Achter Tag im August

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Ich bekenne mich freimütig zu dem, was ich das Erwin-Hapke-Syndrom nenne, das exzessive und obsessive Beschäftigen mit Papier. Das fing schon als Kind an und seit dem hat sich wenig geändert.
Das Erwin Hapke Syndrom Und damit ich nicht so ende wie good old Erwin, schicke ich Dinge gerne in die Welt. Nachdem die kleine Fake Vogue mit dem Namen Wog so viel Spaß gemacht hat, kam mir nur wenig später beim Basteln eines Minibooks aus dem Papier eines Kinfolk Magazines die Idee auch daraus ein Minibook zu gestalten. Ich muß dazu vorausschicken, daß die Kinfolk eine der wenigen Zeitschriften ist, die zu schlachten ich mir verbiete. Das liegt daran, daß sie wirklich sehr gut ist, auch von den Artikeln. Ich finde immer wieder interessante Künstler darin, sowie nachgoogelnswerte Inspirationen und Adressen. Wieauchimmer, Ausgabe 12, „The travel issue“ fand ich relativ schwach und beschloß eines Tages, daß ich sie zum Schlachten freigebe. (Ein Fest für mich selber, ein Schlachtfest sozusagen, denn das Papier ist herrlich!) Wie ich also an einem weiteren Minibook arbeite, fällt mein Blick auf einen weißen Streifen Seitenrand, den ich soeben abgeschnitten hatte und dort stand klein der Name der Zeitschrift. Und ich stellte beglückt fest, daß der genau in meinen kleinen Stanzkreis paßte. Das dann aufs Cover gepappt, gefiel mir so gut, daß ich auch davon wieder einen kleinen Stapel Minibooks mache, diesmal also Mini Kinfolks. Anders als bei der Wog, ließ ich die meisten Seiten so wie sie ursprünglich waren, also ohne weitere Ergänzungen. Daraus ergibt sich eine faszinierende Bildästhetik, die ihrem großen Vorbild schön ähnelt. Mini Kinfolk 1
Am Ende, so muß ich gestehen, gefielen mir beide, Wog und Kinfolk so gut, daß ich mich –ganz gegen meine ursprünglichen Pläne- entschlossen habe, die meisten davon doch zu behalten. Tja, das ist der Erwin in mir.
Mini Kinfolk 2 Übrigens ist die Erwin Hapke Geschichte doch eher traurig, oder? Diese Isolation! Dabei hätte er ein ganz anderes Leben führen können, mit einem Museum schon zu Lebzeiten und spannenden Büchern mit seinen Papierfiguren für andere zum nachfalten. Schade, daß er da nicht mehr Unterstützung erfahren hat. Für mich ist es jedes Mal ein Highlight, wenn Menschen mir schreiben, wie glücklich sie meine kleinen Briefe machen, die ich so gerne in die Welt schicke. Und wer hätte wohl nicht gerne einen Hapke-Brief bekommen, aus dem so ein entzückendes kleines gefaltetes Hexchen gefallen wäre? Ich hoffe sehr, daß jemand wirklich ein Museum aus seinem alten Haus macht. Es wird so viel Geld in Kunst gesteckt, die deutlich sinnfreier ist (sag ich jetzt mal so frech) als die erstaunlichen Faltobjekte des E.H.!

Doch zurück zu Kinfolk. Vorgestern am Gartentisch, las ich erst über die Cafébesuchsrituale anderer Menschen, was mich an etwas erinnerte, das ich in diesem Sommer wirklich schmerzlich vermisse. Reading "Kinfolk" in the garden
Hitze und diese blöde OP-Geschichte haben mich hier in eine schon viel zu lang andauernde, sehr unfreiwillige Abgeschiedenheit geführt. Ich freue mich daher schon beinahe auf den Herbst, in dem ich wieder auf kleine Ausflüge in die Hauptstadt meines Vertrauens hoffen darf.

Zum anderen las ich einen Artikel über den Musiker Benjamin Clementine, Londoner mit Wurzeln in Ghana, dessen Lyrics mich sehr faszinieren und der ein wirklich interessanter Musiker ist, auch wenn es etwas Zeit braucht, sich an seine Stimme zu gewöhnen. Auch seine Videos finde ich spannend. Aber seht doch selbst.

 

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Siebter Tag im August

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Drought Ich bin gespannt, wann es denn nun mal regnen wird. Bisher kamen nur ein paar Tropfen. Und nach drei entspannten Tagen ist es heute schon wieder barbarisch heiß. Aber vielleicht sind das nun die letzten extremen Tage und danach kommen vielleicht mal normale Temperaturen. Mittlerweile kommen einem 26° ja schon fast kühl vor. Immerhin ja 10° weniger als heute.

Mittlerweile ist meine Familie wieder da. Sie hat mir echt gefehlt. S. hat viele Muscheln mitgebracht und ein paar Steine auch. Mein Liebling ist dieser kleine hier, der an Schneiderkreide erinnert. Der kleine Schneiderkreidestein

Während ich hier alleine war, saß ich oft an Mini Books und wurde dann schließlich Herausgeberin der „Vogue“. Naja, hmmm irgendwas stimmt einfach mit der Schreibweise nicht (oder?). Aber meine „Wog“ ist aus den Seiten der echten Vogue gemacht, mit kleinen sehr lawendulatypischen Highlights.
Das war richtig Fun. Ich hab gleich ein paar mehr gemacht.
Wog 1 Wog 2

Wog 3 Wog 4

Wog 5 Wog 6

Wog 7

Das war die „Wog“, aus dem Hause Condor Nasty. Mehr Minibook-Geschichten werden folgen…

Dreißigster Tag im Juli

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Noch vor zwei Wochen lag ich erst im eiskalten OP, danach im kochendheißen Aufwachraum, hustend und prustend an Land kommend, zurück aus dem Tiefschlaf angenehmer Narkosen, zurück an Land. Die Hitze ist wie eine Zange. Der Schmerz gottseidank aushaltbar.
Schachmatt gesetzt füge ich mich drein, könnte doch alles viel schlimmer sein. Eigentlich wollte ich nach Berlin. Doch was will ich da auch in glühenden Gleißetagen, die einem in Grellheit und Lärm doch nur zusetzen?
So igle mich nun ein und heile. Heilen ist auch Arbeit.
Möchte also verkünden, daß Reisebericht(e) leider ausfallen. Habe nix vorzuzeigen außer Kreise, Kreise, Kreise…

New Mini Alles zu gebrauchen

Es füllen sich das kleine Journal…
kreisjournal …und das große. kreisjournal groß

Four

Richtig jut macht sich der Stempel, den mir die liebe Frau Zeilensprung geschenkt hat: What’s your story? Daily mail

Oxbridge

Und sonst?
Heiße, trockene Tage ohne Ende. Längst ist das alles nur noch eine Belastung. Ich stelle fest, daß ich mir Regen herbei sehne (obwohl ich ein Regenhasser bin!). Jetzt einen gepflegten Herbst. Solide 15° und feine Stürme, dazu festes Schuhwerk und das Geräusch der nassen Straßen. Auf ein Heißgetränk ins Café und sich in ein Tuch hüllen, wenn man wieder rausgeht.

Past dreams

Immerhin schadet die Dürre den Pflanzen weniger als gedacht. Und der Klimawandel treibt ausgesprochen liebenswerte Mittelmeerfauna zu uns her. Wie etwa das Taubenschwänzchen, so ziemlich das niedlichste, was ich in den letzten Jahren gesehen habe. Schwärmer goes Kolibri! taubenschwänzchen

Vierzehnter Tag im Juli

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Als Kind hörte ich mal von einem, der Tapire sammelte. Ich fragte mich immer, wie lange der wohl gebraucht hat, um auch nur eine Vitrine voll zu kriegen.
Tapire sind selten irgendwo zu haben. Ein Garagenfund von neulich hat mich wieder dran erinnert.
Tapir 1 Ich liebe Tapire, also jedenfalls vom Aussehen her, diese Kombi aus Hund-Bär-Schwein, irgendwie urwitzig. Sofort mußte ich eine Zeichnung aus einem alten Vintage Lexikon scannen und mir ein paar Sticker und Minikreise damit gestalten. Und was soll ich sagen, der Tapir macht sich gut. Tapir 2

Tapir 3 Tapir 4

Kreise…Kreise…Kreise…
Jetzt hab ich sogar ein größeres Buch angefangen.
The circle book

Falls mich einer sucht, ich bin am Schreibtisch.

Zwölfter Tag im Juli

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Krähenschwarm Was für ein Sommer. Nachdem es fast 3 Wochen (!) nicht geregnet hatte, war es gestern endlich soweit. Zum Glück richtig ergiebig und nur für einen halben Tag. White stones
Ich blühe natürlich auf, denn ich bin eine Sonnenliebhaberin. Wenn auch keine Freundin von Hitze.
Lieblingsstein Momentan bin ich wie besessen von Kreisen, großen, kleinen, winzigen. Überhaupt Details, je älter ich werde, desto mehr achte ich auf Details. Man entwickelt sich wohl irgendwie zurück zum Kleinen. Und das meine ich gar nicht negativ. Die große (weite) Welt wird immer unwichtiger, das Nahe(liegende), Kleine, Besondere immer wertiger. Das kommt mir sehr entgegen. Vogelminibuch
Das kleinste Minibook, das ich jemals gemacht habe, glaube ich.
Vogelminibuch innen Neulich sah ich etwas über Nicola Tesla. Besonders sind mir seine Patentzeichnungen aufgefallen. Was für eine herrliche Ästhetik. Ich beschloß sofort, Sticker zu machen. Das Ergebnis ist wundervoll. Patent Sticker
Auch andere Patentzeichnungen sind sehr schön.

Aber ach, es ist schon wieder zu viel Papier im Haus. Die Hälfte würde auch genügen.
Halb so viel Papier Aber wie sagte man schon immer als Kind zu seiner Mutter: „Ich brauche das aber ALLES noch.“ Mein Kind allerdings nicht, sie ist eher der gegenteilige Typ. Aber auch sie hat so ihre Papierobsessionen. Origami

Diamond

Da fällt mir doch Erwin Hapke wieder ein. Um nicht so zu enden, schicke ich meine kleinen Machenschaften immer gerne in die Welt.

 

Sechzehnter Tag im Juni

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Gestern war ich im Kino und sah den wunderbaren Film „Zeit für Stille“, den ich nur empfehlen kann. Wasser auf alle meine Mühlen. Die Welt ist so laut und wir alle nehmen diese akustische Umweltverschmutzung viel zu sehr als gegeben hin.
Kino Eigentlich wollte ich „Swimming with men“ sehen, der bestimmt sehr witzig ist, aber nun bin ich froh, daß ich mich umentschieden habe. Denn „Zeit für Stille“ ist wirklich ein sehr schöner Film fürs Kino: grandiose Naturaufnahmen und optimaler Sound. Zunächst dachte ich, ich wäre diesmal alleine im Kino, ich war 10 Minuten vor Filmbeginn im Saal und hatte die freie Sitzplatzwahl, gähnende Leere. Dann kamen aber doch noch 6 weitere Leute. Faszinierend, das ist das erste Mal, daß ich es erlebt habe, daß jeder bis zur letzten Filmminute in der völligen Stille ohne sich zu rühren im Kino sitzen geblieben ist. Bis zum dunklen Bildschirm und dem langsamen Angehen des Lichtes.

Danach war ich selig, auch weil der Nachmittag vorher sehr schön war. new polaroids
Ich kaufte 3 neue Postkarten und 12 neue Polaroids. Trank ne (lang vermißte, leckere Tannen-)Brause, aß ne indische Linsensuppe, im Hintergrund liefen die Beatles. Und beobachtete die an meinem Caféfenster vorbeiziehenden Menschen. Alle irgendwie sympathisch.

Ansonsten bin ich gerade selig hier in meiner Sommerklause, jeder Tag ein Traum und nach dem großen Regen von letzter Woche erholt sich sogar der völlig vertrocknete Rasen wieder.
Ich lebe schlicht und einfach, mit mehr oder weniger den gleichen Tagesabläufen, nichts passiert, aber das ist auch sehr schön.
Momentan habe ich es mal wieder mit Kreisen.
Mysterious things in life Ich probiere alles Mögliche aus und fühle mich ansonsten schon fast wie Yayoi Kusama. Kreise haben irgendwas glücklich Machendes, finde ich. (Ob das YK auch so sehen würde, weiß ich nicht.)LIttle Circles Journal
Es ist diese meditative Einfachheit vielleicht.
Wish

 

Achtundzwanzigster Tag im Mai

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pages Seit Monaten habe ich nichts mehr an meinem Journal Nummer 15 getan. Vor einigen Tagen habe ich dann beschlossen, es nun doch mal endlich zu beenden. Es fehlen ja auch wirklich nicht mehr viele Seiten. wtj 15 Mood of the month

wtj 15 Pas de deux Und wenn ich dann erstmal so schön dran bin, gerate ich immer in einen netten kleinen Flow, herrlich. Dazu diverse Dokus, die meisten finden sich auf Netflix, hier meine Top 3 der letzten Zeit:

1. Chasing Trane (über John Coltrane)

2. In the search for sugarman (über einen wunderbaren, ganz vergessenen Musiker, zum zweiten Mal gesehen)

3. Marias (über Marienverehrung in Lateinamerika)

wtj 15 draw

wtj 15 wear the journal

Und dann dieses Wetter. Da muß unbedingt dieser Song gehört werden.  Witzigerweise kenne ich den über einen Menschen, den ich vor fast genau vier Jahren an einem verqueren und scheußlichen Regentag im Pret (à manger) in South Kensignton kennen gelernt habe. Wie anders das Wetter doch heute ist (selbst in London).

Mehr Journal-Fotos demnächst.

Ach ja und dann wollte ich noch mitteilen, daß ich keine Ahnung habe von diesen neuen Datenschutzverordnungen. Ich bin nur eine harmlose kleine Künstlerin, technisch eine Null, nicht alltagskompatibel und viel zu faul, mich um so was zu kümmern. Ich tu niemandem was und erhebe auch keine personenbezogenen Daten. Wen das stört, klickt eben woanders hin. Hier lesen eh nur 3,4 Leute. Hoffentlich niemand, der mich anzeigt. Falls doch, bad bad Karma. Lohnt sich doch nicht. 😉

Vierzehnter Tag im Mai

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Leipzig und ein verrückter Tag voller Hindernisse. Staus, Blockaden, Baustellen, Umleitungen. Wir brauchten mal eben locker 1,5 h länger als geplant.
Wie gut, wenn man zwischendurch alles für ein kleines Picknick dabei hat.
Leipzig 1 Picknick auf dem Hinwweg Als wir dann ankamen, war es schon recht heiß und Baustellen aller Orten machten das Parken schwierig, die Stadt aber glücklicherweise so wie ich sie erinnerte: freundlich, besonders, hell, interessant. Überall außerdem Engel, Tierköpfe, Putten und Statuen, was sich hier durch die großen Schirme am Barfußgäßchen auch bereits ahnen läßt. Leipzig 2 Barfußgäschen
Die Freundlichkeit der Kellner! Wer von Paris genervt ist, muß nach Leipzig kommen, das den Namen Klein-Paris garantiert nicht vom Verhalten der Kellner bekommen hat!
Leipzig 3 Herrliche Architektur. Da ich aber das meiste schon vor 3 Jahren fotografiert habe, brauche ich D. jetzt nicht mit dem ununterbrochenen Zücken der Kamera nerven. Obwohl für einiges natürlich schon. Leipzig 4
In der Nikolaikirche ist Fotografierverbot. Egal, das muß man auch nicht. Wir sitzen und lassen uns beeindrucken. Wieder denke ich an St. Martin in the fields in London, die wie eine Schwesterkirche ist. Nur daß dort niemand eine friedliche Revolution geplant hat. (Oder?)
Den Namen des Leipziger Pastors mußte D. allerdings schnell googlen, der war mir entfallen, aber natürlich: Führer (ich dachte an Kämpfer, wußte nur, es war was Unangenehmes). Lustig ist, daß just jetzt die Band „Wutanfall“ eine Ausstellung in Leipzig hat. („Wutanfall – Die Punkband im Visier der Stasi 1981 – 1984“ Ausstellung, 17.05. – 10.06.2018 BStU Außenstelle Leipzig, Dittrichring 24, 04109 Leipzig Eintritt frei) Die hatte nämlich damals wirklich einen ihrer ersten Auftritte in der Nikolaikirche, wie Pastor Führer es hier so wunderbar erzählt.

„Das war HIER!“ sagen wir heute zueinander und können es noch immer nicht glauben. In dem Jahr haben wir geheiratet. Zwei Monate vorher, da gab es die DDR noch. Aber es rührte sich schon was.
Noch immer ist das wie ein Wunder für uns, daß es sie nicht mehr gibt, denn wir kannten es ja nicht anders, unser halbes Leben lang.

Eine Fahrt nach Plagwitz raus lohnt sich immer, nicht zuletzt wegen der besten Imbißbude der Repuplik, der Vleischerei.
Leipzig 5 Vleischerei Mit Sorge blickten wir auf das Haus. Wird das (auch) luxussaniert? Wie so viele andere auch? (Die wunderbare Volksbuchhandlung ist z.B. schon weg) Falls ja, dann werden wohl die neuen schicken Mieter nicht unbedingt diesen doch stark links-geprägten Imbiß unten im Haus haben wollen. Leipzig 6
Und das gibt es auch nur in Leipzig, eine Kultbrause, die unglaublich schmeckt.
Leipzig 5 Gerne wäre ich länger geblieben. Nicht eine ganze Woche, so wie 2015, aber zwei, drei Tage wären schon toll. Auf der Karl-Heine-Straße viele gute Fotomotive. Leipzig 12

Leipzig 7 Leipzig 11

Leipzig 10 Leipzig 9
Hier ist es bunt und lebendig, ganz nach meinem Geschmack.

Leipzig 8

Den Briefkasten hätte ich wirklich nicht als solches erkannt. Gut, daß ich vorher gefragt hatte, wo einer ist, da wurde ich gleich gewarnt, der sei so beklebt, man würde glatt an ihm vorbei rennen. Leipzig 14

Ansonsten denke ich über Leipzig immer noch das, was ich schon dachte, als ich die Stadt das erste Mal sah: Hier zu leben wäre vorstellbar. Natürlich habe ich das nicht ernsthaft vor. Aber wenn Stadt sein müßte, dann diese. (Und Berlin ist auch schnell erreichbar, mit dem Zug 1 Stunde 15 Minuten.)
Leipzig 13

Zwölfter Tag im Mai

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Abstract art made by nature Preisfrage: Was ist das? Ok, astract art made by nature (seht ihr das Gesicht?). Aber defacto isses der Blütenstaub auf dem Wasser unserer Regentonne.

Es war ein widerlich langer, nervtötender Winter (fast alle meine Pötte sind kapeister gegangen…), aber der herrliche Sommer, der jetzt schon im Mai beginnt, ist die Entschädigung dafür. Nach einem langen Winter
Alles blüht wie verrückt und auch nach dem großen Gewitter von neulich, setzen sich die überwiegend sonnigen Tage fort und fort und blauer Himmel und Sonne von morgens bis abends ist schon fast alltäglich geworden.
Flieder

„Ich blätterte so durch die Vogue, da sprach mich der Führer an“, nein, das ist nur der Titel eines Buches über Unity Mitford, ich blätterte allerdings trotzdem durch die Vogue. Die italienische, die ziemlich viele sehr inspirierende Bilder hat.
Merke: Vergeßt die deutsche, kauft die italienische oder die britische (Bahnhof, Flughafen, Hauptstadt eures Vertrauens). Oder noch besser kauft sie gar nicht, denn eigentlich…naja, egal. Warum kaufe ich diesen Quatsch? Weeßick nich, manchmal ist man sich selbst das größte Rätsel. Aber sie hat wunderbares Collagenmaterial. Und sie inspiriert mich. Und amüsiert mich.
Vogue Italia 1 Fotos von Migränentagen sind dort genauso zu finden, wie die Stills geheimnisvoller Filme. Vogue Italia 3
Leute, deren Geschichte man kennen lernen möchte.
Vogue Italia 2 Und schließlich…Humor! Vogue Italia 4
Am interessantesten aber ist das Männerbild der Vogue. Ich hab das ja vor 3 Jahren schon mal gemacht, daß ich das Männerbild sehr genau betrachtet habe. Auch hier wieder:
Männer in der Vogue Italia
Männer im Hintergrund, Männer, die nicht in die Kamera gucken, Männer als Randfiguren, auch am Rande der Lächerlichkeit, das schwache Geschlecht, keine Stärke, keine Machoposen, keine Dominanz. Männlichkeitssymbole winzig klein unter dem Stilettoabsatz. Der Mann als bedürftiger Umarmtwerder (linke Seite, bezauberndes Bild von Carla Sozzani und Azzedine Alaïa). Ich habe nur 2 oder 3 Bilder gefunden, wo Männer direkt in die Kamera sehen, nur eines, wo ein Mann dominant im Vordergrund steht (unten rechts) und nur 3 wo Mann und Frau gleichberechtigt neben einander stehen (Beispiel: 2. von rechts unten).
Spannend!
Nachher nehme ich mir nochmal die britische Vogue vor und vergleiche.

Neunter Tag im Mai

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Heute habe ich (endlich) das Buch von Viv Albertine ausgelesen. Endlich, weil es doch ziemlich heavy stuff war mit einer schonungslos ehrlichen Erzählstimme, die durch alle Facetten einer dysfunktionalen Familie wanderte und überall hinein leuchtete, z.T. ziemlich grenzwertig in dem, was man Lesern zumuten kann, finde ich. (2018 scheint ein Händchen dafür zu haben, solcherlei Bücher meines Weges zu schicken, schon Nadja Spiegelman („Was nie geschehen ist“) und Deborah Feldman („Unorthodox“) waren schwer verdaulich in der Hinsicht. Und natürlich auch Joan Didions traurige „Blaue Stunden“, wenngleich das nichts mit dysfunktionalen Familien zu tun hatte.)
Andererseits mag ich diese mutigen Frauenstimmen, die genau berichten, daß ihr Leben, ihre Kindheiten nicht in Ordnung waren und warum nicht und wie schwierig gerade Mutter-Tochter-Verflechtungen sind, was wir (Töchter einer Mutter und Mütter von Töchtern) so sehr schmerzhaft genau wissen.

Begonnen in London, am 22.4..
Begonnen in London 22.4. Beendet in meinem Garten, am 9.5.. Beendet im Garten 9.5.
Interessant an dem Buch von Viv war, wieviele Hinweise es darin gab, auf Bücher, die ich auch gelesen habe, manche sogar jüngst erst: Olivia Laings „The lonely city“ und Maggie Nelsons „Bluets“, Nora Ephrons „I feel bad about my neck“ und „I remember nothing“, sowie Joan Didion. Eine andere Autorin (Rebecca Solnit) ist eine, über die ich in letzter Zeit andauernd stolpere.
Es gab Zitate von Künstlerinnen, mit denen ich mich auch auseinandersetzt habe oder aus Songs, die ich kenne. Sogar die Buslinie 55 und Cecil Court sind mir bekannt (ist letzteres wirklich Vorbild für die Winkelgasse von Harry Potter gewesen?)
Intriguing Cecil Court

Herrlich auch der Zufall mit den Bäckereien in den beiden Büchern „To throw away unopened“ und dem (gänzlich anderen) Buch „Inside Vogue“, beide Frauen, etwa gleichen Alters beschreiben wie sie bewußt losgehen und die (geliebte) Bäckereien, aufsuchen, um für ihre Kinder etwas Besonderes zu kaufen. Croissants und chelsea buns bei Gail’s für Alexandras Sohn Sam, der nach 9 Wochen aus NYC zurück kommt. Ein spelt (Dinkel) scone für Vivs Tochter Vida am Tag nachdem ihre Großmutter (Vivs Mutter) mit 95 Jahren verstorben ist (eine Tatsache, die das Grundgerüst dieses Buches bildet). Doch bei Violet’s gibt es keine spelt scones, also a buckwheat scone und a banana muffin.
Als ich den Weg von Viv auf google map nachvollzog und mir die Fotos der Violet’s Bakery ansah, träumte ich mich sofort dorthin. Es ist so typisch für London, die Tafeln, wo dran steht, was es gibt, diese üppigen Leckereien mit ihren Labels drin, die Farbe des Geschirrs usw..

Ich glaube zuweilen, daß Frauen schmerzhafte Situationen gut überstehen oder aus freudigen Kleinigkeiten große Glücksmomente zaubern, hat einzig und alleine etwas damit zu tun, daß sie wissen, wie sie sich selbst (und ihre Lieben) verwöhnen können; wie wichtig kleine Dinge sind, der richtige Ort, an dem man das Richtige kauft, selbst so profane Dinge wie Backwerk. So etwas ist wichtig. Genauso wie Kerzenfarben, Servietten, Blumen, Handtascheninhalte, das Tragen eines bestimmten Kleidungsstückes, der Geruch und die Haptik vertrauter Dinge oder der Song, den man sich am morgen nach dem Aufwachen anhört.
Und dann die Tasse Kaffee/Tee zwischendurch. Winzige Momente mit sich selber und ein Lächeln. I made my way through all this. Again.