Zwölfter Tag im August

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Ja und nun bin ich schon über eine Woche wieder hier und habe mich gut erholt. Es war auch wirklich nicht schlimm, eine weitere Woche alleine zu sein. Ich dachte erst, es würde mir nicht so gefallen, aber alleine komme ich hier immer in so einen herrlichen Flow aus Müßiggang und vollkommener Entschleunigung, das tat mir gut nach 9 Tagen Großstadt.

Nun sind Mann und Kind aber zurück aus Südfrankreich, nach einer langen „(Tor)tour“ (O-Ton D.) aus Dauerstau und Dauerregen, aber vorher herrlich bummeligen Tagen am Meer. Ich liebe, was sie mir mitgebracht haben, eine total geschmackvolle Zeitschrift (D.) und Muscheln in Erdtönen (S.) und eine Auswahl französischer Lebensmittel.
Back from southern France Ich liebe, wie sich die Küche füllt mit Sel Gris, Galette bretonnes, Perrier au citron und dem göttlichen stichfesten Joghurt, mit französischen Verpackungen und wie sich die beiden Strandsand aus den Haut- und Kleiderfalten klopfen, der Mann mit sich pellender Nase, Sommersprosse an Sommersprosse auf der tiefbraunen Haut, das Kind (eher ein Schattendasein führend) wie immer, beide entspannt und voller Geschichten und das Kind voll mit neuen französischen Vokabeln.

Ich liebe auch, wie der Berlingo noch immer nach Urlaub aussieht, die fetten Wasserkanister, die zerknüllten noch leicht feuchten Strandtücher, jede Staufläche voll mit Sonnenmilch, Duschbad, leeren und halbleeren Verpackungen, Resten von diesem und jenem, Polster hier und Kissen da (denn sie waren nur einmal im Hotel), haben ansonsten das kleine Auto als Wohnmobil genutzt, was wohl ganz gut funktioniert hat, ok mit 15 sowieso, aber mit Mitte 50, ein tough cookie unser Vating, ich muß schon sagen. Einmal aber haben sie sich ein Ibis gegönnt, richtige Betten, geräumige Dusche, ein komfortables Klo und abends noch auf der Terrasse sitzen umringt von Pinien. Leider brannte um sie herum der Wald und das war gar nicht ohne. Oft kamen sie nicht mehr durch, weil schon evakuiert wurde, die Brände rückten näher, was auch der Grund war, warum sie einen Tag früher zurück kamen als geplant. Aber S. hatte auch ein bißchen Heimweh und immer nur Strand, das wird auch irgendwann langweilig (sagt sie, D. sieht das ganz anders).

Ich hingegen habe hier das übliche gemacht, dazu viel geschlafen, viel gelesen und ein paar sehr gute Dokus gesehen, u.a. über Uwe Johnsons New York und die „Jahrestage“, 50 Jahre her, vielleicht mal ne Gelegenheit sie wieder zu lesen. Da er der Namenspatron unserer Bibliothek ist, haben sie von ihm alles, er hat oben eine kleine eigene Abteilung, da muß ich Anfang der Woche mal hin. Weil ich mittags lange schief, war ich zuweilen abends noch bis in die Puppen wach und genoß es um Mitternacht noch laut Musik zu hören, keine Sau da, niemand weit und breit. Nachts schlief ich mit offenem Fenster, manchmal hörte ich was schnaufen und schnüffeln, aber nichts, was die automatische Beleuchtung ausgelöst hätte. Abends hörte ich Wind und die Tiergeräusche der Nacht, fühlte mich (in)selig alleine, glücklich und zufrieden, aß wenig, lief immer im gleichen Shirt rum, hatte herrliche Sonnentage. Man braucht doch so wenig. Postcard Two bowles
Ein paar Collagen entstanden, das übliche Schnippeln an meinem überbordenen Tisch. Alltagsgenuß.
Postcard Believe you can Postcard Zebra

Zehnter Tag im August

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Berlin rooftops Nachdem ich “Die Berlinreise” mit Begeisterung gelesen hatte, wollte ich unbedingt Nachschub haben. Leider kam ich ja nicht mehr in die „Buchbox“, also ging ich an der S-Bahn gegenüber zu „Palma Kunkel“. Witziger Name. Palma Kunkel
Das Poster hing im Laden, war aber leider unverkäuflich. Schade.
Lesen macht schön Ich hatte Glück, das Buch war da und ich übergab es meinem Freund Hacki und der verstaute es brav in seinem großen Magen, bis ich abends auf meine Kissen sinken konnte und zu lesen begann. Lesestoff
Eigentlich wollte ich ja auch ins Kino, aber man läßt mich nicht. Der Film, den ich unbedingt sehen will („Meine glückliche Familie“) lief im Hackischen, allerdings drei Treppen- nein danke. Lieber aber noch (weil kultiger) wäre mir „Beuys“ gewesen, der lief in meinem Lieblingskino „Lichtblick“, allerdings ausgerechnet nur an einem Tag dem allerheißesten, an dem mich, auch abends, keine 10 Pferde mehr in einen stickigen geschlossenen Raum gebracht hätten! Überhaupt ist Kino was für trübe Tage und alleine sowieso nicht wirklich Fun. Also cancelte ich das Ganze.
Ich bin ja ohnehin eine große Pläneumwerferin, so verwarf ich an jenem Morgen auch noch zwei andere Vorhaben und wie ich schließlich so in der –ausnahmsweise- kühlen und angenehm leeren U2 saß, ließ ich mich weiterschaukeln und stieg einfach irgendwo aus, sagen wir mal am Wittenbergplatz. Ach ja, die U-Bahn-Station hatte ich ja vollkommen vergessen, dabei ist sie urig.
Wittenbergplatz Und oben dann das KaDeWe, früher war ich da tatsächlich öfter mal drin. Die Lebensmittelabteilung war damals schwer beeindruckend mit all den überbordenen Köstlichkeiten. Aber heute sieht mich ein solcher Ort nur noch von hinten.

Ich beschloß mir statt dessen das „Bikini“ anzusehen und zuckelte los Richtung Gedächtniskirche. Eigentlich ist das nicht weit. Aber die Sonne brennt und ich habe nun wirklich keine Kraft mehr. Zwischendurch fliehe ich kurz in einen „Rituals“laden mit dem dringenden Bedürfnis nach Düften. Dort steht im Raum ein Waschbecken und ich verspüre den beinah unbändigen Wunsch mir dort gründlich Hände und Unterarme mit kaltem Wasser zu umspülen, mir eines der kleinen Handtücher feucht zu machen, es mit zunehmen und mir in den Nacken zu klatschen. Ach, was läßt man nicht alles fein bleiben, um ein Handgemenge zu verhindern. Stattdessen teste ich irgendeine Creme, rieche danach etwas besser und erreiche den Breitscheitplatz. Ah, Bänke, Tische, draußen sitzen und im Schatten. Die Kellnerin kommt xmal vorbei, nimmt aber nie eine Bestellung auf. Vermutlich muß man wieder mal innen ordern, egal, ich hole mein eigenes Getränk raus und ruhe mich göttlich aus. Schon der Blick auf einen Brunnen ist genial. Die Krähe interessiert sich währenddessen für die Hinterlassenschaften der Gäste, die Essen erhalten haben. Mit einem Eishörnchenrest im Schnabel konnte sie später in die Bäume fliegen. Am Breitscheidplatz
Nach einer guten Pause, bei der ich mich ein wenig erholen konnte, trabte ich weiter.
Gedächtniskirche Als ich um die Gedächtniskirche gehe, holt mich die Vergangenheit ein. Ach natürlich, schon verdrängt in Sommersonne und Urlaubslaune, den Terror des letzten Winters. Die „Gedenkstätte“ vor der Kirche beinhaltet heute eine kleine Wand mit ein paar Botschaften und ein kleines Meer ausgebleichter Aeterna-Lichter. Und- hemmungslos und widerlich- Touris, die sich davor gegenseitig fotografieren. Ich werfe ihnen böse Blicke zu, aber sie nehmen es gar nicht wahr. Ich verzichte bewußt auf JEDES Foto, bleibe still stehen, wünsche den Hinterbliebenden daß ihr Leben irgendwann wieder lichtvoll(er) wird, leichter; auch wenn das unmöglich scheint.

Auch hinter der Kirche grotesk Unschönes. Aber das mußte ich nun wirklich fotografieren. Home of freshness
Schließlich das “Bikini”. Ein wenig hatte ich mich vorinformiert. In erster Linie war ich eigentlich auf der Suche nach einer Ausstellung, die vom (gerade renovierungsbedürftigen) „Haus am Waldsee“ hierher verlegen worden sein sollte.
Denn shopping malls sind für mich eigentlich Orte, die ich meide. Aber ich bin erstaunt. Die modernisierte Innenausstattung des alten Damenmodehauses (das der Berliner deswegen liebevoll Bikini nannte, weil es zweigeteilt ist) ist durchaus gelungen, alles kommt edel und dennoch leicht daher, angenehme Atmosphäre, nicht so grell und bunt, sondern harmonisch, schön und zurück genommen. Ehrlich gesagt nach meiner etwas zu bunten Wohnung geradezu eine Wohltat: die Erdfarben.
Bikini Kugelbahn Ganz fantastisch auch: viele, viele unterschiedliche Sitzplätze zum Verweilen und die Kugelbahn hat auch was. Unten kann man in Ruhe einen Snack einnehmen und vor allem für Kinder sehr schön, direkt am Zoo sitzen und die Tiere, in diesem Fall die Paviane, beobachten. Bikini Basement
Dieser Herr mit Laptop hatte einen Iro und Schuhe im zu den Affenpökern passenden knallrot. Witzig.
Die Läden unten sind kleine „Pop up stores“, ein gutes Konzept, weil luftig und leicht und unaufdringlich. Oben sind mehr gediegene Läden, alles ziemlich edel und hochpreisig, aber freundlich, hell und mit angenehmer Atmosphäre. Keine blöden Läden, wie es sie überall gibt, sondern zum Teil sehr ausgewählte Orte. Ich war im Chaya, einem japanischen Laden, der auch Teezeremonien anbietet. Wunderschönes (sündhaft teures) Geschirr. Wie immer, wenn mir alles zu teuer ist, mir ein Laden aber sehr gefällt, kaufe ich etwas ganz kleines, das ich mir leisten kann, in diesem Falle ein paar Räucherkerzen in einer aparten Dose mit niedlichen Füchsen drauf. Die Verkäuferin packt das so liebevoll ein, daß das Ganze zu einer echten Zeremonie wird. Sehr angenehm.
Die Ausstellung ist oben, also suche ich nach dem Fahrstuhl und lande- oh angenehm- in einem Dachterrassencafé.
Bikini Rooftop Restaurant Na hier kann man es aushalten. Die Musik ist scheußlich, aber das Salty Caramel Milkshake ist eine unvorstellbare Köstlichkeit. Salty Caramel Milk shake
Ich gönne mir einen Schattenplatz auf angenehm festen Polstern, sortiere meinen Kram, setze mir Kopfhörer auf und sorge selber für Beschallung. Ah, Wohlbehagen tritt ein.
Übrigens ist es innen fast noch cooler vom Blick her.
Bikini Rooftop Restaurant innen Eine echte Empfehlung.

Hinten auf der anderen Seite des Gebäudes kann man auf gigantisch großen Bänken ganz hervorragend ruhig sitzen, mich wundert es selber wie ruhig es dort ist (und wie leer das ganze Bikini ist). Der Blick geht dabei wieder auf und über den Zoo, was dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz gibt. Vor allem so mitten in der Stadt. Blick vom Bikini auf den Zoo
Schließlich entdecke ich auch die Ausstellung, die sehr klein und sehr merkwürdig ist. Die Künstlerin Christiane Seiffert stellt allerlei Orte in kleinen Selbstinszenierungen nach. Komisch in jeder Hinsicht.

Amüsiert verlasse ich schließlich das Ganze. Das ist das erste Shoppingcenter, das mir wirklich gefallen hat.

Achter Tag im August

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Himmel über Berlin

Sobald ich irgendwo bin, egal wo, sieht der vorhandene Tisch immer aus, als wäre etwas explodiert, was ist das nur? Auch diesmal kultiviere ich das Ritual mein Frühstück zwischen Collagenmaterial und Chaos einzunehmen, ganz wie Zuhause. Frühstück

Die ideale Stadt(bummel)temperatur ist für mich 20°, milder Sonnenschein, frischer, aber nicht übermäßiger Wind. Leider waren in Berlin zu dem Zeitpunkt mal eben locker 10° mehr. Normalerweise würde ich bei solchen Temperaturen möglichst Zuhause bleiben, aber das ging diesmal natürlich nicht.
Es war zwar ganz nett, zwischendurch auch mal wieder collagenmäßig rumzuspielen, aber deswegen war ich natürlich nicht in der Stadt.
Collage Also machte ich eher kleine, unanstrengende Dinge, so weit das eben möglich war. Als die Tram noch fuhr, holte ich mir abends auf der Hufelandstrasse ein Eis (göttliches New York Cheesecake Bio-Eis von Rosa Canina, kann ich nur empfehlen). Danach ging ich in die Buchbox. Endlich mal ein Ort, an dem wirklich gute Musik lief. Ich hatte überhaupt nicht vor, etwas zu kaufen, ich wollte nur mal rumgucken, dann aber wurde mein Blick förmlich angezogen von einem Buchcover. Darauf waren fliegende Vögel zu sehen, für mich ein Bild, das mich begleitet seit ich denken kann. Meine erste Erinnerung ist nämlich die: Ich stehe mit meiner Mutter am (damaligen) Gröbenufer in Kreuzberg, es ist grau und winterlich und ich sehe die Tauben, die über die Spree fliegen nach Friedrichshain, über Mauer(n) und Grenze(n), sie verbinden Himmel und Erde und mich erfaßt irgendwie so eine tiefe Sehnsucht und Melancholie, die mich mein Leben lang begleitet hat. Das Buch heißt „Die Berlinreise“ und mein Gedanke ist, wenn es nicht ganz grotte ist, kaufst du es, einfach weil es so paßt.

An der Kasse erzählt mir der freundliche Buchhändler (Bernd mit Namen, wie ich später erfahre), daß er das Buch sehr liebt und ich erzähle von meiner Kindheitserinnerung und warum ich das Buch gewählt habe. Er sagt, er hätte eine Gänsehaut. Er empfiehlt mir ein weiteres Buch von Ortheil: „Die Erfindung des Lebens“. Ich lese hinein und bin ebenfalls angetan. „Vielleicht eine gute Fortsetzung zum Knausgard“, meine ich dann und wir verlieren uns in einem Gespräch über die sechs „Min kamp“-Bände und er fragt mich, ob ich Tomas Espedal kenne. Das sei ein Freund von Karl-Ove und der sei auch lesenswert. Und schon findet sich noch ein detailverliebter Autor, dessen kleine Texte sich lesen wie Gedichte (so Bernd) und ich probiere es aus und lese uns beiden eines vor (und fühle mich dabei wie Kenneth Goldsmith) und wir sind ganz begeistert über die gras- und erdfarbenen Möbel und überhaupt. Wunderbar, mal mit einem Menschen zu quatschen, der sofort versteht, was ich meine. Doch Espedal muß warten. Berlinreise
Das Buch „Die Berlinreise“, mit dem ich mich später auf meinem Kuschelkissenpodest zurück ziehe, erweist sich als Glücksfall. Es ist das Tagebuch eines 12jährigen, der 1964 mit seinem Vater nach Berlin reist, ohne zu wissen, welche schmerzlichen Erinnerungen den Vater mit der Stadt verbinden. Der junge Johannes beschreibt auf einzigartige Weise so viele Details, das hat nicht nur einen besonderen Zauber, sondern auch einen besonderen Wert für mich, denn es ist ja quasi das Berlin, in das ich geboren wurde (1966).
Überhaupt Erinnerungen: alles überlappt sich, meine Kindheitserinnerungen, die Erinnerungen an 1992, als ich in einem ebenfalls heißen Sommer für 3 Wochen in Berlin war und an die Jahre 1999-2001 in denen ich wieder in Berlin gelebt habe. Emotional war das alles nicht ganz einfach, aber total interessant. Vielleicht bin ich auch deswegen so erschöpft jetzt, die Reise war nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch seelisch herausfordernd. Das Jahr 2000 war ein weichenstellendes Jahr, das Jahr 2001 eines der schwierigsten und schmerzhaftesten meines Lebens.
Und das Café „An einem Sonntag im August“ spielt auch keine ganz unwichtige Rolle dabei. Aber heute zieht mich etwas anderes dahin: unbehelligt sitzen können, gemütlich, entspannt, bei guter Musik, dazu gibt es dort die besten Burger Berlins („The sun always shines on Berlin“ ist mein Tip) und es liegt verkehrsmittelmäßig günstig.
It rocks to be a fox Überhaupt gutes Essen und kleine Unternehmungen. Am Else-Ury-Bogen ließ es sich gut aushalten. Berlin gegen Nazis
Ich besuchte die Buchhandlung der Autoren und „browste“ ein wenig durch.
Nicht zündeln Ich ging –natürlich- in den Bücherbogen und las (u.a.) in ein Agnes Martin Buch hinein, das ich noch nicht kannte, über ihre frühen Werke. Man traut sich kaum in Büchern zu blättern, bei so heißem Wetter, viel zu verschwitzt die Hände. Während ich sie mir alle 2 Minuten an meiner Hose abwische, blicke ich auf die Handschuhe, die auf dem XXXL Buch „A bigger book“ liegen und denke, die hätten sie mal für alle anderen Bücher auch auslegen sollen. Hinein geguckt habe ich nicht, Hockney ist mir zu bunt, früher mochte ich ihn sehr und wenn ich in der Tate bin, gucke ich mir seine Bilder gerne an, aber mittlerweile hat sich mein Geschmack verdändert, bzw. habe ich ein Bedürfnis nach anderer Kunst. Savignyplatz Laube
Am Savignyplatz nahm ich dann in einer der beliebten Lauben einen kleinen Imbiß ein, meine morgens erstandene Laugenbrezel und dazu das erstaunlich kühl gebliebene Erfrischungsgetränk.
Imbiß am Savignyplatz Ich saß ne Weile, bis mich größerer Hunger zurück trieb und ich beschloß an einem dieser klassischen Schickimicki-Orte etwas zu essen. Sonst vermeide ich solche Teile, aber diesmal lockten gemütliche Schattenplätze unter großen Schirmen. Der Mittagstisch war günstig und ich muß sagen, das war die beste Pasta, die ich seit langem gegessen habe: Linguine mit Gorgonzola-Spinatsoße und Walnüssen und der Insalata mista war auch grandios. Für 8 Euro das Ganze, ich war satt&selig. Spoiling myself with pasta
Am Ende jedes Ausflugs, war ich immer dankbar für die Tatsache, daß ich mit einem Fahrstuhl in meine Wohnung gelangen konnte.
Balkon
Endlich wieder oben ankommen, endlich raus aus den Schuhen und den verschwitzten Klamotten.

Siebter Tag im August

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Meine beiden besten Freunde in der Zeit heißen Hacki und Dicki. Dicki ist ja bekannt, mein Diktaphon, ohne das mein Leben möglich, aber sinnlos wäre. Und das meine ich nur halb im Scherz. Ich halte alles fest, was ich nicht aufschreiben würde, gäbe es Dicki nicht. Das Auditive fügt dem Ganzen auch noch eine andere Ebene hinzu, denn ich bequatsche das Teil auch in Zügen und in Cafés, ganze Soundcollagen entstehen.
Hacki hingegen ist ein neuer Gefährte, aber er hat sich bewährt. Es ist ein sogenannter „Hackenporsche“, eigentlich ist er nur ein Rucksack auf Rädern, aber eben nachziehbar. Nicht nur, daß er alles Schwere leicht macht, nein, sein ausziehbarer Griff ist DIE Krücke. X-mal hätte ich sonst Probleme gehabt hochzukommen und an Ampeln etc. kann ich mich auf ihn stützen. Ich nehme in Kauf, daß es blöd aussieht, das Ding auf dem Berliner Kopfsteinpflaster scheppert wie ne Sau, daß es natürlich überall im Weg ist und ich wirke wie eine der blöden Touristen, die Einheimische so zu hassen lieben. (Aber bin ich das nicht auch?)

Das Gute an Hacki ist, daß er eigentlich ein Rucksack ist und er hat zig Innenfächer und nochmal Fächer in den Fächern. So bleibt alles fein sortiert. Riesige Einkaufsmengen transportiere ich damit ohnehin nicht, aber manchmal kaufe ich unterwegs ein Brot oder ich stopfe meine Jacke hinein und das übliche Schlachtmaterial wiegt sowieso immer Tonnen. Außerdem kann ich so wieder die Lumix mitnehmen, allerdings nutze ich sie wenig. Ich bin ehrlich, die Qualität der Smartphone Schnappschüsse reicht mir. Ich habe wenig Nerv, drei Stunden auf ein Foto zu verwenden und das Smarti ist ohnehin immer schneller zur Hand.

So lande ich also mal wieder in Kreuzberg und das Schöne ist, hier verändert sich nicht viel. Obey ist da und überhaupt Street Art ist mal wieder DAS Gebot des Tages.
Kotti Ich entdecke immer wieder neue Details und das „Bateau Ivre“ hatte ich noch gut im Gedächtnis, das steuere ich nun an für ein zweites Frühstück. Oranienstrasse
Dort saß ich ausgesprochen gut, vor allem, als man das Fenster neben mir öffnete, so daß ich fast wie draußen saß. Leider stellte ich fest, daß es mit jedem Tag heißer wurde. Das ist gar nicht meins, erst recht nicht in der Stadt.
Bateau Ivre Das Baguette ist etwas härtlich, aber der Käse ist ausgezeichnet. Ich sitze und schreibe und habe ein wunderbares Ecktischlein, von dem ich alles im Blick habe. Zweites Frühstück

Unten im Klobereich muß ich lachen über Krake, das rechts, also falsch angebracht ist (der aufmerksame Leser erinnert sich: Bamberlamb und Krake! Siehe 30.6.2017).
Krake auf der falschen Seite Übrigens ging es Krake noch ganz gut, aber Bamberlamb war immer ziemlich gebeutelt. Nach 5 Stunden „Stadtbummel“ waren beide aber extrem garstig und ich humpelte abends nur noch durch die Wohnung und verfluchte die weiten Wege darin. Schokoladenladen
In dem Laden war ich nicht (Schokolade? Viel zu heiß dafür!), aber Gottes Antwort auf Broccoli, das hat mich zum Lachen gebracht. Der Laden ist aber vorgemerkt für einen späteren Zeitpunkt.
Genau wie dieser, der Samstags leider zu ist.
SO36 Im Sessel sitzen und Politzeugs lesen und an damals denken („…der Mariannenplatz war blau/so viel Bullen waren da…“). Müßiggang

Weitere Eindrücke.

Paddington

Bikini Figur

Street Art Xberg1 Für mich sind Kieze immer mehr einfach nur Kunstorte im öffentlichen Raum und ich scheue Galerien und Museen und laufe lieber durch die Straßen. Immer lockt irgendwo eine Décollage, sind Stickerwände offene Bücher der politischen Vorgänge und der (Jugend)kultur, einfach interessant und meiner Meinung nach definitiv bewahrenswert, man stelle sich vor, in den 60ern hätten die Straßen schon so ausgesehen und man hätte das alles abfotografiert, am besten über Jahrzehnte, wie interessant! Street Art Xberg2

Street Art Xberg3 Karten schreiben hab ich natürlich auch wieder gerne gemacht. Das muß einfach sein und der Türke am Kotti hat ein paar nette Motive für nen Euro. Postkarten

Abends in der Wohnung machte ich mir Kerzen an, riß trotz des Lärms beide Balkontüren auf und wartete auf Sonnenuntergang und damit Kühle. Wie ein Geschenk war jede Brise. Gewitter wurden wieder und wieder versprochen, dann aber wieder vertagt.
Sonnenuntergang Spektakuläre Himmelsbilder waren natürlich eine herrliche Dreingabe. Der Telespargel abends

Sechster Tag im August

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Wieder Zuhause nach 9 Tagen Großstadt, habe ich das Gefühl, daß die Stille und die Friedlichkeit, die viele Natur um mich her und das Ausruhen können, mir sehr gut tun. Jede Faser meines Körpers jaulte in den Berliner Tagen nach Entspannung und ich merke eine so tiefgreifende Erschöpfung, daß ich glaube, ich brauche eine ganze Woche um wieder zu mir zu kommen. Glücklicherweise bin ich vollkommen frei, Mann und Kind sind nach Südfrankreich gefahren und ich bin hier in der glücklichen Lage, mein Alleinsein zu verlängern. Erst fand ich das gar nicht unbedingt so toll, irgendwann hat man das ja auch mal satt, aber gerade finde ich es köstlich, daß mein Tag keinerlei Strukturen hat, ich schlafen und essen kann, wie ich möchte, ohne andere Menschen in meinen Tagesablauf miteinzubeziehen.

Wie immer bei allen Reisen liegen Glück und Erschöpfung, Überanstrengung und Momente der Seligkeit nah bei einander. Ich hatte Pech mit dem Wetter (unerträgliche Hitze, oft über 30°) und Pech mit Schienenersatzverkehr (die Tram direkt vor der Haustür fuhr die meiste Zeit nicht, zwei andere Linien waren auch noch gekappt, dazu gab es die üblichen Ausfälle bei Aufzügen etc.). Die S-Bahn war glücklicherweise auch nicht weit, aber gerade auf die Tram, und damit gemütlich zum Bötzowkiez zuckeln, hatte ich mich eigentlich verlassen. (Bei der Hitze in einen überfüllten Bus quetschen entspricht nicht meiner Vorstellung von Urlaub.)
Glück hatte ich mit meiner Wohnung: 160 qm für mich alleine, dazu eine wunderbare Aussicht über die Stadt: 13 Stock!
Ausblick 13. Stock Und das für einen Sonderpreis, mein Dank geht da noch mal an dich, liebe A.S. von Tipiyeah, du hast einfach für alles gesorgt, es war Spitzenklasse! Ich hab mich sehr behütet gefühlt. Außerdem wollte ich schon immer mal in einer Platte wohnen. Das hat mich immer interessiert.

Mural Greifswalderstrasse

Glück hatte ich auch wie immer mit kleinen Zufällen und Fundstücken, unter anderem habe ich ein wunderschönes Buch gelesen und ein zweites begonnen und ich war auch mal an Orten an denen ich lange nicht oder noch nie war. Doch dazu später mehr.
Auf der Kastanienallee Zunächst aber wollte ich meine Reise mit Vertrautem beginnen. Und so landete ich natürlich wieder auf der Allee meines Vertrauens und suchte nach den üblichen Details, die mich inspirieren. Frauendemo

Spirale

Streetart 1

Streetart 2

Das neue Bio
Wieder was gelernt: “Analog ist das neue bio”. (Mit dem Spaten gegen w-lan?) Später lernte ich noch, es handelt sich dabei um ein Buch. Vielleicht nicht uninteressant. Obwohl, ich denke, es ist alles dazu gesagt: Internet ist Teufszeug und Hexenwerk und unverzichtbar und global village und überhaupt. Und ich sitze doch immer noch meistens offline im Café, lese, schreibe und bespreche mein Diktaphon. Das tue ich am liebsten ungestört in meinem zweiten Wohnzimmer, dem „Sonntag im August“, nirgendwo kann ich so gut entspannen mitten im Gewühl des Prenzlauerberges wie dort.
"Der Sonntag" Vorher hatte ich eine „Zeitschrift“ gekauft, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Zeitschrift? Das ist ein tonnenschwerer Bildband. Unglaublich inspirierende Bilder. Ganz meine Kragenweite. Cabana

Cabana 1 Cabana 2
Ach und was findet sich denn da noch? Else Lasker-Schüler in einer sehr altehrwürdigen Ausgabe.
Lasker Schüler Streetart 3

Vermehrt Schönes Wiener Seife

Später in der Wohnung, mache ich es mir auf einem Podest mit ca. 50 bunten Kissen gemütlich und beobachte den Sonnenuntergang über der City.
Abenddämmerung über der Stadt Es ist sehr laut, an den Geräuschpegel muß man sich als Landei wirklich erst gewöhnen. Viele Erinnerungen kommen hoch, an meine alte Wohnung, in der ich vor 17 Jahren lebte, auch dort war es ziemlich laut. Auch sie war ziemlich oben, wenn auch nur im 5. Stock. In der Platte eine Platte hören
Mal wieder eine Platte abspielen, ganz ungewohnt. Wieder was gelernt: Amiga hat nicht nur „Ost-Platten“ heraus gebracht, sondern auch zum Beispiel „Wish you were here“, allerdings in anderem Gewand.
Berlin abends Und unter mir steppt der Bär. Hinten in meiner kleinen Schlafhöhle ist es aber ruhiger. Das Himmelbett mit Lichterkette ist sehr gemütlich. Am ersten Abend kann ich nicht einschlafen, zu ungewohnt ist alles. Macht  aber nichts, ich liege da und träume vor mich hin und alle Zeiten scheinen sich zu überlappen, die Dinge fließen in einander und ich lasse sie…Himmelbett

Dreiundzwanzigster Tag im Juli

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Immer wieder interessant, was Leute so treiben. Neulich machte man mich auf Kenneth Goldsmith aufmerksam. Ich lese im Web:

Einmal hat Kenneth Goldsmith die Ausgabe der „New York Times“ vom 1. September 2000 abgeschrieben; jeden Buchstaben von oben links auf dem Titelblatt bis unten rechts auf der letzten Seite. Er brauchte eineinhalb Jahre dafür. Die Abschrift ist als Buch erschienen, es heißt „Day“ und hat fast 1000 Seiten. (…)
Ein anderes berühmtes Werk des 55-Jährigen heißt „Fidget“, und dafür hat er am 16. Juni 1997 alles notiert, was er so gemacht hat. Alles heißt hier wirklich alles, das Buch beginnt so: „Augenlider öffnen. Mit der Zunge an der Oberlippe von links nach rechts entlangfahren.“ Goldsmith sprach das Protokoll auf Tonband, allein das Aufstehen dauerte eine Stunde, und um fünf Uhr nachmittags war er so erschöpft, dass er einschlief. (…)
Eine Woche lang schrieb Goldsmith jedes Wort mit, das er aussprach. Das Buch, das daraus entstand, hat fast 700 Seiten. „Es war die wichtigste Woche in meinem Leben“, sagt er, weil er damals gelernt habe, Text- und Informationsmassen zu organisieren. Goldsmith bezeichnet seine Künstler-Bücher selbst als unlesbar. Ganz bewusst: „Ich will keine Leserschaft, sondern eine Denkerschaft.“

Er ist mit so was aber weitaus nicht alleine. Walter Kempowski hat ja in Doomsday 1997 immer für Minuten durch die TV Kanäle gezappt und aufgeschrieben, was zu hören war. Der reinste Wahnsinn der Verblödung, wie man sich denken kann. Dem gegenüber stellte er Kinderbilder der Jahrhundertwende, das Unschuldige, Reine. Das Buch ist natürlich unlesbar. Und dann auch noch gebunden, teuer aufgemacht, herrliche Ironie.

Ich mache schon seit ich Anfang 20 bin gerne ähnliche Spielchen: Anagramme z.B.. Einmal habe ich halbe Nächte lang, Gedichte von Sylvia Plath in ihre Bestandteile zerlegt und die einzelnen Wörtern zu neuen Gedichten gelegt.
Einmal hab ich Gedichte aus den Titeln der Gedichte von Ernst Jandl gemacht.
Ja, seltsam, immer schon hat mich das Collagenartige interessiert. Vorhandenes nehmen, zerteilen, neu zusammen setzen. Was ist das eigentlich? Die Verwandlung? Das Spielerische? Die vielfältigen Möglichkeiten? Vielleicht kommt es alles nur von meinem ersten und einzigen Besuch der IKIBU, 1970, da kauften meine Eltern mir das Buch „Kunterbunter Schabernack“ (Hier ist zu sehen und zu lesen von achttausend Wunderwesen), darin konnte man –dreigeteilt- allerlei Tiere und Menschen neu zusammensetzen, Kranichkopf, in der Mitte Löwe, unten Ballettänzerin. Oder oben Mädchen, in der Mitte Ringer, unten Nachtgespenst. Dazu herrlich bescheuerte Sprüche wie „Hier ist zu sehen und zu lesen, was kleine Mädchen sind für Wesen/sie können kämpfen, ringen, boxen und sind so stark wie 20 Ochsen/vielleicht sind sie auch nur erfunden, denn morgens sind sie stets verschwunden.“ (Kann ich immer noch auswendig!) Ich glaube ich habe mindestens achttausend Stunden mit diesem Buch verbracht. Immer und immer wieder konnte ich es mir ansehen. Vielleicht hat das den Grundstein gelegt für meine Freude am Neuzusammensetzen.

Zum Schluß noch etwas Musik zum Schweben und Träumen. Beim Rumwühlen im Web entdeckt und für gut befunden. (Etwas seltsames Video, aber egal.)