusik. Sie macht mich ruhig (und glücklich). In Dj Dimsa (YT) habe ich meinen „Lounge-Master“ gefunden. Eigentlich fast egal, welches Mix, sie sind alle irgendwie gut und laufen hier beinah nonstop. Das aber ist wohl mein aktueller Liebling.
Wenn eins aus ist, klicke ich zum nächsten.

Wer herzhaft lachen möchte, der lese übersetzte Hotelbewertungen. Auch emfehlenswert für Menschen mit „writer’s block“. Danach (damit) kann man surreale Geschichten/Gedichte schreiben.
Und so liest sich das dann:

Es war heiß, und die U-Bahn Züge fahren die Vergangenheit der Fenster.
Würstchen Fensterrahmen zerbröseln wenn Sie beginnen sie mit einem Messer schneiden; nicht wirklich sicher, was sie sind aus.
(…)wollten nur ein einfaches Hotel, aber das dauert das Wort einfach auf eine neue Ebene.
Ich würde meinen Hund nicht waschen.
Für das Frühstück nicht – ich meine Gesundheit Wert.
Nicht das billigste, aber gut für die U-Bahn.
Der ganze Ort kann nur beschrieben werden als eine totale Bruchbude.
Starker Geruch an vielen Dingen, inkl. BIER, Rauch, VERKOMMENHEIT, Schweiß, Drogen ich. e. Pot.
Es versteht sich von selbst, dass ein Zelt auf der nächsten Kreisverkehr wäre sicherer gewesen und mehr gastfreundlich. Bleiben Sie fern. . . . . .

Siebzehnter Tag im November

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Nun ist mein Geburtstag schon zwei Wochen her und noch immer finden sich Überraschungen in der Post (danke, Manulan!). Auch über dieses Schätzchen habe ich mich besonders gefreut: Poster (Buch) aus dem Summer of Love.
Summer of Love Poster Book Wie kreativ man damals war! (OK heute auch noch, nur anders) Summer of love und ich war ein halbes Jahr alt. Nix davon mitbekommen. Auch nicht von der sogenannten 68er Bewegung. Allerdings hatten meine Eltern ein Poster im Flur. Darauf stand: „Hattu Haschisch inna Tasche, hattu immer was zu nasche“. Dazu eine gigantische Hand mit einem Joint in gar fluoreszierenden Farben (magenta, orange und dergleichen). Der Witz ist: meine Eltern waren gar keine Kiffer. Mein Vater vielleicht zwei, drei mal, meine Mutter nie. Aber das Ganze war a) Kunst und b) Provokation und die beiden (Ende 20) wollten wohl jedem klar machen, daß sie nicht zum Establishment gehörten. (Was sie natürlich doch taten)

Und- tätätääääää! Ich war im Kino. Oh ja! Wunderbarerweise lief Maudie hier doch für ein paar Tage und so nutzte ich die Gunst der Stunde und besuchte zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder eine Filmvorführung. (Letzter Kinofilm: „Die neun Leben des Tomas Katz im Frühjahr 2001“) Das Kino war klein, gemütlich und günstig, aber an die Lautstärke des Tons (große Leinwand bedeutet doch nicht, daß man die Lautstärke hochdrehen muß oder?) und die Leute um mich her mußte ich mich erst wieder gewöhnen. Der Film war großartig, sehr sehr berührend bespielt. Ein Film, bei dem man nicht für eine Minute den Kopf zur Seite drehen darf, schon würde man Details verpassen, Blicke, minimale Berührungen, Nuancen. Wäre die Geschichte nicht wahr, wäre sie unglaubwürdig, aber sie ist ja wahr. Und beide haben so fantastisch gespielt. Ich möchte gerne noch mehr von Aisling Walsh sehen, die mich auch mit ihrer Präsenz wirklich beeindruckt hat. Wow! What a looker! Hier sieht man die drei im Interview und erfährt mehr.

Danach ging ich in mein liebstes Rostocker Suppen-Café, das B&G und aß meine Hausdroge, eine Möhren-Ingwer-Suppe mit geröstetem Schwarzbrot dazu. Lecker. Nächste Woche plane ich eine Wiederholung, denn da läuft „Mein Leben- ein Tanz“, den ich auch unbedingt sehen will. Flamenco habe ich schon als Kind geliebt. Meine Eltern hatten eine Platte, die ich ca. 2000000 mal abgespielt habe. Wieder und wieder.

Momentan locken mal wieder zu viele Filme, zu viele Bücher und mein Wunschzettel füllt sich. Der Trick ist: Warten. Wenn etwas nicht aufhört zu quengeln, kann man dem ja immer noch nachgeben. Kaum hatte ich mir das vorgenommen, meldete sich Flakes neues Buch als Hörbuch und quengelte. Ich habe selten über jemanden so lachen müssen wie über Flake. Vielleicht weil wir nur wenige Tage auseinander liegen, geburtstagsmäßig, konnte ich vieles, was er in seinem ersten Buch beschreibt, so gut nachvollziehen. Wirklich und tatsächlich würde ich DEN gerne mal kennen lernen. Aufregend, wenn man nur (auf den Tag genau übrigens) 2 Wochen (er hatte gestern) von einander entfernt Geburtstag hat und in der gleichen Stadt, aber in unterschiedlichen Ländern zur Welt gekommen ist! So was ist doch einmalig! Da tickt man ziemlich gleich, ist aber in völlig unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten aufgewachsen. Ich wüßte wirklich mal gerne, wie jemand wie er in so eine abartige Band kommt?! Schön aber, wie er sich sein Kinder-Ich bewahrt zu haben scheint und diesen köstlichen Humor. Schleichfuchs
Und das hier ist mein neuer Manteltaschenfreund: BE-BT (sprich Bi-I-Bi-Ti, das steht für bright eyed and bushy tailed). Ständig muß ich nachfühlen, ob er noch da ist, wenn ich unterwegs bin. Im Kino hatte ich Sorge, daß er mir aus der Tasche gepurzelt sei. Zuhause steht er dann auf dem Büchertisch, damit er nicht den ganzen Tag in der stickigen Manteltasche verbringen muß.

 

Zwölfter Tag im November

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Unglaublich, wie lange ich nichts gebloggt habe. Der Grund: ich hatte einfach irgendwie nix zu sagen.
Jeder Tag ist gleich, aber ok. Ich schmeiße mein Lieblingsschüßlersalz ein (5) und vertreibe damit die bösen Geister der Herbstdepression. Das klappte wirklich gut diesmal, die Uhrumstellung war ok.
Und meinen Schwellenübertritt ins 52ste Lebensjahr hab ich auch gut geschafft. 51 ist öde, aber wenn ich es umdrehe, bin ich so alt wie meine Tochter.
Meine Freundinnen haben mich mit absolut netten und zauberhaften Geschenken verwöhnt und vieles davon verbraucht sich sogar, was ich immer gerne mag, denn „Kram“ habe ich schon zu viel.
Nein, wirklich, jedes Geschenk sagt mir, wie gut sie wissen, was ich liebe und brauche, vor allem natürlich aber ihre Freundschaft.
Unter anderen bekam ich einen ganzen Karton mit Vintage Fotos. Was für ein Schatz.
Das hier ist mein Liebling. Ich wünschte, ich würde ihre Geschichte kennen. Sie hieß Marianne und das Foto wurde 1926 aufgenommen.
Vintage photo Und sonst noch?

Patti Smith auf DVD verschaffte mir 2 wunderbar inspirierte Stunden.

Ich sah dieses Video und weinte.

Ich hörte einen James Brown Song nach dem anderen und dachte: wie genial! Besonders das hier.

Nimbus
Ich machte viele Collagen Postkarten zu vielen Dokus, einige von ihnen sogar sehr gut, wie diese hier über eine selbstlose Tätowiererin und ihren stillen Kampf gegen Narben (auch denen auf Seelen).
Ich sah den Trailer von „Maudie“ und wünschte, ich könnte ihn im Kino sehen. (mal wieder keine Chance, „round here“)
Ich las die Kindheit von Keith Richards („Life“) noch einmal und lachte wirklich sehr über all diese Schrullen britischen Lebens in den 40er, 50er Jahren.
Ich fand beim Aufräumen das Buch „The third angel“ und staunte, daß darin ein Lion Park Hotel vorkam.
Ich träumte mich nach London (sah mich wieder am Red Lion Square und im Bloomsbury Park) und war doch froh, daß ich Zuhause war, wo es friedlich, still und entschleunigt ist.
Saudade
Ich lehnte zwei Angebote ab, schweren Herzens, das eine: Berlin für 1-2 Wochen im Dezember. (Zu kalt, zu früh dunkel und ich zu müde und zu erschöpft) und einen wunderschönen Hund (zu viel Arbeit und Verantwortungen und ein Schwur: nie wieder Hunde, es ist einfach zu schmerzlich, wenn man sie verliert).
Ich träumte viel und oft. Ich schlief oft und viel.
Ich backte den perfekten Marmorkuchen.
Und so weiter.

 

Berlinbesuch im Oktober

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Autumn Bike Unverkennbar, es ist Herbst in Berlin. Autum in Berlin
Und man kann schon froh sein, wenn es ein wenig milchigen Sonnenschein gibt, der Regen nachläßt und der Wind nicht allzu stark ist. Das war gestern gottseidank der Fall.
Eigentlich, ja eigentlich wollte ich ja unbedingt ins Kino. Und zwar in „Body and soul“, der mich sehr anspricht, obwohl ich ein klein wenig die Befürchtung habe, daß er etwas zu depressiv sein könnte, zu kryptisch vielleicht auch und dann spielt er auch noch in einem Schlachthof und das in groß auf Leinwand?
Vorher wollte ich natürlich noch in meine zwei Lieblingscafés, ein bißchen bummeln, Material „abgrasen“, Postkarten kaufen und verschicken…
Riot Beim Bummeln ließ ich mal wieder von jedem Detail aufhalten. (Typisch!) Berlin amüsiert mich. Es ist witzig, „thoughtprovoking“, anregend, inspirierend, (relativ) entspannt, gemütlich. London hingegen ist anders: magisch, aufregend, schön, abenteuerlich, herausfordernd.

Im englischen Buchladen gab es einiges Interessantes zu beschnüffeln. Autumn books
Unter anderem die gesammelten Poems von Sylvia Plath. Ich landete gleich bei „Stings“ und las es mir vor. „The lion-red body…“. The red lion Square. Oh yes. England, my lionheart. Aber nun bin ich hier und überhaupt ist alles überall, wenn man so will.
Ein Buch mit dem Titel „Burn after writing“ zog mich an, aber es erwies sich als dämliches Fragebuch, wie es sie schon zig mal vorher gegeben hat.
Ein weiteres mit dem Titel „Don’t eat the yellow snow“ hat mich geärgert, weil die Idee gut ist, es aber völlig flach bleibt: Kleine prägnante Zeilen aus Pop/Rocksongs. Gute Sache. Fragt mich mal! Mir fallen 1000 ein. Doch die vom Autoren ausgesuchten sind so flach, etwa „Imagine“. Na und? Wenn schon, dann doch „Imagine there’s no heaven“- DAS wäre interessant. Sogar „Above us only sky“ finde ich poetisch(er). Die Aufmachung ist simple, was ok wäre, aber es langweilt einen. Und das Buch ist mit 20 Euro absolut zu teuer, denn mehr als ein Gag ist das ja nicht.
Überhaupt kommt es mir manchmal vor, als wäre alles voll mit Dingen, die jemand erfunden hat für Leute, die schon alles haben.
Aha Alle mal kurz lachen. Haha, coole Idee. And on with the dance… Was ich aber entdecke in dem Laden, ist eine Karte mit einem weißen Pferd drauf. Weiße Pferde, große Tiere, Schutztiere, die verfolgen mich momentan. Löwen, Tiger, Pferde, Elefanten sind es gerade. Seit Monaten geht das schon so. Die Karte heißt „End of the world“. Aber das empfinde ich gar nicht so oder vielleicht schon, aber dann anders. Das weiße Pferd als Reisetotem für andere Welten. Godot table
In meinem Lieblingsschreibwarenladen auf der Kastanienallee kaufte ich den kleinen roten Kugelschreiber. Der ist so mini, daß er wirklich in jede Tasche paßt. Er schrieb blau, ich wollte aber schwarz. Der nette Ladenbesitzer wechselte mir daraufhin die Mine. Ich sah zu, um es gleich zu lernen, denn ich bin in solchen praktischen Dingen immer so eine Flasche. Wie wechselt man bei einem Kuli mit Drehmechanismus die Mine? Auch der Fachmann brauchte ne Weile, dann aber schafften wir es. Also nochmal, Schritt für Schritt. Es amüsierte mich und erfreute mein Herz, wieviel Zeit wir uns beide dafür nahmen und wie sorgfältig eine solche Bagatelle zelebriert wurde. Die schwarze Mine bekam ich geschenkt. Nett.
Im „Godot“ machte mich ein Gespräch mit der Kellnerin sehr nachdenklich. Sie fragte mich etwas, an dem ich erkennen konnte, daß sie sich gut an mich erinnert. Ich sagte: „Das weißt du noch?“ Sie: „Ja, ich merke mir so was, besonders wenn mir Leute sympathisch sind.“ Ich: „Ach danke.“ Dann meinte sie, ich wäre immer nett und freundlich und aufmerksam und das sei eine große Seltenheit geworden. Sie beschrieb, daß sie sich noch nie so schlecht behandelt gefühlt habe, wie an diesem Ort. Ich: Du meinst das Godot? Sie: Nein, ich meine den Prenzlauerberg.
Die Hipster und die Touris führen anscheinend mittlerweile ein Leben in seltsamen Seifenblasen und daß selbstverständliche Höflichkeiten wie „Bitte“, „Danke“, „schönen Tag noch“ schon auffallen, finde ich persönlich kraß.
Also Leute: Seid freundlich, höflich, umsichtig. You could make somebody’s day!
Wieder aus dem „Godot“, merkte ich, daß mir die Zeit davon lief und darauf hatte ich nun gar keine Lust und ehrlich gesagt auch nicht auf ein dunkles Kino, auf wieder Alleinsein, wo ich doch gerade mal unter Menschen war usw..
Ich schmiß (wie immer) meine Pläne um und bummelte weiter.
Buchbox Ach, die ist doch neu oder? Jedenfalls für mich. Wie alle Buchboxen ein freundlicher, gut sortierter Laden, dieser aber besticht besonders dadurch, daß man innen nicht nur (vegan) essen kann, sondern auch an Tischen in Ruhe in Bücher hinein lesen. Und sogar draußen kann man sitzen und man sitzt dort sehr schön. Ich las hinein in „Sunday sketching“, absolut göttlicher Humor und viele clevere Ideen. pretend it's 1995
Humor, der mir gefällt. (Übrigens ist mittlerweile in den angesagten Trendbezirken Berlins ALLES in Englisch: die Schilder, die Speisekarten, die Infos, die Gespräche sowieso, eigentlich alles. Nicht daß MICH das stören würde, aber es fällt wirklich auf. Würde anderen Nationen nie einfallen.)
Vorhang Jetzt ist es soweit: Spießer als Hausbesetzer. Wo kommen wir denn da hin? Obst
Ach, es gibt doch noch deutsche Schilder, allerdings kleine Zugeständnisse ans Denglish muß sein: Das Deppen-Apostroph. (Ohne geht einfach gar nicht)
Best Burger in town. Schon die ganze Woche habe ich mich auf den „Sonntag“ gefreut.
Best burger in town Die Musik ist gut, das Essen besser, die Kellnerin freundlich und wir haben wieder ein nettes Gespräch. Ihre Kellnerbrieftasche öffnete sich aus Versehen und streute den kompletten Inhalt auf den Boden des Cafés. Statt sich zu ägern, lachte sie herzlich und es sprangen Gäste herbei und halfen ihr einsammeln. Als sie dann bei mir kassieren kam, meinte sie: „Immerhin, das war gut, weil es mir gezeigt hat, daß Leute doch noch aufmerksam und hilfsbereit sind.“ Ich wurde ganz traurig davon, weil ich dachte: Noch so jemand, für den Selbstverständliches ganz besonders zu sein scheint. Später stellte ich mich kurz zu ihr an den Tresen und nahm eine Tablette, weil sich langsam mein Rücken wieder von unangenehm zu echt schmerzhaft verwandelte. Dabei hatten wir einen Talk über’s Älterwerden. Sie sagt, sie ärgert sich immer, wenn Leute ihr sagen, sie sei ja noch so jung (30), als dürfe man da nix haben. Aber auch mit 30 kann man sich schon kaputt und erledigt fühlen.

Dann fuhr ich mit der Tram zum „Soda“, ein Laden, den ich selten auslasse, wenn ich in Berlin bin. Toll, was die für Zeitschriften haben, nur leider völlig überzogene Preise: die „Hole and corner“, die ich für 10 Pfund= ca. 11 Euro gekauft habe, kostet da 25! Dennoch ein Tip, denn zum Stöbern und „sehen was es so gibt“ gut geeignet. Soda
Und der Laden liegt gut, direkt am Rosenthaler Platz.
Ich fuhr dann weiter zum Monbijoupark. Bei „Luca e Anna“ gab es herrliche Schals. Ich konnte an einem dunkelgrauen, großen, weichen Etwas nicht vorbei gehen. Oh je, ob Nerella, mein lieber vertrauter Schal mit Kaschmiranteil eifersüchtig ist? Seit ich Nerella habe, bin ich nicht einen Tag ohne sie.
Ich hab echt „nen Ding zu loofen“ (wie man in Berlin sagt) mit Tüchern, Schals und Stolas. Erstmal haben meine Lieblingsstücke z.T. Namen. Dann sind sie wie ein Teil von mir, ich nehme sie mit ins Bett usw.. Wenn ich Trost brauche, greife ich zu meinen Tüchern und Schals. Ich bin nie vollständig angezogen ohne. Ich trage oft im Sommer noch Tücher, denn ich liebe nichts mehr, als mich in etwas Vertrautes, Weiches einzuhüllen. Dann riechen sie oft auch noch so gut und überhaupt.
Der Schal von gestern war im Grunde ein überflüssiger Kauf, aber er ist dennoch einfach herrlich. Nun habe ich gleich zwei für die kalte Jahreszeit. Doppelt beschalt und betucht zu sein, ist übrigens auch noch so ein Spleen von mir.
What's in my bag? Übrigens eine ausgesprochen hübsche Bank, die vor dem Laden stand. Ach ja und da wir bei Farben sind: In Berlin sind Leute sehr unterschiedlich angezogen, eigentlich in allen Farben, auch Läden, Interiors, Häuser usw. sind alle sehr uneinheitlich. Ganz anders als in London. Menschen in roten Sachen? Nahezu Fehlanzeige. Auch orange und gelb sind dort nur als Warnwesten, Warnschilder oder irgendwelche „Achtung“anzeiger vorhanden. Der gemeine Londoner ist grau-anthrazit-schwarz und dunkelviolett angezogen. Wirklich fast als habe es einen Erlaß gegeben. Und wieviele Läden dort schwarz sind. Das war gestern wirklich interessant zu sehen, wie ganz anders das in Berlin war. Melanie de Biasio
Melanie de Biasio: Wunderbare Musikerin, was ganz Besonderes. Sehr magisch, fantastische Stimme, hypnotisch.
Leider schlug meine Tablette nicht an und bald fand ich mich sehr erschöpft und mit quälenden Schmerzen vor und beschloß mich im Monbijoupark ein wenig auszuruhen.
Monbijou Park 1 Schön ist es dort. Ruhig und die herbstliche Vegetation kam mir anrührend zart und besonders vor. Wieder diese schönen Farben. Monbijou Park 2
Jetzt hätte ich die Lumix gebrauchen können für schöne Nahaufnahmen und besondere Bilder. Aber die hätte mich dann mit ihrem Gewicht auch wieder vollkommen geschafft.
Monbijou Park 3 Hinter dem Brunnen schälten sich zwei junge Frauen Orangen Wie das rüberduftete- herrlich. Nach dem Parkbesuch ging es mir besser. Ich hatte mein Schlachtmaterial verschlankt und z.T. entsorgt, etwas Kraft geschöpft und wollte den Rückweg antreten, doch damit begann der Alptraum. Die M1 fuhr nicht. Keine Ahnung warum, aber das passiert nicht selten. Ich bin wirklich nicht oft in Berlin, aber ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, wo alles reibungslos funktioniert hätte. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer, habe ich das Gefühl. Ich wartete 20 Minuten, nüscht. Dann nahm ich die M5 und fuhr bis zum Hackischen Markt, dort überlegte ich mir Alternativen bis zur Schönhauser und beschloß die M4 bis zur Greifswalder zu nehmen. In der Tram war es voll und ich saß beengt. Mittlerweile hatte ich wirklich fiese Schmerzen und mir fiel auf, daß ich nicht gut atmete. Mir war schwindelig und ich war nervlich irgendwie ziemlich angegriffen. Am liebsten hätte ich geweint. Statt dessen versuchte ich zu atmen und mich irgendwie zu fassen. In letzter Zeit spüre ich einfach deutlich, daß ich nach 4,5 Stunden Stadt einfach eine Pause brauche, raus muß, Ruhe finden muß. Statt dessen steckte ich mitten im schlimmsten Berufsverkehr fest. An der Greifswalder fragt D., ob er mich abholen soll. Ich sage: Nein, nein, geht schon… Schnell mache ich noch das Foto hier. Die Berliner
Doch die BVG hält noch weitere Schikanen bereit: die Ringbahn fährt nicht, bzw nicht weit genug. Und ich weiß nur eines: SEV mit Bussen, das schaffe ich jetzt nicht mehr. Ich fühle mich so elend mittlerweile, daß ich wirklich kurz vorm Nervenzusammenbruch stehe.
Glücklicherweise willigt D. ein, mich an der Eberswalder abzuholen. Der Weg dorthin verlangt mir dann noch mal alles ab und als ich zu ihm einsteige, breche ich in Tränen aus.
Ich stelle fest, daß ich mich in letzter Zeit nicht nur körperlich, sondern auch geistig total überfordert fühle. So schön wie all die Inspirationen sind, die Energien der vibrierenden Stadt usw., so sehr zerrt das alles irgendwann auch an einem.
Trotzdem war es schön, aber ich merke, daß ich wirklich meinen Alltag (der schon sehr entschleunigt ist), noch mehr in eine ruhige Balance fahren muß.
Ich bin zu viel online, ich verarbeite zu viele Infos, gucke zu viele Dokus, klicke zu viel auf allen möglichen Seiten rum, lese zu viel und zu chaotisch, atme zu flach, trinke zu wenig, habe mich in letzter Zeit nicht so gut ernährt wie sonst. Mit Ü50 verzeiht einem das Körper/Seele/Geist-Gefüge das nicht mal mehr eben so. Und eigentlich leben wir ja alle auch in einem ziemlichen Wahnsinn, bei Lichte betrachtet, denn mal ehrlich, was machen wir eigentlich noch still, langsam, bedächtig und bewußt? Doch wohl nur das Wenigste. Ich habe mir vorgenommen: Das muß anders werden!

 

Zweiundzwanzigster Tag im Oktober

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Making collage postcards Seit einigen Tagen sitze ich an Collagen Postkarten. Erstmal weil ich mal wieder einen „swap“ organisiert habe, zum zweiten aber auch aus reiner Lust an Material und Farben. Wie immer kann ich dann nicht aufhören. Der Fluß ist nicht zu stoppen, ich mache das dann bis zur völligen Erschöpfung. Eines nach dem anderen. Postcard Milk

Postcard Kunst Dies sind nur ein paar Auswahlexemplare. Insgesamt sind es 17 Stück (in 4 Tagen). Postcard my mind

Postcard Legs Wie man unschwer erkennen kann, sind Nachtfalter gerade mein Lieblingsmotiv. Die Vielfalt ergibt sich daraus, daß ich Katalog- und Zeitschriftenseiten mit den entsprechenden Bildern bedrucke und dann aus dem Vollen schöpfen kann. One stone

In London kaufte ich mir am Flughafen noch schnell eine Zeitschrift.
hole & corner 1 Diese kannte ich noch nicht. hole & corner 2
Allerdings waren die Bilder, die ich beim Durchblättern sah, sofort ganz meine Kragenweite.
hole & corner 4 Handwerk, Langsamkeit, schlichte Schönheit und gutes Material ist wieder gefragt wie nie. Diese Zeitschrift zelebriert das. Die übliche Hochwertigkeit der Seiten, die Farbgebung und auch die Website dazu machen das ganze sehr interessant. hole & corner 3

“Hole and corner” ist übrigens ein typisch britischer Ausdruck und bedeutet etwas Geheimes, Abgeschiedenes, Verborgenes, Hintersinniges, nicht für jedermann Sichtbares.
Ich mag auch den Schriftzug der Zeitschrift sehr mit dem ampersand geschickt im o verschlungen.

Das Wetter ist nun ganz schön herbstlich und ich kochte mir morgens erstmal ein Kännchen Kakao.
Schön, daß sich auch dort meine Lieblingsfarben finden lassen.
Kakao (Reste)

Was Kunst mit uns macht, erkärt wunderbar Richard Cook in diesem Tate Shots Video. Seine Werke finde ich anrührend. Die zarten Farben!