Siebzehnter Tag im Februar

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Die interessanteste Art von Malerei ist die Soundmalerei. (Brian Eno)

Gerade läuft bei Arte die wunderbare Serie „Achtung, Aufnahme“ über die Geschichte der Popmusik. Ganz meine Kragenweite. Gestern sah ich Folge 2 „Die Magie des Studios“ und mir fiel so vieles wieder ein…
Wenn ich etwas gerne geworden wäre, als ich 20 war, dann Sound-Collagistin. Schon als Kind habe ich (mit einem schrottigen kleinen Cassettenrecorder) Aufnahmen gemacht von Stimmen und Geräuschen oder mit meiner eigenen Stimme experimentiert. Stücke wie das göttliche „A day in a life“, „Blue Jay Way“, „Tomorrow never knows“ und „Revolution#9“ (alles Beatles Songs) finde ich bis heute so genial wie damals. Alle Bands, die ich irgendwie gut fand, haben Sounds in ihre Songs gemischt, Supertramp, Pink Floyd, später Depeche Mode. Was heute total normal ist, war damals die Ausnahme.
Mit 19 dann lernte ich von einem Freund, wie man mit einem 4-Spur-Tapedeck umgeht, wie man rückwärts aufnimmt oder wie man sampelt. All das erforderte leider teure Technik, die ich mir nicht leisten konnte. Aber jede Stunde der Soundexperimentierereien war genau meins.

Mit Mitte 20 hatte ich ein Mini-Musikequipment-Bereich im Wohnzimmer: einen Fostex 4 Spur Recorder, ein Hallgerät, ein Casio Mini Keyboard mit dem man winzige Samples machen konnte, dazu ab und an einen geliehenen Drum- oder Percussion-Computer. Alles mühsam zusammen gespart.
Zusammen mit FS, dem Freund und Bandkollegen einer Freundin, machte ich eigene Songs. Und das kam so: Auf der Fete von ein paar gemeinsamen Freunden, suchte ich das Klo und hörte aus dem Badezimmer Gitarre und Gesang. Ich guckte und da saß FS und spielte. Ich erkannte, was es war „Supper’s ready“ von Genesis.
Ich setzte mich auf die Badewanne und sang mit. Die Akustik war genial. Bald stellten wir fest, daß sich das Badezimmer füllte, jemand setzte sich auf einen Bierkasten und trommelte. Wir sangen noch andere Songs, Jethro Tull vielleicht oder Oldies der 60er. Leute hörten uns zu. Als wir fertig waren, sagte FS: „Wow, wir müssen unbedingt Musik machen.“
Und das taten wir dann.
Einige Wochen später trafen wir uns bei mir im Wohnzimmer.
Ich programmierte den Drumcomputer auf irgendwas Eingängiges und nahm das ungefähr 5-10 Minuten lang auf (erste Spur), auf die zweite wurde ein Baß gesetzt (FS), oder eine Melodie auf dem Casio geklimpert, die einigermaßen passte. Lyrics schrieb ich selber, Themen: Weibliche Identität, Magie, Feminismus, Verrücktheiten, Wortspielereien, Träume, automatisches Schreiben, freies Assoziieren. Glücklicherweise waren FS die Lyrics nahezu egal und ich konnte mich frei austoben. Ich sang dann zu der Baß-Line und den Drums. Dann waren drei Spuren voll. Um weiter arbeiten zu können, mußte man diese drei Spuren auf die vierte zusammen gemischt aufnehmen. Einmal zusammen gemixt, konnte man nichts mehr ändern, also hatte das ausgesprochen sorgfältig zu geschehen. Danach hatte man drei Spuren frei. Auf die erste davon kamen Backgrounds-Gesänge. Die entstanden auf kuriose Weise. Ich erinnere mich sehr genau daran, daß FS und ich jeweils unter getrennten Bettdecken im Raum saßen, um Rückkoppelungen zu vermeiden, jeder mit seinem Mikro (mit Staubtuch umwickelt um Zischlaute und harte Ps zu dämpfen) in der Hand; die Dunkelheit animierte uns dazu uns ziemlich frei gehen zu lassen. Ich flüsterte, sang oder sprach einfach vor mich hin, was mir gerade einfiel oder sang über das Hallgerät, als befände ich mich in einer riesigen Kathedrale, während FS unter seiner Decke Carlos Castaneda zitierte, den er gerade las und das mit Lyrics aus irgendwelchen anderen Songs mischte. Ich erinnere mich an „There will come the Xlon-Bus, the glaring light has welcomed us….“, das er wie ein Mantra vor sich hinsang.
Ab und an brach einer von uns in Lachen aus, das wir drin ließen, weil es herrlich wahnsinnig klang, vor allem über Hall- und Echogerät oder noch schlimmer über einen Verzerrer (für Gitarre).
Ich erinnere mich auch daran, daß FS einmal aus einem Katalog vorlas, der auf dem Tisch lag und wir es rückwärts abspielten.
Schließlich sampelten wir z.B. den Klang eines Löffels gegen eine Glasschüssel und fügten auch das ein, sowie Becken aus dem Drum-PC, die über Hall besonders cool klangen, weil sie dann rückwärts abgespielt auf einen zugeflogen kamen. Im Grunde war das alles zwar schon elektronisch, aber dennoch irgendwie analog und handmade. Immer hatte man das Band und das war durch das Grundrauschen ein sehr bescheidenes Medium.
Auf die dritte Spur schließlich kamen Soundcollagenfragmente aus Radio und TV. Ich erinnere mich an einen Kohl-Versprecher („in der gedeutschen Geschichte“) und an „Kein Anschluß nicht erreichbar“, das ich mal aus zwei Telefonansagen zusammen geschnitten hatte.
Ich hatte reihenweise Tapes mit Soundfragmenten von Spielshow-Scheiß bishin zu Klassikern des Films („Springen Sie doch hinunter, es geht ganz leicht…“) über „We don’t know why Stonehenge was built…“ aus Radio BBC oder Teile aus Anrufbeantwortern von Bekannten. Diese Spuren wurden oft nur ab und an wie zufällig leise reingedreht, was dem Ganzen etwas sehr Wahnsinniges gab. Das war natürlich gewollt. Mischte man nun all das zusammen, konnte man wirklich nicht mehr viel anfügen, ohne daß die Soundqualität extrem gelitten hätte. Manchmal akustische Gitarre, falls das nicht vorher bereits geschehen war, manchmal noch einzelne Töne. Man rief jemanden an und sagte: „Schrei doch mal eben ins Telefon“, nahm es auf und schickte das über Verzerrer und drehte es dann an der passenden (unpassenden) Stelle auf.
Wenn dann alles fertig war, fielen wir auf Sessel und Sofa und rauchten in Ruhe, total glücklich. Das Hören und Immer wieder Hören war genial.
Ich habe die Bänder noch, aber über die Jahre der Lagerung in Kellern und auf Dachböden haben sie gelitten. Ich habe allerdings meinen Fostex nicht mehr. Und ich habe den Fehler gemacht, alles irgendwann von einem Tape auf Mini Disc zu ziehen, das schien mir damals das Beste und Innovativste. Doch die nur kurz dauernde Welle der Mini Discs wurde von der CD-ROM überrollt und spätestens seit man auf CDs brennen konnte, verschwand die Mini Disc. Nun ist mein Gerät kaputt und ich habe keine Ahnung, wie ich die Aufnahmen jetzt digitalisieren könnte. Dabei wäre es herrlich, all den alten Kram noch mal zu hören.

Fünfzehnter Tag im Februar

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Drei sonnige Tage und man ist wie ein neuer Mensch.
Circles in the sky Heute war es fast frühlingsmild, knappe 10° und dazu Sonne und blauer Himmel. Herrlich. Zufällig kam ich spontan nach Rostock und bummelte ein wenig umher. Malerei im Hofdurchgang
Es gibt nicht viel Neues zu sehen, aber auch kleine Eindrücke empfinde ich als schön und über mir am Himmelsblau schrien die Möwen um die Wette.
Farbstudie Hauswand Nach dem Besuch von vier meiner üblichen Lieblingsläden und dem Erwerb von einem gebrauchten Handke und einigen Postkarten, der Entdeckung von Krakenlikör (wie mag der schmecken?) und exotischer Schokolade (made in Rostock) für 7 Euro (beides nicht gekauft), führt mein Weg mich in meinen Lieblings-Suppen-und-Bagel-Laden Bensel & Gretels. Lieblingssuppe
Noch stehen draußen keine Tische, aber innen ist es warm und gemütlich und es läuft gute Musik.
Ganz ungewohnt sich mal wieder in entspannt-lebhafter Caféatmosphäre wiederzufinden mit meinem üblichen Tischlein.

Mein übliches Schnell-Büro
Für den Handke in der herrlich alten Suhrkampausgabe (von 1974 und noch tadellos erhalten) zahlte ich 2 Euro. Der Roman ist von einer seltsam fesselnden Erzählweise. Komisch holprig, mit Details, die einem „ach“s entlocken. Ich mag so was.

Ich sammelte ein wenig Material und erwog in die Sibylle-Ausstellung zu gehen. Aber ich habe nie eine Sibylle gelesen, doch seit ich von ihr weiß, fasziniert mich diese ungewöhnliche Ästhetik.

Man beachte die Besteckgarderobe, sehr nett. Und Tulpen auf dem Tisch, man kann den Frühling heranrauschen fühlen. Wundervoll! Bei Bensel & Gretels

Can you (please) save the world Ich fürchte leider nein….

In der “Anderen Buchhandlung” Erinnerungen an sehr feministische Lektüre, die bei mir sehr lange her ist. Kommt mir heute vor wie von einem anderen Planeten, aber damals war das (mir sehr) wichtig.
Mary Daly Buch

Poster im Buchladen

Vierzehnter Tag im Februar

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Heute Morgen, als ich ins Bad ging, war das mein Blick aus dem Fenster.
View from my bathroom window this morning Wie aggressiv der Frost aussieht. Bite, bite
Aber natürlich auch wunderschön. Doch langsam hätte ich gerne mal Frühling…(das dauert noch, fürchte ich).

Der Ausdruck „das Bett hüten“ ist doch eigentlich ganz schön, wenn man ihn sich mal auf der Zunge zergehen läßt. Warum wird dem oft ein „müssen“ nach- oder vorgestellt?
Bei Etsy sah ich mal eine Karte, auf der stand „Dear naps, sorry that I hated you when I was a kid…“. Manchmal ist der Mittagsschlaf das Schönste am Tag. Dieses wohlig eingekuschelt sein und schlafen dürfen, nicht müssen. Ich liebe es ganz einfach.

Gestern war allerdings kein Mittagsschlafwetter, es war herrlicher Sonnenschein und ich stoppelte mir ein ganzes Stündchen draußen zusammen, windarm, aber bei deutlichem Minus. Und ich hatte das Gefühl eine Art Heilexilier zu trinken.
Danach nahm ich es wieder mit meinem Papier auf.

Hier noch wie versprochen, die gestern bereits erwähnten Journalseiten.
15 wtj Document 15 wtj this page

15 wtj mirrors the sky

Dreizehnter Tag im Februar

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Meine Mutter war eine verhinderte Modezeichnerin und Innenarchitektin. Irgendwas davon muß abgefärbt haben, denn obwohl mir sowohl die Modewelt als auch die Welt der schönen Einrichtungen als oberflächlich und sinnfrei erscheint, stelle ich dennoch fest, daß die Bildästhetik mich immer wieder fasziniert.

Gestern sah ich mir deswegen aus reiner Langeweile, aber dann doch amüsiert den Film „September Issue“ (zum zweiten Mal) an, in erster Linie auch, weil ich Grace Coddington so mag.
Sie ist einfach ein interessanter Typ Frau mit einem unglaublich guten Auge für Farben, Bildkompositionen, Momentaufnahmen.
Grace Wunderschön ihre Fuchs?/rote Katzen?-Lampe im Büro. Ein echtes Liebhaberstück.

Aber auch dies ist ein Standbild aus dem Film. Rührend. The September Issue

Dann knöpfte ich mir die September Ausgabe (allerdings die deutsche) der „Vogue“ vor und „erntete“ sie gründlich ab. Diese doppel-Seite ist wirklich tatsächlich (bis auf den kleinen Schnipsel oben links und das „Are you?“ komplett aus der „Vogue“, was einem verdeutlicht, daß man eben nur den Focus leicht verschieben muß und man erhält eine komplett andere Bildsprache.
15 wtj Are you Für mich seit langem die beste Journal(doppel)seite, die ich gemacht habe. Die Schlichtheit, die Stimmung, die Farben und Strukturen.

Auch andere Seiten in meinem WTJ sind nun fertig geworden. Sieht nach mehr aus, als es ist, viele davon sind schon länger in Arbeit gewesen, ich habe quasi in letzter Zeit nur noch „ge-i-tüfpelt“. 15 wtj Iglu Exit here

15 wtj close your eyes

15 wtj Good thoughts

15 wtj Schnipsel
Weitere Seiten folgen in Kürze…

Heute scheint nun endlich mal die Sonne ohne diesen Eiswind, allerdings mit bitterer Kälte. Egal, ich geh „tanken“.

Zwölfter Tag im Februar

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Wie schon erwähnt (s. gestern) las ich kürzlich dann noch Michael Endes Biographie von Birgit Dankert. Die war ganz ok, aber nicht sonderlich warmherzig, wenn auch sehr gut recherchiert und brachte mich dazu, meinen Bücherschrank zu konsultieren und zwei längst vergessene Bände heraus zu fischen „Der Spiegel im Spiegel“ und „Zettelkasten“. Ich wußte wirklich nicht, daß ich die noch habe. Die Fuchs-und-Wolf-Geschichte („Spiegel im Spiegel“ Seite 103), in der Biographie erwähnt, faszinierte mich sofort. Aber was für düstere Geschichten sich in dem Band doch vereinen! Dennoch faszinierend. Viele davon vergißt man auch nach Jahren nicht, vielleicht nie mehr.
Ganz neu war mir, daß Ende mit Hans-Joachim Gelberg (meinem Kindheitshelden) einen bösen Streit hatte um die Jahrbücher der Kinderliteratur. Für Ende war das Nebeneinanderstellen von Kinder- und Jugendliteratur-„Häppchen“ ein Faux-pas, für mich ein Hochgenuß. Ich hatte alle Bände, ich liebte sie alle. Ich las sie auch noch, als ich längst „groß“ war.
Im Rückblick muß ich sagen, daß es nichts gab, das mir geschadet hat, was ich als Kind oder Teenie las. Ich bin weder durch die lustigen Taschenbücher verblödet (und zwischen 7 und 10 las ich eine ganze Menge davon), noch waren die Enid Blytons dieser Welt in Buchform irgendwie von Schaden. Auch haben die Jahrbücher der Kinderliteraur keine sprunghafte Leserin aus mir gemacht, die alles nur schnell konsumieren will.
Fürs Lesen verdorben hat mich nur eines: Das Internet. Doch da war ich schon Mitte 30. Hätte es das damals schon gegeben, wäre der Disput zwischen Ende und Gelberg vermutlich überhaupt kein Thema gewesen.
Doch trotz des Gefühls von „noch mal schnell querlesen hier & da“, bin ich immer noch eine intensive und auch genaue Leserin, eine Viel-Leserin und jemand für den ein Leben ohne Bücher möglich, aber sinnlos ist.

Elfter Tag im Februar

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Ich komme nicht weiter. (Aber wo will ich denn auch hin?)
Jedesmal denke ich: So schlimm wie in diesem Winter war es noch nie. Doch dann lese ich die Aufzeichnungen anderer Jahre und es wiederholt sich.
Mein Leben steht still. Das ist immerhin besser als der Streß den ich voriges Jahr hatte. Ich bin so müde, daß ich fast nur noch schlafe. Ist diese Erschöpfung noch normal (was ist normal?).

Oft wache ich morgens auf und habe fertige Geschichten im Kopf, ich bräuchte nur tippen, was ich denke. Sitze ich dann vor dem Monitor, geht es nicht. Es erscheint mir völlig sinnlos, unwesentlich, langweilig, überflüssig, egozentrisch. Also lasse ich es.
Und am nächsten Morgen dasselbe Spiel wieder.

Ich sah mir den „Book trailer“ zu Austers „4 3 2 1“ an und er sagt dort, man würde in der Mitte seines Lebens (mit 30, 40, 50) nicht oft zurück blicken, er aber, nun alt geworden, schon.
Seltsam, denke ich, ich habe immer zurück geblickt, immer. Schon mit 12 blickte ich auf meine Kindheit zurück. Und seit dem immer.

Seit Ende 2016 lese ich eine (Auto-)Biographie nach der anderen. Erst Marina Abramovic, dann Mike Oldfield (beide sehr bewegend), dazwischen Peter Handke (der Mann ist und bleibt schwierig und sein „Am Felsfenster, morgens“ sagte mir leider kaum etwas, ganz anders als z.B. „Das Gewicht der Welt“) und eine Michael-Ende-Biographie (dazu morgen mehr), schießlich als Hörbücher Mobys „Porcelain“ (zum zweiten Mal, beim ersten Mal bin ich dauernd eingeschlafen), Flake Lorenz‘ Buch mit dem scheußlichen Titel (ebenfalls zum zweiten Mal, immer wieder witzig, wenn auch vollkomen anspruchslos) und Harry Belafontes „My song“ (gerade erst begonnen).

Zu Moby: Seltsam kraftlose Anekdoten reihen sich (nach einem rührenden Anfang) mehr oder weniger blutleer aneinander und nach jedem Kapitel frage ich mich: was will er uns sagen? Immer ist alles voller Beschreibungen (meist irgendwie ekliger Art, zu viele Körpersäfte, Drogen, filthy places, Gewalt, übercoole Leute), die sich endlos zu wiederholen scheinen, doch fast nie ist eine tiefergehende Emotion dabei. Zu viele Namen, die mir nichts sagen. Nur der Schluß wird dann wieder etwas bewegter und runder, aber ein unbefriedigendes Buch (wohl aber gut vorgelesen).

„My song“ habe ich eher genommen, weil Brückner es liest. Wenn mich ein Buch nur einigermaßen interessiert und er das liest, ist es wupps schon auf meiner Merkliste. Dennoch finde ich es auch gut geschrieben.

Witzigerweise verbindet die letzten beiden Hörbücher sogar etwas. Ich habe Harry Belafonte als 8-10 jährige intensiv gehört, ich liebte all diese „Calypsosounds“. Heute könnte man mich damit jagen. Scheußliche Ohrwürmer, bis auf „Bald headed woman“, der Song ist grandios. Moby hingegen hatte genau das verstanden, als er als Kind die Bee Gees hörte: „Bald headed woman bald headed woman to me…“. Seine Mutter lachte: „More than a woman“ heißt es doch!
Wer aber ist die bald headed woman im Belafonte Song, worum geht es da? Eine Zauberin? Voodoo, also eher Obea? Oder um Gefängniserfahrungen? Wenn man den Song einmal gehört hat, verfolgt er einen tagelang. Das liegt an diesem sehr eingängigen chain-gang-Rhythmus. Dagegen ist der süßliche Bee Gees Song natürlich wie ein Gegenstück.

Vierter Tag im Februar

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Witzig beim Rumwühlen in alten Blogaufzeichnungen fand ich dies:

10 x unnützes Wissen über mich (2014)

1. Ich mag kein Schokoladeneis.

2. Ich vergesse morgens manchmal mein Heizkissen abzuschalten (und bin froh, daß es selbstabschaltend ist).

3. Ich kannte bis vor 14 Jahren das Wort subversiv nicht. Und ich wußte nicht, wie man Gnocchi ausspricht (bin bis heute nicht sicher).

4. Ich habe bei Amazon den Top-Rezensenten Rang: 22.906.

5. In meiner Brieftasche befinden sich gerade aktuell: 20,50 Euro.

6. Mein Tesafilmroller läßt sich nicht optimal abreißen und bereitet mir jedes Mal Schwierigkeiten.

7. Meine kleinen Zehennägel sind so klein, daß ich sie kaum lackieren kann.

8. Ich schaffe es nie, nur einmal zu niesen und tue es meist 10 mal und öfter nacheinander, aber erst seit den letzten 6,7 Jahren.

9. Ich ekle mich vor Waranen und Hyänen.

10. Ich kann meine eigene Handynummer nicht auswendig.

 

Heute (3 Jahre später) hat sich einiges verändert, anderes nicht:

10 x unnützes Wissen über mich (2017)

1. Ich mag kein Schokoladeneis. Noch weniger mag ich Zitroneneis, obwohl ich Zitronen total liebe, am schlimmsten aber wäre die Kombi Schokolade/Zitrone.

2. Ich vergesse morgens manchmal mein Heizkissen abzuschalten (und bin froh, daß es selbstabschaltend ist). Ich vergesse das noch häufiger als früher.

3. Ich kannte bis vor 14 Jahren das Wort subversiv nicht. Und ich wußte nicht, wie man Gnocchi ausspricht (bin bis heute nicht sicher). Gnocchi weiß ich heute.

4. Ich habe bei Amazon den Top-Rezensenten Rang: 22.906. Heute: 83.692. Ich habe 21 Rezensionen verfaßt. Das sind bei 17 Jahren Mitgliedschaft ca. 1,2 im Jahr.

5. In meiner Brieftasche befinden sich gerade aktuell: 20,50 Euro. Aktuell: 78 Euro.

6. Mein Tesafilmroller läßt sich nicht optimal abreißen und bereitet mir jedes Mal Schwierigkeiten. Genau.

7. Meine kleinen Zehennägel sind so klein, daß ich sie kaum lackieren kann. Auch das „Problem“ bleibt.

8. Ich schaffe es nie, nur einmal zu niesen und tue es meist 10 mal und öfter nacheinander, aber erst seit den letzten 6,7 Jahren. Ich wünschte, es wäre nur 10 mal, ich habe schon 30x gezählt. Manchmal komme ich kaum zum Luftholen. Nervig. Allerdings habe ich das Problem nur Zuhause, bin ich irgendwo anders, niese ich 1-2 mal. Unerklärlich.

 9. Ich ekle mich vor Waranen und Hyänen. Und zwar so sehr, daß ich nicht essen kann, wenn jemand neben mir etwas über Hyänen erzählt. Kein Problem bei Spinnen oder Ratten.

10. Ich kann meine eigene Handynummer nicht auswendig. Oh doch! Mittlerweile ja.

Erster Tag im Februar

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Heute Morgen habe ich zwei Projekte organisiert, erstmal den regulären Paper swap und zusätzlich noch den Postkarten Tausch. Der letzte war so beliebt, daß ich prompt für dieses Jahr drei Stück angesetzt habe, der nächste ist im Juni, dann gibt es noch einen im November. Mehr hier.

Postcard Project 1 of 5

Postcard Project 2 of 5

Ich selber habe diesmal 5 Stück gemacht, die heute rausgehen. Ich bin zufrieden. Mal sehen, was so eintrudelt im Laufe der nächsten Wochen.
Postkarten haben ein gutes Format, sie sind schnell gemacht und kosten nicht viel Porto.

Ich lese die dritte (Auto)Biographie nacheinander. Alle drei waren ein echter Gewinn. Es fing an mit Marina Abramovićs „Durch Mauern gehen“, dann kam Peter Handkes „Meister der Dämmerung“ (keine Autogbiographie, geschrieben von Malte Herwig), schließlich „Changeling“ von Mike Oldfield.
Besonders letztere wühlt mich sehr auf. Als ich noch sehr jung war, dachte ich, Mike Oldfield müsse der glücklichste Mensch auf Erden sein. Nichts schien mir köstlicher als in einem riesigen englischen Landhaus sitzen zu können und in einem eigenen Musikstudio seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und ein Album nach dem anderen zu machen und die Leute lieben einen dafür und kaufen es und man kann frei und glücklich leben.
Wie wenig wußte ich. Mike Oldfields Leben ist größtenteils unglaublich traurig, ja geradezu höllenmäßig gewesen. Hypersensibel, traumatische Kindheit, Panikattacken und Ängste ohne Ende (wie man zugleich Klaustrophobie und Agoraphobie haben und ertragen kann ist mir ein Rätsel), Alkohol, unfähig zu sozialen Bindungen (was aus der Hypersensibilität und den Ängsten herrührt) und auch beruflich war es eher ein Ringen und weiß Gott nicht immer einfach. Die Weihnachtsgans von Richard Branson (Virgin) zu sein, ist wahrlich nicht das, was man sich unter einem guten Leben vorstellt. Und dann jüngst auch noch der viel zu frühe Tod seines ältesten Sohnes, der nur 33 wurde.
Während ich lese, höre ich in viele seiner Alben noch mal hinein. Das weckt schöne Erinnerungen an früher, obwohl ich kein Fan war. Wohl aber einer seiner Schwester Sally, die war für mich sehr wichtig. Sie traf mit 14, 15 mein Romantikzentrum voll ins Schwarze und begleitete meine frühe Suche nach weiblicher Spiritualität und Magie.
Die BBC Doku über Mike Oldfield kann ich nur empfehlen. Ich war sehr angetan und sie war es auch, die mich dazu brachte, mir das Buch zu bestellen.
Wem das zu lang ist, die Kurzfassung über Tubular Bells aus John Peels Archive ist auch sehenswert.

Siebenundzwanzigster Januar

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January sky Gestern Nachmittag sah ich aus dem Küchenfenster und dachte: Wow, was für ein Himmel. Dann war mein zweiter Gedanke: Glücklicherweise mußt du den jetzt nicht fotografieren. Und dann fiel mir auf, daß ich vor lauter Erleichterung nicht mehr in dem „ein Himmelsfoto täglich“-Zwang zu sein, überhaupt keinen Himmel mehr fotografiere. Das fand ich dann so bescheuert, daß ich sofort meine Kamera holte. Und gleich noch ein wenig rumexperimentierte. This magic
(Gefällt mir eigentlich nicht. Oder doch?)

Ich gucke mal wieder Papier durch und ab und an spiele ich auch mal ein wenig rum.
Ruhe Keine Zeit kreativer Glanzleistungen. Aber zwei nette Winterpostkarten zum Verschicken. Stille

Meinen Namen verdanke ich einem Film. Meine Tochter ebenso. Der Regisseur des Filmes, dem meine Tochter ihren Namen verdankt, macht gerade schöne Dinge in Dortmund. Hier in dieser Doku zu sehen.
Ich mag es ohnehin sehr, wenn alte Industrieanlagen o.Ä. zu Art Locations werden, das hat auch schon von der Symbolik her etwas Wundervolles. Auch interessant, wie es nur winziger Veränderungen bedarf und schon wandelt sich ein Stadtviertel von „da wo niemand wohnen will“ hin zu hip, trendy, modern. (Leider funktioniert das auch umgekehrt sehr gut, dazu lesenswert das Buch „The tipping point“)

Ansonsten ist mein Alltag voll von schön & gut, genauso wie von doof & nervig.

Schön & gut

1. S. fühlt sich an ihrem Praktikumsplatz wohl und kommt jeden Tag gut gelaunt nach Hause.
2. Unsere Gespräche sind sowohl lustig und anregend, als auch philosophisch und wertvoll.
3. Das Handke-Buch ist interessant und ich bin in einem angenehmen Leseflow, genau richtig, jeden Tag ein paar Seiten, mal sauge ich das alles richtig auf, greife zwischendurch zu drei weiteren Büchern von ihm, lese nach usw.; mal lese ich nur ein zwei Seiten.
4. Ich habe für 2017 gleich drei (kleine) Reisen gebucht, einmal alleine (London), einmal mit Freundin (Rügen), einmal mit Familie (Malmö).
5. Musik wie die von Tanya Tagaq inspiriert mich.
6. Ich bin im Besitz von unglaublichen Schätzen an Papier und immer wieder schicken mir Menschen Neues.
7. Die Ruhe. Die Stille. Der Frieden. Das langsame Leben. Die Detailgenauigkeit. Die Farben des Winterhimmels. Die Vögelchen am Vogelhaus. Nur sitzen und dasein. Breath in-out-in-out-in….

1. Mein Lichtspeicher ist alle, ich bin ziemlich erschöpft und müde und besonders an sonnenarmen Tagen muß ich mich für quasi alles in den Mors treten, um es zu schaffen. Selbst ein Essen kochen ist mir dann schon zu viel.
2. Zu viele düstere Gedanken. Angst vor der Zukunft.
3. Handke und seine misanthropische Weltsicht nervt zuweilen. Ich denke „Blöder Stiesel“ und ärgere mich, auch über ähnliche Männertypen, die glücklicherweise nicht mehr Teil meines Lebens sind.
4. Mein Ofen nervt mich. Ihn immer am Leben zu erhalten, damit es schön warm ist. Ich wünschte mir manchmal, einfach nur die Heizung aufdrehen zu können. Kann ich ja. Mache es leider viel zu oft und denke mit Schrecken an die Abrechnung.
5. Die Musik von Tanya Tagaq macht mich traurig. Wer ermodert in Kanada all die indigenen Frauen? Ist das ein Genozid den niemand bemerkt (bemerken will?).
6. Ich habe zu viel Papier. Punkt.
7. Mir fällt nix mehr ein, die guten Dinge überwiegen!

Zwanzigster Tag im Januar

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Der Winter hat sich verfestigt und steht irgendwie still. Es ist meist grau, um 0°, kein Wind.
Winter im Garten Ich habe vergessen den getöpferten Urvogel rein zu nehmen, was ich sonst jeden Herbst getan habe. Oh je, hoffentlich überlebt er den Winter. Lieber nicht anfassen und warten, bis er ganz aufgetaut ist.

Seit gestern lese ich diese Biographie von Peter Handke. Aktueller Lesestoff
Bisher gefällt sie mir gut. Der grimmig drein guckende Handke ist mir als Person nach wie vor nicht sonderlich sympathisch, aber wie schon öfter erwähnt, gibt es viele Passagen in seinen Büchern, die ich sehr berührend finde und immer wenn ich über den Auftakt von „Himmel über Berlin“ nachdenke, finde ich das zum Weinen schön. („Erwachte es einmal in einem fremden Bett und heut immer wieder…“)

Gerade fühle ich mich wieder postalisch sehr beschenkt, was auch immer hier ankommt, ist schön. Ein kleiner privater Paperswap mit Flickrfreundin Ellen, brachte was besonders schönes.
Private Swap Highlight Paßt wunderbar in unsere Küche. Muß nur noch den geeigneten Rahmen finden.

Damit gute Ideen für Sticker nicht verloren gehen, habe ich mir nun angewöhnt in einem kleinen Heftchen namens „Sticker History“ von jedem ein „Belegexemplar“ zu bewahren. Sticker History 1

Als ich vor einigen Monaten 2400(!) Blanko-Sticker bestellt habe, dachte ich, sie würden ein Leben lang reichen.
Sticker History 2
Und nun sind schon fast alle Bögen verbraucht und ich habe endlos viele davon verschenkt.
Der Spaß daran ist ungebrochen