Der Tag des Zebras

Heute ist Tag des Zebras.

Ich hatte Anfang des Monats einen überaus witzigen Traum und zwar von einer Stelle, eine Art Mäuerchen, Erhöhung in einer Stadt (irgendwo in mildem Klima), wo jemand einmal aus Gag eine kleine Zebrafigur abgestellt hatte. Aus Jux hatte jemand noch eines dazu gestellt und dann noch eins. Nachdem es sich rumgesprochen hatte, stellten immer mehr Leute Zebras dazu, bis es schließlich 15 waren. Diese 15 Zebras standen dort, bei Wind und Wetter und es wurde zur allgemeinen Selbstverständlichkeit sie zu besuchen, eine Weile da zu sitzen und um Glück zu bitten. Es galt auch als glückbringend, sie zu berühren.

Niemand hat sie jemals verräumt, niemals hat eines fort genommen oder ein weiteres dazu gestellt.

Im Traum las ich das Ganze in einem Online-Artikel. Und das Verrückteste daran war, so schloss der Artikel, dass es genau 15 Nationen auf der Welt gibt, in denen Zebras als Glücksbringer gelten.

Das war so ziemlich der urigste Traum, den ich in den letzten Jahren hatte.

Seitdem achte ich auf Zebras. Und als heute in meiner Taskleiste unten eins auftauchte, freute ich mich und erfuhr: Der Tag des Zebras. (Müßte das nicht der 15.1. sein???)

Musik Partikel 2/2023

Schlagwörter

Ich begann den Tag mit Dusty Springfields „The look of love“, wohl einer der romantischsten Songs der 60er Jahre, ich mag ihn sehr.

Leider erinnert er mich an einen der unangenehmsten Sonntage meines Lebens, in London, heute kann ich drüber lachen, aber damals fand ich mich zu diesem Song in einem schmuddeligen, überfüllten Café wieder und hatte das Gefühl, die Stadt will mir Übles.

PS: Unglaublich witzig ist dieses kleine Gay-Trekkie-Video mit der Untermalung durch den Song.

Ein echter Gewinn ist diese Website für Kate Bush Fans, zu jedem Song gibt es Erklärungen, Hintergründe, Lyrics und Querverweise.

„Blow away“ gehört zu meinen Lieblingen. Ein Lied über die Liebe zur Musik und Leben nach dem Tod.

Kate dazu:

Wir alle haben so eine tiefe Angst vor dem Tod. Es ist das ultimative Unbekannte, gleichzeitig ist es unser ultimatives Ziel. Dafür sind wir da. Also dachte ich an diese Sache mit der Todesangst. Ich mag den Gedanken, dass ich mich damit abfinden werde, und andere Leute auch. Das Lied wurde geschrieben, nachdem wirklich jemand ganz Besonderes gestorben war. Obwohl das Lied zuvor formuliert wurde und als Trost für die Menschen geschrieben werden musste, die Angst vor dem Sterben haben, gab es auch diese Idee der Musik, Energien in uns, die nicht körperlich sind: Kunst, die Liebe in den Menschen. Es kann nicht sterben, denn wo geht es hin?

Übrigens  erwähnt Kate Bush in diesem Song kurz zuvor verstorbene Musiker: Minnie Riperton, Keith Moon, Sid Vicious, Buddy Holly and Sandy Denny.

Das bringt einen zu der wunderbaren Frage: Wenn wir sterben und wir könnten Musiker auf der anderen Seite treffen, wer wäre das? Was hätten wir ihnen zu sagen?

Besonders kurzweilig die verrückten Cover Versionen der Postmodern Jukebox.

Meine Lieblinge sind „Shape of you“ in einer Stevie-Wonder-Version und „Thriller“ im 30er-Jahre-Style. Das Stöbern lohnt sich unbedingt.

Zwanzigster Tag im Januar 2023

Schlagwörter

,

Nun ist es auch schon wieder eine Woche her, daß wir in Dänemark waren, nun bin ich Zuhause und D. ist im Krankenhaus mit einem entzündeten Fuß, glücklicherweise auf dem Wege der Besserung, aber das Ganze überschattete natürlich unsere Zeit in Jütland.

Northsea

Hinzu kam das wirklich für meinen Geschmack etwas zu aufregende Wetter, zu heftigen Sturmtagen kamen viele Regenstunden hinzu und man mußte jede trockene Phase irgendwie abpassen. Es war zwar angenehm mild, aber der Wind machte ein Aussteigen aus dem Auto fast unmöglich.

Hjerting during flow, rain and storm

Natürlich waren all die überflutenden Strände und die wilde, tobende See nicht unspannend, aber mich machte das alles etwas nervös, er regnete förmlich Äste von den Bäumen und überall lagen Gegenstände herum, die am Tag zu vor noch ganz woanders waren.

Beach? What beach?
Beach? What beach?

Esbjerg Innenstadt ist ganz schön, ich freue mich schon auf den Sommer, dann werden wir uns das mal etwas genauer ansehen. Ich kenne sie natürlich seit meiner Kindheit, war aber zuletzt 2009 dort.

Esbjerg
Esbjerg
Esbjerg

Zwei Bibliotheken erfreuten mich mal wieder, Freitag war ich in Kolding, Sonntag in Esberg.

Kolding Bibliotek
Kolding Bibliotek
Store bog
The quiet in this pictures

In Esbjerg begegnete mir ein tonnenschwerer Bildband mit Bildern von Vilhelm Hammershøi, meinem Lieblingsmaler aus dem skandinavischen Raum. Mal abgesehen von Hilma af Klint, die einem auch in Dänemark überall begegnet.

Eurowoman
The mules

Achter Tag im Januar 2023

Schlagwörter

,

Ich glaube, ich werde mich langsam an mein chaotisches Leseverhalten gewöhnen müssen, denn es sieht nicht so aus, als würde sich das ändern. Ich versuche strenger mit mir zu sein, rebelliere aber immer wieder gegen meine eigenen Regeln. Will sagen: Ich lese viel zu viel gleichzeitig, fange viel zu viele Bücher an und lese sie nicht zu Ende.

Also sortieren wir mal: Tomas Espedals Tagebücher & Briefe habe ich ca. zur Hälfte gelesen, das Buch ist zumindestens zum Teil wirklich sehr schön, aber da es sich dabei um kurze Texte handelt, die auch frei für sich stehen können, ist ruhen lassen kein Problem.

Dann kaufte ich ja die Susan Sontag Biographie, aber obwohl interessant, ergibt sich für mich das Problem, daß zwischen mir und der Sontag einfach keinerlei Nähe entsteht, sie bleibt mir ganz fremd in ihrem überintellektuellen Ansprüchen und noch mehr in ihrer extremen Verehrung von Personen, etwas das ich noch nie nachvollziehen konnte.

Dann grätschte mir noch die Autobiographie von Tricky rein, auf die ich ganz neugierig war, weil ich seine Musik so sehr mag, aber sie ist schrecklich langweilig geschrieben und ich habe Mühe dran zu bleiben.

Nun neulich habe ich dann gebraucht die Biographie von Oriana Fallaci gefunden, eine Frau, die mich seit meiner Kindheit interessiert. Meine Mutter hatte ihr Buch „Ein Mann“ und mir als Teenager die schreckliche Geschichte erzählt, daß der Mann, den Oriana liebte, ihr als sie schwanger war in den Bauch getreten hat, weil er das Kind nicht wollte. Fassungslos, total erschüttert ließ mich das, ca. 12 jährig zurück. Auf den Gedanken, daß es so etwas geben konnte, wäre ich niemals gekommen. Schließlich entdeckte ich mit 18 ihr „Brief an ein nie geborenes Kind“ (das aber mit der Geschichte vorher nichts zu tun hat). Die Art, wie es geschrieben war, war total meins, ich habe es seitdem noch zweimal gelesen, zu unterschiedlichen Zeiten und jedes Mal war es absolut erbaulich trotz des traurigen Themas.

Jede Frau, die das Glück hatte, niemals ein Kind zu verlieren oder eine Schwangerschaft beenden zu müssen, so wie ich auch, weiß, daß sie die Ausnahme ist, daß dies ein besonderes Glück ist. Oriana Fallaci hatte dieses Glück nicht, sie hat alle ihre Kinder verloren und konnte letztendlich keines austragen.

Die Biographie ist gut geschrieben und so ist das jetzt wenigstens ein schönes Leseerlebnis.

Gestern dann war ich mal wieder im Buchladen gewesen, mehr um zu gucken. D. war mit und während ich in ein Buch mit dem Titel „Die Enzyklopädie der russischen Seele“ reinlies, machte er mich auf ein anderes Buch aufmerksam, weil ihm der Titel entgegen sprang: „Die Verteidigung der Poesie in Zeiten dauernden Exils“ von Volha Hapeyeva, einer Schreiberin aus Minsk, Belarus.

Book of Saturday

Ein schmaler Band mit einem wichtigen Thema: Wie Diktaturen die Sprache verändern, so daß sie nicht mehr eine Sprache des Herzens ist. Wie Poesie und andere künstlerische Ambitionen zensiert oder verboten werden, um freie Meinungsäußerung zu unterdrücken.

Mir fiel dazu sofort die Schreibmaschine ein, auf der stand: „This machine kills fashists“. Wer hatte die? Ginsberg? Ich fragte die Verkäuferin, ob sie das wüßte, sie hatte weder den Satz noch den Namen Ginsberg jemals gehört. Freundlicherweise googelte sie das aber und stellte fest: Woody Guthrie hatte das auf seiner Gitarre stehen. Ach ja, ich erinnere mich. (Von dem hatte sie auch noch nie was gehört.)

Das mit der Schreibmaschine kam in „California Typewriter“ vor, wie mir dann plötzlich einfiel und es war nicht Allen Ginsberg. Mein Gedanke war nur, wer „The howl“ geschrieben hat, könnte sowas auf seiner Schreibmaschine stehen haben.

Anyway, ich kaufte das Buch und D. und ich gingen ins Baltic Brothers, um unseren Lieblingskaffee zu genießen und was geschah, D. vertiefte sich in das Buch. Das ist noch nie passiert, denn er liest nie. Ich ließ ihn und genoß den Anblick. Früher war es für mich ein großer Konflikt, einen nicht lesenden Partner zu haben, ich, deren Leben lesen war. Heute weiß ich, daß man auch trotz sehr unterschiedlicher Interessen eine gute Partnerschaft haben kann.

Vinyl

Wir genossen den Kaffee und sprachen im Angesicht des Plattenspielers, der neben uns stand, über unsere alte große Holzkiste mit den Platten. Wir waren uns einig, daß das Weggeben von Kiste, Plattenspieler und Platten ein großer Fehler gewesen war. Wir hatten dies alles einem Freund zur Aufbewahrung gegeben und er war zwischendurch obdachlos geworden und hatte alles bei seiner Mutter im Keller untergestellt, dort gab es einen Wasserschaden und alles ist verschimmelt.

Ich muß ehrlich gestehen, daß ich das Ritual des Plattenauflegens als junger Mensch nicht wirklich zu schätzen wußte. Heute sehnt man sich danach. Ich zog eine der Platten vom Regal und hielt sie D. hin: „Unglaublich nicht, dieses Hinstellen der Cover, wie einem das fehlt, wie grandios das war. Das alles hat man damals mit der CD aufgegeben.“

Er nickte.

Swans

Nach unserem üblichen Picknick am Warnowufer mit Schwänen (ich mußte an Hanns Dieter Hüsch denken*) und leicht sich auflockerndem Himmel, dachte ich, wie seltsam doch gleich bei Milde und ein bißchen Sonnenlicht die Illusion aufkommt: So den Winter haben wir geschafft. Man hätte es so gerne. Immerhin die Aussicht auf Dänemark am kommenden Freitag bringt uns schon wieder gute Laune. Ja, es wird so weitergehen. Jeweils ein Wochenende im Januar und eines im Februar sind schon geplant.

Swans

Langsam gehen auch unsere Vorräte dänischer Lebensmittel zu Ende. Die göttlichen Schokokekse vom Coop und die hauchzarten Salzkekse, der wundervolle Bioketchup und die Bioschokolade mit Karamell und Meersalz.

Schwarm

Wir traten den Rückweg an, fuhren über die Käffer, ich brachte ein paar Bücher, die ich nicht mehr brauche zur Buchtauschstelle und entdeckte dort zu meiner Freude Kempowskis „Plankton“, ein herrliches Projekt.

Abends dann fand ich D. in der Küche vor, schon wieder lesend, diesmal im Plankton, mit großer Begeisterung.

*

Hedwig, Hedwig, wo fährst du mich hin?
Zu den Schwänen wohl auf dem Teich
Und die Schwäne kamen im Fluge herbei
Und waren so stolz und so bleich
Und wir fütterten sie und wir freuten uns
Vergaßen Welt und Gebrechen
„Hedpich, Hedpich!“ juchzte ich dann
Denn ich konnte das W noch nicht sprechen

(…)

Und die Treppe hatte hundertachzehn Stufen
In der Küche ein schäbiges Sofa
Doch das Haus voll Musik
Und die Leihbibliothek** war gleich nebenan
Und ich las mich zu Tode, wie man sich denken kann

(H.D. Hüsch: Hedwig)

**Eben jene Leihbibliothek, vermutlich damals noch woanders, kenne ich auch sehr gut, ich mochte die Moerser Bibliothek nämlich lieber als die in Krefeld. Wir fuhren oft dorthin und es gehört zu meinen Lieblingserinnerungen, wie wir in unserer mintgrünen Ente über die Landstraße fuhren nach Moers, der Heimatstadt von Hanns Dieter Hüsch und ich dort endlos nach Büchern stöberte, nach Filmen und Spielen und manchmal sogar ein Kunstwerk lieh in der Artothek, während D. im Foyer neben dem Kaffeeautomaten die Zeitung las, in einer Welt ohne Mobiltelefone und Internet.

Musik Partikel 1/2023

Schlagwörter

Rauchen in Songs

Der Klassiker „Two cigarettes in the dark“, aber auch Robert Fripp mit dem ziemlich angepunkten Stück „You burn me up, I’m a cigarette“. Und das wundervolle

Toss me a cigarette, I think there’s one in my raincoat

We smoke the last one and I will go…

in Simon & Garfunkels “America”.

****

Der unglaublich starke Song “Poppies”, den Patti Smith mit Edie Sedgwick im Hinterkopf geschrieben hat, inspirierte mich zu einer Collage.

November 1971

River man: gleich zwei mal ein wunderbarer Song, ich liebe beide, kann nicht sagen, welchen ich besser finde. Sie haben eigentlich nichts miteinander zu tun, heißen nur beide so.

River man“ von David Sylvian entdeckte ich Anfang der 90er Jahre und bis heute finde ich diese Ruhe, Poesie und Melancholie darin beispiellos.

Schon diese Rückwärtsgitarren am Anfang sind genial. „Gone to earth“ (1986) ist überhaupt ein durch und durch hörenswertes Album, ein Meisterwerk.

Now, should you ask me to come home

To wake up from the sleep

Like a boat inside a storm

Is there no hope for me?

So I keep running, falling

Wade into the water

Run with me river man

But when I reach out

I find I’m standing right beside her

Now we’re living

Blessed with all the thunder in the world

„River man“ von Nick Drake ist genauso wunderschön, das ältere von beiden (1969), von mir allerdings erst vor einigen Jahren entdeckt. Melancholie, Zartheit, Sommernachtstraum.

Going to see the river man

Going to tell him all I can

About the plan

For lilac time.

If he tells me all he knows

About the way his river flows

And all night shows

In summertime.

Auf ein Neues

Schlagwörter

,

Das war ein herrlicher Jahresbeginn, in erster Linie wegen des Wetters, selbst hier waren es 15°C und die Sonne kam auch ab und an mal durch. Wir waren in Rostock und ich lief ein wenig durch die Straßen um Fotos zu machen und hatte das Gefühl, jetzt gleich kommt der Frühling. Natürlich eine Illusion, aber man konnte sich das für einen Tag einbilden und damit happy sein.

1. Januar 2023

Ich ließ mich ein wenig treiben. In der Stadt Fotos machen, das hab ich schon lange nicht mehr gemacht.

1. Januar 2023
Rostock 1.1.23

Ein Unding eigentlich, daß ich noch nie im Waldenberger Café war, auch diesmal hatte es zu. Vorsatz zum neuen Jahr: Da mal hinein.

Rostock 1.1.23

(Obwohl man dann immer irgendwie 30 Jahre älter ist als alle anderen. PS: Im Fenster gespiegelt die Olle, das bin ich.)

Rostock 1.1.23
1. Januar 2023

Oha, in der KTV wird einem ja richtig was geboten. Glück kann man eigentlich immer gebrauchen und das Jahr damit zu beginnen, finde ich genial. (Ich knibbelte für D. von einem anderen Zettel das „Meer“ ab, denn das wollen wir ja auch, sowieso und immer. Daß das in Rostock noch nicht mitgenommen wurde, ist eigentlich klar, denn das Meer hat man ja sowieso.)

Rostock 1.1.2023
Rostock 1.1.23
Rostock 1.1.23

Ein großes Gewese mache ich jedes Jahr um den ersten Song im neuen Jahr. Es muß etwas Besonderes sein, etwas Positives mit einem Text oder einer Stimmung, die mir etwas sagt. Das hat immer lange Überlegungen zur Folge. Morgens im Bad fiel mir plötzlich der Song „I’m so excited“ ein und ich dachte: Der ist eigentlich passend, aber dann verwarf ich ihn wieder als zu „disco-dance-popcharts“-mäßig. Erst abends sah ich dann auf der Tagesschau-Seite, daß eine der Pointersisters gestorben war. Was für ein Zufall. Hinterher war ich ein wenig traurig, ich hätte doch meinem ersten Impuls folgen sollen.

Über die Käffer zurück fahrend, nahm ich noch ein paar alte Bücher von der Bücher-Telefonzelle mit, mehr oder weniger zu Schlachtzwecken. Als ich da so stand, fuhr ein Teenager auf seinem Rad vorbei und hatte (seltsamerweise, schon ewig nicht mehr gesehen und schon gar nicht auf nem Dorf) einen Ghettoblaster auf seinem Gepäckträger und was ergoß sich da über die friedliche Mecklenburger Idylle? „Hell’s bells“ von AC/DC. Ich mußte wirklich laut lachen. So wollte ich das neue Jahr eigentlich nicht starten. Aber mal abgesehen davon, ist der Song geil. So geil, daß D. und ich ihn später im Auto hörten und dazu vergnügt headbangten.

Nicht aber ohne vorher den wahren Ersten Song 2023 gehört zu haben, was könnte passender sein als „Here comes the sun“.

And I say: It’s allright.

Happy new 2023

Musik Partikel 2022

Schlagwörter

Am letzten Tag des Jahres blicke ich einfach mal zurück auf einige ausgewählte Songs, die in diesem Jahr herausragten, natürlich ganz subjektiv, rein persönlich.

Mein langjähriges Ritual (mache ich seit mehr als 20 Jahren) jeden 1. Januar mit einem besonderen Song zu beginnen, führte mich in diesem Jahr zu „The other side of life“ von Japan. Ich habe lange überlegen müssen, was ich wähle, denn eigentlich will ich immer etwas sehr Aussagekräftiges, diesmal aber fiel mir einfach nur das ein. Der Song begleitet mich seit 1990, ich liebe ihn immer noch sehr.

Im Februar begann der schreckliche Krieg und plötzlich war ein Song wieder aktuell: Russians von Sting. Ich erinnere mich, daß mein Vater und ich ihn damals provokativ an der deutsch-deutschen Grenze laufen ließen, als er rauskam. (Die Grenzer interessierte das natürlich kein bißchen.)

Wie aktuell der Text plötzlich wieder ist!

There is no such thing as a winable war… (das ist natürlich immer wahr und gilt grundsätzlich für alle Kriege)

Im März beschäftigte ich mich zwischendurch mal mit deutschen Songs und Punk, aus irgendeinem Grunde fiel mir „Der Mussolini“ in die Hände und ich dachte daran, wie wir damals dazu durch Schuldiscos gehüpft sind. Darüber kam ich dann auf weitere Songs, mir gar nicht bekannt, aber irgendwie stark war die Band Östro430 mit „S-Bahn“.

Im April stieß ich irgendwie auf den Song „Je suis malade“, der mit zu den herzergreifensten Songs aller Zeiten gehört. Man kann den nicht hören, ohne zu weinen. Ich jedenfalls nicht.

Im Mai war mal wieder ein unseliger Eurovisions-Songcontest, so dämlich wie alle zuvor, wieso guckt man den überhaupt? Nun ja, machte ich gar nicht, ich schnüffelte mehr so rein und mein Favorit gewann natürlich nicht.

Im Juni entdeckte ich einen Song von Hector Zazou, bei dem Peter Gabriels Tochter Melanie mitgewirkt hat. Spannend.

Im Juli war ich sehr angetan von Voltaires „So still“, einer der ganz ganz wenigen deutschen Songs, den ich mag.

Im August las ich die Autobiographie von Jeff Tweedy. Seine Musik ist nicht meines, aber das Stück finde ich absolut hörbar.

Im September entdeckte ich Lewis Taylor wieder, ich mag fast alles von ihm, besonders aber das.

Im Oktober hörte ich in dem alten Café in Krefeld, wo ich als junge Frau immer abhing, diesen genialen Song. Ich mußte die Kellnerin fragen, was es ist und D. und ich fanden beide, das es einer der coolsten Songs ist, den wir in 2022 gehört haben.

November und ich hörte zum ersten Mal so richtig Thom Yorke, sehr angetan. (Danke Poppy!)

Dezember: Das Stück, was mich in diesem Monat am meisten bewegt hat ist das hier.

Und damit wünsche ich euch allen einen wundervollen, möglichst friedlichen und stillen Start ins neue Jahr. Ich freue mich auf weitere Songs, die ich mit euch teilen werde.

Seid umarmt von FM

Dreißigster Tag im Dezember 2022

Schlagwörter

,

Nun sage bloß, da ist das Jahr schon fast wieder vorbei.

Zum Tod von Vivienne Westwood machen wir doch mal einen kleinen Abstecher ins Reich des Punk.

Irgendwie hatte die Frau einen schlechten Männergeschmack, denn sowohl Malcom McLaren als auch Andreas Kronthaler sind irgendwie Brechmittel (gewesen), wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Abstufungen. Anyway, bleiben wir bei Musik:

Tricky erwähnt in seinem Buch, dass er das Styling der girls im McLaren Video so abgefahren fand und so aussehen wollte.

Musikalisch ist das eher ein „naja geht so“, finde ich, aber natürlich total 80er.

John Lydon, aka Johnny Rotten ist kein Fan von Vivienne gewesen, hat aber mitgeholfen ihren Modestil populär zu machen.

Unvergessen natürlich die Sex pistols und die Nachfolgeband Public Image Limited mit diesem eigentlich ganz niedlichen, aber total nervigen Song.

Ich fand Vivienne nicht so ganz wirklich sympathisch, aber ihre Modeideen und ihr Engagement waren natürlich immer spannend und inspirierend und sind es noch.

Witzig auch, daß sie ihr ganzes Leben lang in Clapham wohnen blieb, ich kenne den Stadtteil ganz gut, da ich damals 2014 eine gute Busverbindung dahin hatte und oft dort einkaufen ging.

Wahrlich nicht der Stadtteil, den man sich aussuchen würde, wenn man sehr viel Geld hat.

In ihrem Laden bin ich allerdings nie gewesen, als er noch cool war und selfmade war ich noch nicht an Mode interessiert und später war er mir zu schick.

I read the news today...

Voriges Jahr hab ich eine meiner Trödel-Barbies zu Vivienne Westwood umgestylt, das hat Spaß gemacht.

Das blaue Album

Schlagwörter

Weihnachten, immer eine gute Idee, da was Besonderes zu machen. Hätten wir die Knete, wären wir nach Südfrankreich gefahren, aber leider haben unsere vielen Dänemarktrips das meiste verschlungen und die Zeit ist auch zu kurz, deswegen sind wir Zuhause.

Und so kam mir die Idee, das Blaue Album der Beatles nochmal ganz zu hören, nacheinander, jedes Stück. Das habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gemacht.

Meine Liebe zu den Beatles verdanke ich meiner überaus tollen und lieben Englischnachhilfelehrerin Mira Goldbach, die anregte, ich solle Englisch über lyrics lernen und mir ihre Beatlesplatten auslieh und mich ermunterte das Beatles Songbook zu erstehen.

Ich verliebte mich sofort. Die Songs der Beatles holen ein 10jähriges Kind da ab, wo es steht, vor allem ein englandaffines Kind mit einem schon immer leicht schrägen Gehirn (ich sage nur „I am the walrus“).

Und ich habe wirklich und tatsächlich unglaublich viel Englisch gelernt in dem ich alles mitgesungen habe.

Damals, als man noch Platten hörte, hatte man ja gleich mit dem Cover auch immer ein „Gemälde“, ein Bild zum hinstellen. Das Coverfoto vom roten und blauen Album faszinierte mich. Die Idee war einfach cool, die Band in zwei unterschiedlichen Altersstufen am gleichen Ort zu zeigen. (Ich dachte als Kind, die wohnen dort.)

Die CD hat uns dessen ja beraubt und ein booklet ist kein wirklicher Ersatz.

Ich besaß drei Beatles Platten: Rotes, blaues, weißes Album. Später kaufte ich Revolver auf CD und das weiße auch noch mal, nachdem mein altes irgendwo/wie/wann verschwunden war. Das verkaufte ich dann auch wieder, als ich Geld brauchte für unsere Reise(n) und heute besitze ich nur noch die Revolver CD.

Beatles Platten zu haben war schön, denn auf den Platten waren immer die freundlichen Äpfel, die einem auf den ersten Blick sagten, ob man die A oder B Seite vor sich hatte. A=ganzer Apfel, B=halber.

Aber nun zur Musik.

Es beginnt sozusagen mit meinem Geburtsjahr, im Herbst 1966 schrieb John Lennon an „Strawberry fields“ rum und ich witzelte später, daß mich das überzeugte, auf die Erde zu kommen, denn gute Musik würde kommen und die leicht schräge Welt von „living is easy with eyes closed“ war mir schon damals sehr nah. Der Song hat ein so exzentrisches Ende, das ich als Kind aber sofort liebte und mich niemals fragte, was das denn solle.

„Penny Lane“, ein „Kindersong“, der auch im Songbook fantastisch illustriert war. Ich liebte ihn sehr, der Feuerwehrmann mit dem Porträt der Queen in der Tasche, der fallende Regen und vor allem allem allem die hübsche Krankenschwester, die Mohn von einem Tablett verkaufte. Das hab ich als Kind natürlich überhaupt nicht verstanden, erst in den 80ern als ich mich über „The wall“ mit dem 2. Weltkrieg in England beschäftigte und dann 2015, als ich genau dieser Szene begegnete, es war November und an der Station „Embankment“ verkaufte eine Frau der Salvation Army die typischen britischen Mohnblumenanstecker, die JEDER trägt, wenn es an der Zeit ist an Poppy day zu erinnern.

„St.Pepper’s Lonely hearts club band“- das Album, das Mira mir geliehen hat und das ich auf Cassette überspielt hatte, war meine erste Bekanntschaft mit den Beatles und ich fand es grandios. In Beatles Songs war immer was los, Dada und Tamtam, Fanfaren und Chor und rätselhafte Texte.

„With a little help from my friends“, ein Song zu dem ich in meinem Zimmer rumhüpfte und den ich besonders wegen der Fragen liebte: Do you believe in love at first sight- Yes, I’m certain that it happens all the time. What do you see, when you turn out the light?-I can’t tell you, but I know it’s mine.

“Lucy in the sky with diamonds”, Kinderwelt (Julians Kigafreundin Lucy) versus Erwachsenenwelt (LSD). Ich liebe die Geschichte, daß Julian seiner Freundin Lucy, die später an Krebs erkrankte, einen Gutschein schenkte für Pflanzen im Gartencenter, denn sie liebte Pflanzen so sehr.

Die Musik war genial, das Traumverlorene darin ganz meine Kragenweite. The girl with kaleidoskopeyes.

„A day in the life“, eine ganze Zeit lang mein Favorit und Beginn meiner Liebe zu verdrehten Soundwelten und Rückwärtsmusik. Dazu dieser herrlich verrückte, traurige Text. Extremes Kopfkino bei den Lyrics. Ich liebe ihn immer noch sehr.

„All you need is love“- erst später begriffen, daß das die französische Nationalhymne ist am Anfang. Nie den Zusammenhang kapiert als Kind. Kein Stück, das ich mochte. All together now- everybody.

Seite 2

„I am the walrus“- wow und nochmal wow. Ich liebte es so sehr. Ich erfuhr schon bald, daß die lyrics Wortspiele und Verdrehtheiten waren und konnte mich entspannen. „Sitting in an English garden, waiting for the sun…“.

Ich glaube wirklich, daß diese Verschrobenheiten der lyrics in mir irgendwie das Tor geöffnet haben für meine eigenen Wortspiele, LaWendeltreppe ist nur eines davon.

„Hello, goodbye“- nett, aber kein Favorit.

„The fool on the hill“- bis heute bin ich überzeugt, irgendwann und irgendwo ein Video gesehen zu haben, wo Paul Mc Cartney unten ohne als „fool“ in der Ferne zu sehen war. Auch wieder so ein Kinderlied, mit dieser herrlichen Flötenmelodie und der märchenhaften Melancholie darin.

„Magical mystery tour“-Anfang der 90er kauften D. und ich uns den Film auf Video, fanden den aber fast unguckbar, total gaga, aber leider langweilig. Verschenkten ihn an einen Freund, der ihn stoned guckte und genial fand. Vermutlich war er auch so angelegt.

„Lady Madonna“- mit rätselhaften Zeilen, was bedeutet denn „make ends meet“?

Tuesday afternoon is never ending
Wednesday morning papers didn’t come
Thursday night your stockings needed mending
See how they run

Was sind stockings? Das mußte etwas mit der Börse zu tun haben, denn mein Vater sprach öfter von der stock exchange.

(Die Eltern fragen war schwierig: Mutter konnte kein English, mein Vater hatte zu wenig Zeit)

„Hey Jude“- geschrieben von Paul Mc Cartney für John Lennons Sohn Julian, der Text hieß erst „Hey Jules“ und sollte Julian nach der Scheidung seiner Eltern aufmuntern. Kürzlich hat Julian Lennon ein Album rausgebracht und in Absprache mit Paul das Ganze „Jude“ genannt und ihn auch gleich noch den Titel schreiben lassen. Schönes Cover, finde ich. Das Reinhören lohnt sich, auch wenn es mir nicht 100% gefällt. Ich mochte Julian Lennon damals besonders mit „Saltwater“, leider hat der Song nichts an Aktualität verloren, im Gegenteil, man könnte ihn so als Hymne der Umweltaktivisten verwenden.

I have lived for love
But now that’s not enough
For the world I love is dying
(And now I’m crying)
And time is not a friend
(No friend of mine)
As friends we’re out of time
And it’s slowly passing by
Right before our eyes

Auch “Revolution” ist absolut aktuell, besonders durch die Zeile “you can count me out (in)”.

Seite 3

“Back in the USSR”- witziger, dynamischer Song, aber kein Liebling.

„While my guitar gently weeps“- mein persönlicher Favorit, schön melancholisch, sehr George. Die Lyrics!

„Ob-la-di-ob-la-da“, könnte nerven, belustigt mich aber immer, denn als Kind liebte ich wie alle Kinder das Spielchen, bei dem man jeweils ein Elternteil an jeder Hand hat, rennt und dann von ihnen hochgezogen wird, so daß man mit den Beinchen in der Luft ist. Dieses Spiel hatte ich aus irgendeinem Grunde, den ich heute nicht mehr weiß „Ob-la-di-ob-la-da“ genannt. („Noch ein letztes Mal…bütte“)

„Get back“- mochte ich nicht, sagte mir nix

„Don’t let me down“- ich sage nur Rooftop Concert. Geniales Stück mit besonderer Atmosphäre.

„The ballard of John and Yoko“- für mich als Kind grottenöde. (hat sich bis heute nix dran geändert)

“Old brown shoe”- genial, wieder diese typische George-Harrison-Melancholie, großartig.

Insgesamt aber für mich die schwächste Seite. (Mein Mann hatte mal die Theorie, daß von jedem Doppelalbum Seite 3 am besten ist, aber das trifft hier leider nicht zu.)

Seite 4

„Here comes the sun“, wunderbar optimistischer Song, wieder sehr Harrison, wie ich finde. Überhaupt war diese Seite meine Lieblingsseite.

„Come together“, super cool, ich glaube, der erste Song, den ich richtig cool fand, mit seltsamen Textfragmenten, die ich nicht verstand, aber irgendwie stehen lassen konnte, auch sie waren cool in ihrer Rätselhaftigkeit.

He wear no shoe shine

He got toe jam football

He got monkey finger

He shoot Coca-Cola

He say I know you, you know me

One thing I can tell you is you got to be free

“Something”, wieder ein Song, den ich sehr mochte, weich, leicht melancholisch, feinsinnig.

„Octopus’s Garden“- wenn das kein Kindersong ist. Herrlich.

„Let it be“- den Song mochte ich nie. Viele finden ihn grandios, mir sagte er nie was.

„Across the Universe“ und „The long and winding road“, schon immer habe ich diese beiden Songs als Einheit empfunden, als eine Art Meditationsdoppelback und ich kann mich an viele Tage erinnern, an denen ich alleine in meinem Zimmer einfach nur da saß und intensivst lauschte, vollkommen beeindruckt von der Atmosphäre. Keine Ahnung welchen ich besser finde, das kann ich bis heute nicht beantworten. Ich war ein sehr melancholisches, verträumtes, hyperempfindliches Kind und beide Songs empfand ich als tiefen Ausdruck meines Inneren. Das Schwebende, Mystische von „Across the Universe“ und das trauernde, nostalgische, einsame in „The long…“. Dass damit das Album endete empfand ich als sehr stimmig.

Es war eine große Freude, das alles noch mal zu hören. Ich nahm mir dafür zwei Tage Zeit und stellte wirklich fest, daß keiner der Songs für mich nach all den Jahren seinen Zauber verloren hat. Natürlich habe ich sie alle in den letzten Jahren zwischendurch auch einzeln gehört, viele davon Dutzende Male, aber nie mehr so komplett in der Reihenfolge am Stück und nie so intensiv.

Musik Partikel (8)

Schlagwörter

Schlage eine Modezeitschrift auf und da hängt ein Chanel-Kostüm und drunter steht “Sketches of Spain”. Seltsam, an das Album mußte ich neulich noch denken, als ich Miles Davis hörte.

Und an den Felmy-Tatort aus den 70ern („Das Mädchen von gegenüber“), in dem das Album vorkommt.

Felmy landet im Haus des Lehrers und trifft auf dessen Ehefrau. Jazz läuft. In einer Pause sagt er: Herbie Hancock.

Sie: Interessieren Sie sich etwas für sowas?

Felmy: Manchmal lese ich sogar Kafka.

Nachdem er sich dann zum Kaffee eingeladen hat, findet er die Miles Davis Platte im Wohnzimmer vor und gefragt, ob er sie hören wolle, sagt er, er habe sie an dem Tag schon einmal gehört, bei Bärbel Koslowski. („Es war ihre einzige Jazz-Platte!“ Jatz sagt er, nicht Jäsz) Hat etwa der Lehrer das Mädchen umgebracht?

Anyway, Sketches of Spain ist faszinierend und gibt dem Tatort den richtigen schwermütigen Drive.

Überhaupt haben Tatorte den Zuschauern immer sehr ausgewählte interessante Musikstücke an die Hand gegeben. Ich frage mich, ob jemand die wohl irgendwo mal alle zusammen getragen hat. Für die Serie „Der Kommissar“ wurde das gemacht. (Darüber könnte ich wohl einen eigenen Blogeintrag schreiben.)

***

Hab seit langem mal wieder bei Bandcamp einen Song gekauft und zwar diesen hier. Corey King, was für ein wunderbare Stimme. Absolut erstöbernswert, bei Bandcamp kann man hören und erstehen.

***
I only have eyes for you.

Der Klassiker aller Love-Songs. Ich lernte ihn als Teenie in der Version von Art Garfunkel kennen, als mein Vater mir das Album „Breakaway“ aus den USA mitbrachte. Ich mag die Version immernoch. Das der Song gar nicht von Art Garfunkel war, lernte ich erst, als ich „American Graffiti“ sah und dort die Version von den Flamingos drin vorkam.

Noch zwei weitere Versionen begegneten mir im Film, einmal die unheimliche Variante in dem wirklich herausfordernden, aber wahnsinnig guten Film Pi von Darren Aronofsky.

Und einmal in dem süßlichen Romanticmovie „Something from Tiffany’s“ acapella gesungen von einem wunderbaren New York Street Choir.

(Es gibt bald niemanden, der den Song nicht gesungen hat. Es macht wirklich Spaß, den mal zu googlen und den ganzen Versionen nachzugehen.)