Einunddreißigster Tag im August

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Bittersweet indian summer.
What's that din outside? Was ist das für ein Lärm vor meinem Küchenfenster? Ach natürlich, ihr seid es! The starlings of course
Ich liebe die Stare, wenn sie in riesigen Schwärmen vorbei kommen. (Meist um den Holunder zu plündern. Wir haben einige Sträucher und überlassen sie immer ihnen. Sie fressen sich richtig voll; wenn ein großer Schwarm kommt, ist innerhalb einer Stunde alles leer gefressen.)
Gathering
Ihr geschwätziger Lärm erfüllt die Luft, aber das schönste ist das gigantische Wusch das die vielen Flügel machen. Wenn man direkt unter so einem fliegenden Schwarm steht ist das unglaublich.
Und ich fühle mich klein und ich fühle mich geborgen und ich weiß, daß ich mir kein Leben in der Stadt mehr vorstellen könnte.
Die schönsten Dinge, so denke ich, auf meiner Gartenbank liegend und in die Wolken blickend, sind alle umsonst: Himmel, Wolken, Sonne, Mond und Sterne, der sanfte Wind, der warme Wind, der heiße Wind, das Rauschen der Bäume, das Leben der Vögel, das sich ständig mit unserem kreuzt. Ich mag wie wir uns den Wohnraum teilen, sie immer über uns in den Nischen und Schlupflöchern unseres alten Daches, zwischen den Balken, unter der Traufe. In allen Jahreszeiten sind sie präsent, nicht alle, aber immer irgendwer von ihnen. Einige gehen jetzt bald auf Reisen, aber die treuen Seelen bleiben und erfreuen uns im Winter immer mit ihrem unbändigen Hunger auf das, was wir draußen zur Verfügung stellen. Dann ist auch das Rotkehlchen wieder da, das ich im Sommer und Herbst vermisse. Keine Ahnung, wo es dann steckt, aber nicht hier.
Freundlich scheint mir die Natur hier immer irgendwie. Und vertraut. Die letzte Schwalbenbrut lernt fliegen, morgens sind sie noch ungeschickt, aber abends können sie es dann schon fast perfekt. Auch von ihnen werden wir uns bald verabschieden.

Le ciel 30.8.2016 Gestern gelang mir dann noch ein „Regarde le ciel“-Foto von einem Heißluftballon. Er war ein bißchen zu weit weg, aber dennoch: gute Sache das.

Card 1
Ich habe ein neues Projekt organisiert, d.h. ich bin dabei. Eine offene Gruppe, in die man sich einschreiben kann für einen Postkartentausch. Keine dauerhafte Sache, eher einmalig. Hier gibt es mehr Infos. Ihr seid herzlich eingeladen.

Achtundzwanzigster Tag des August

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Immer wieder mal, now and then, beschließt mein verrückter Kopf, daß ich eine kleine Firma bin, ein Verlag, ein Laden, ein Verein und dann gebe ich mir –zu meiner eigenen Erheiterung- kuriose Namen.
Mein neuster Name ist OKKA. Ja, genau, erinnert an ein schludrig gesprochenes Ocker und soll es auch, denn ich liebe diesen Farbton. Bedeutet aber Offenes Kunst&Kram Atelier.
OKKA
Auf der von mir entworfenen Visitenkarte heißt es dann:
Komm mich besuchen. Bestelle einen Termin beim Universum.

Ok, ich weiß, das klingt nun sehr „nach offen zwischen 0 und 0 Uhr“ oder neudeutsch „24/0“.

OKKA ergibt numerologisch 6221=11=2, das ist auch ok. Das Duale, das ich und das du, das hier und jetzt, das damals und das heute.

Weiß nicht genau, wie ich diese Musik finden soll, Jess Ribeiro aus Australien.
„The wild“ gefällt mir ganz gut. Jedenfalls finde ich sie als Person ganz interessant, sie ist ein Mix mit chinsesischen, irischen und portugiesischen Wurzeln. Ihr Album heißt „Kill it yourself“ und ihre Lyrics spiegeln interessante Themen wider, wie etwa school kids, die ihr Essen hassen und sich dann ihr eigenes Zeugs angeln und braten. Oder Teenager, deren Thrill es ist von einer Eisenbahnbrücke, um den nahenden Zügen zu entkommen, in einen Fluß zu springen, der für seine Verseuchtheit bekannt ist. Auch das Buch „Just kids“ von Patti Smith hat sie inspiriert. Auf der Seite (siehe link oben) kann man reinhören und auch günstig erwerben.

Fünfundzwanzigster Tag im August

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Le ciel 24.8.2016 Schöne heiße Sommertage. Ein Traum. Vor allem wenn man sie Zuhause verbringen darf und sich notfalls ins kühle Haus flüchten kann. Indian summer 2
Die Vegetation allerdings erzählt uns, wo wir denn im Jahr so stehen. In einer Woche ist es schon September.
Indian summer 1

Indian summer 3

Indian summer 4

Gestern habe ich den Film “Gerdas Schweigen” gesehen (vielen Dank Anja fürs Leihen!), den ich euch unbedingt empfehlen möchte. Selten eine Dokumentation gesehen, die so behutsam schmerzliche Vergangenheit behandelt hat. Behutsam und gleichzeitig mit einem unglaublich guten Gefühl für Atmosphäre, Musik, Schnitte. Es ist die Geschichte einer Frau, die ein Geheimnis über viele Jahre mit sich herum trägt, sie hat damals in Auschwitz ein Kind zur Welt gebracht, das sie –unehelich- während ihrer Zeit als Untergetauchte in Berlin empfangen hat. Dieses Kind lebte nur 14 Tage und nach dem Krieg beschloß sie niemals darüber zu reden. Selbst dann nicht, als sie geheiratet hat und ein weiteres Kind bekam.

Knut Elstermann war derjenige, der als 8jähriger bei einem Familientreffen das Geheimnis seiner „Tante“ Gerda (Gerda gehörte mit zur Familie seiner Großeltern, war aber keine leibliche Verwandte) unwissentlich ausplauderte. Und dann folgte Schweigen…

Die Geschichte ließ ihn auch als erwachsenen Mann nicht mehr los und er beschloß, Gerda zu überreden, ihr Schweigen zu brechen. „Erzähl mir nur das, was du mir erzählen kannst, über alles andere brauchst du nicht zu sprechen…“. So kam es zu dem Buch „Gerdas Schweigen“, das von Britta Wauer in einen wirklich beeindruckenden Film verwandelt wurde. Von der Regisseurin kannte ich schon „Im Himmel, unter der Erde“ über den jüdischen Friedhof in Weißensee und der hat mir auch sehr gut gefallen.

In „Gerdas Schweigen“ finde ich auch eine wunderbare Parallele zu dem liebenswerten Film „Oma und Bella“, in dem zwei jüdische KZ-Überlebende zusammen kochen und aus ihrem Leben erzählen. All diese Frauen sind von einer unglaublichen Intensität, Stärke und Warmherzigkeit und von einem Vertrauen, das beeindruckt.

Garden table
Mit derselben Post wie der Film kam noch das Buch “My city, my New York”. Ein wirklich nettes Buch für kleine Metropolenträumereien. Natürlich wäre es mir lieber, es ginge da um London oder Berlin, aber es ist dennoch total schön. Von mir aus hätten das zwar eher „stinknormale“ Menschen sein können, die nach ihren Lieblingsorten befragt werden, aber trotzdem macht es Spaß. Denn die Stadt, die sich da vor dem inneren Auge des Lesers aufbaut ist eine mit Ecken und Nischen, Parks und kleinen hide-aways zum Schiffe beobachten, Durchatmen, Natur genießen. Ich habe Cities immer aus dieser Perspektive geliebt, mit Parks, besonderen Lädchen, kleinen Cafés, Orten wo Bänke stehen, man auf’s Wasser blicken kann oder Urban gardening zu finden ist. Mich stimmt so eine Lektüre froh und heiter.

Zweiundzwanzigster Tag im August

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Neben Büchern über Musikerinnen, deren Musik ich nicht höre, lese ich auch noch Biographien von Modeschöpferinnen, deren Mode ich nicht trage, ja nicht mal schön finde, die mich aber als Person faszinieren.
Früher dachte ich immer, man kann das was jemand ist und das was jemand als Kunst erschafft nicht trennen, jetzt stelle ich fest, das geht doch. Aber ich kann eher jemanden als Person interessant und liebenswert finden, dessen Kunst mir nicht gefällt, als mich auf jemanden einlassen, dessen Kunst mir gefällt, den ich aber als Person unangenehm finde.
Lange Rede, kurzer Sinn, ich lese die Vivienne Westwood Biographie. Und finde sie ausgesprochen spannend.
Dabei lasse ich meine Gedanken wandern hin zu meinem etwas seltamen Verhältnis zu Punk. Als ich Punk kennen lernte, Anfang der 80er, fand ich es irgendwie cool, aber das war nicht ich. Ich war doch eher die harmoniebedürftige „Hippiebratze“, jemand auf der Suche nach „Love, peace and happiness“. Einmal hörte ich Marusha in einem Interview sagen: „Ich hab das geliebt, wenn der Punker von der Bühne gepißt hat, wenn’s asozial war.“ Genau das habe ich nicht geliebt. Viel zu sehr Schöngeist, viel zu romantisch war das für mich genau die Situation, der ich von vorne herein ausgewichen bin. So fuhren meine Freundinnen zum Ratinger Hof, ich nicht. Ich trank ja noch nicht mal Alkohol.

15 wtj her voice Dennoch ich war immer angezogen von Leuten, die ein „Fuck you“ in Richtung Establishment rufen, ich selber hab das oft genug in meinem Leben auch gemacht, allerdings anders. Zwei enge Freundinnen von mir waren damals ziemlich punkbeeinflußt. Sie flogen bei der Einweihungsfete ihrer Wohnung auch gleich schon wieder raus. Was sowohl ziemlich blöde, als auch irgendwie witzig war. Damals war ich mit lauter Leuten zusammen, von denen jeder sich auf andere Art und Weise auslebte. Wir kritisierten einander nie und packten einander auch nicht in Schubladen. Hauptsache man war irgendwie auf einer Wellenlänge, hörte ähnliche Musik, wollte nicht einen normalen und angepaßten Weg einschlagen, war kreativ, spontan und gut drauf. Ich habe diese Zeit geliebt. (Kleiner Witz: die beiden Punkfrauen von damals leben heute ein sehr viel angepaßteres Leben als ich.) Aber um Punk zu sein, war ich auch zu feministisch. Mich zogen sie nicht an, die Männer, die dreckig und laut und vulgär mit Bierpullen in der Hand Pogo tanzten und denen nichts heilig war. Was Geschlechterbeziehungen anging, war es überall derselbe Mist: Frauen waren (wie Nina Hagen sang) „die sexy Sadies, die Mütter für den Staub“. Ich höre heute noch einen der Typen von damals zu einer Frau sagen: „Maus, machste mal die Blubber sauber?“, darauf verdichtete sich das.  So ist es auch genau das, was mich an der Westwood-Biographie aufregt: Vivienne, die kreative Frau, die vor Ideen nur so sprüht und noch dazu die beneidenswerte Energie hat, sich voll reinzuknien, betet gleichzeitig diesen puer aeternus Malcom an und läßt sich von ihm wie ein Fußabtreter behandeln, wehrt sich auch nicht gegen seine offensichtliche Grausamkeit gegen den gemeinsamen Sohn Joe. Er zieht sein Ding durch, sie hetzt sich ab, um Kinder, Beruf und Haushalt irgendwie unter einen Hut zu kriegen. Das endlose Spiel. Für mich fing immer genau da das an, was ich zuerst verändern wollte. 15 wtj her voice detail
Oft also schnaube ich beim Lesen, schüttle den Kopf und bin dennoch total angeregt und elektrisiert, denn nichts ist so wunderbar wie diese „Cash out of Chaos“-Geschichte, die Vorstellung spielerisch und verrückt und exzentrisch zu sein und damit Erfolg zu haben. Etwas zu machen, was noch nie jemand zuvor gemacht hat, etwas Neues loszutreten und zu sehen: Yeah, das isses! Etwas, das ich auch immer wollte, aber für das ich dann doch zu faul oder zu scheu oder zu ängstlich war. Oder alles davon. Und außerdem hat ja schon jeder alles gemacht, es gibt nichts Neues mehr.
15 wtj living someday
Ich bin jemand, der ständig schwankt zwischen einer stark kontemplativen, harmoniebedürftigen, zurückgezogenen Seite und einer wilden, freien Revoluzzer-Energie.
Anyway, das Buch ist gut geschrieben und ein echter Pageturner. Spaß macht mir auch, daß sie mal dort gelebt hat, wo ich immer lebe, wenn ich in London bin. Allerdings war das London damals wirklich komplett ganz anderes.

Einundzwanzigster Tag im August

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Lange habe ich mich gefragt: wann schaffe ich endlich mal bei meinen täglichen „Regarde le ciel“-Aufnahmen einen Regenbogen? Gestern war es dann endlich so weit.
Le ciel 20.8.2016 Es war sogar ein doppelter, was man hier aber nicht sieht. Oft denke ich bei den täglichen Himmelsphotos: Langweilig, immer dasselbe, doch wenn ich dann den ganzen Monat als „Diashow“ betrachte, stelle ich fest, daß es viel abwechslungsreicher ist als ich dachte. Le ciel 19.8.2016
Ja, ich schreibe sie immer noch, die “Gewichtchen”. Nun schon seit über einem Jahr. Ich lese alle paar Wochen mal rein in die Datei und amüsiere mich oft köstlich über die kleinen Dinge meines Alltags und meiner Web-Browsereien (Brausereien?).

Ein paar teile ich gerne mit euch.

Gemeinheit! Gerade als ich Anstreichungen machen wollte, geriet ich an einen garstigen, kratzigen Bleistift, bei dessen Anspitzen irgendwas schief gegangen sein mußte. Da ich im Garten war, waren alle anderen Bleistifte zu weit weg.

Patti Smith bestellt(e) sich in ihrem Café immer schwarzen Kaffee und Vollkorntoast mit Olivenöl. Ich fragte mich beim Lesen: Nix dazu?
Ich frage mich, ob man das in Berlin z.B. bestellen könnte und ob dann Leute sofort wüßten: „Ah, M-train gelesen“. Ich fragte mich auch, ob irgendein Café irgendwo das als „Patti’s Breakfast“ aufgenommen hat.

Hermes Paketbote vor der offenen Haustür ins Zimmer rufend: “Kling, klang, klong!”

„Time is honey“.

Aufschrift auf Shampooflasche „Schauma for men“: „Für Volumen und Stand. Mit Hopfen.“

Francis Ford Coppola: „I decided that all my films should have a recipe. When the film should turn out to be not so good, they at least have a good recipe in it…”
(Clemenza macht Tomatensoße im “Paten”. Mario Puzo dazu: „Gansters down brown, they fry…“)

Obwohl fragwürdig (Überwachung) liebe ich das DPD Livetracking, das kleine rote monopolyartige Haus auf der Karte und dann zu erfahren, wieviele Leute noch vor einem dran sind und sehen, wo das Auto gerade ist und wie es näher rückt. Sehr praktisch. Unglaublich, noch 48 Stationen vor uns von P. aus! Wieviele Leute doch hier in der Pampa was geliefert bekommen. All die Dörfer, dröge und verschlafen, mit nie einem Menschen auf der Straße und dann die Vorstellung, daß innen heftigstes Bestellgeschehen ist. Alle möglichen Menschen, die sich auf etwas freuen, was dann kommen wird.

Ich guckte gerade den Pollock-Film (von und mit Ed Harris), als draußen jemand „Hallo?!“ rief. Ich öffnete die Tür und stand zu meinem Erstaunen vor einem Polizeibeamten in vollem Ornat, der genauso aussah wie Ed Harris, nur 25 Jahre jünger.
Er fragte nach Nummer 3 und wie immer weiß ich nicht wer wo wohnt. Ich schickte ihn falsch, wie ich später durch D. erfuhr. Alles nicht mein Fehler. Hier machen ja weder Straßen noch Hausnummern einen Sinn…

Der Zug, der ganz langsam & leise durch aufkommende Dunkelheit, drohenden Regen und zunehmenden Sturm fährt, als ob er ja das Wetter nicht noch mehr reizen wollte.

S. liegt auf dem Sofa und liest in mein Frauen-Kunstbuch rein. In ihrer üblichen Art fragt sie mich nach der „sogenannten Frida Kahlo“. Das sei doch die mit dem Unfall, oder? „Also dieses Bild!“ sagt S. und dann nach einer Pause. „Diese Nägel! Diese Säule!“ Ich: „Ja?“ Sie: „Das ist grandios!“ Ich nicke und dann verlieren wir uns in unseren üblichen Gesprächen. S. erzählt mir, warum sie ihre Generation für verloren hält. Für verkorkst. „Elfjährige, die auf You Tube ihr Schminkzeug vorstellen. Ein UNBOXING machen! Das ist traurig. Einfach scheußlich.“
Warum kann S. mit 14 schon sehen was los ist und sich so klar abgrenzen? Wie schafft sie das nur und zu welchem Preis?

Wenn ich etwas erfinden könnte, dann einen Scanner-Aufdruck für Produkte, der schön ist. Überall sind diese häßlichen Linien drauf, die niemals gut aussehen und alles verschandeln. Man müßte sie unsichtbar machen, wie Braille-Schrift, das wäre gut. Oder es müßte einfach ein kleines Symbol sein, geometrisch, symmetrisch, schön, etwas das man irgendwo klein in einer Ecke anbringen kann wie das Recycling- oder Pfandsymbol.

Bob Geldorf: „Manche stehen im Zelt und pissen raus, manche stehen außerhalb und pissen rein, ich aber stehe im Zelt und pisse. Und dann geben mir Leute Geld, damit ich rausgehe.“
(Was möchte der Mann uns sagen?)

Amazon Rezension:

Muß man gelesen aben
Das Buch ist einfach Klasse, aber der zweite Band ist sehr viel besser/ interessanter. Das Buch ist Vorallem sehr dick und schwer. Was aber dem sehr guten Inhalt keinen Abbruch tut!

Die falschen Stimmen in Dokus machen mich nervös. Am schlimmsten ist diese widerliche Frauenstimme, die alles wirklich ALLES was sie sagt mit diesem ironisch-leicht boshaften Unterton versieht. Ich beginne sie förmlich zu hassen, weil sie mir jede Doku verdirbt, die mich interessiert. Egal, was das Thema ist, ihre Stimme läßt alles klingen wie „Gott, ist das lächerlich“, „ist das blöde“, „das wird nur behauptet, das kann man nicht ernst nehmen“.
Merkwürdigerweise wird diese Stimme oft gebucht für alle möglichen Dokus auf allen möglichen Sendern. Ich bevorzuge Männerstimmen bei Dokus, auch bei Hörbüchern. Viele Frauen haben etwas Unangenehmes in ihren Stimmen, zu sirrend, zu pseduso-erotisch, zu zickig, zu sarkastisch.

„Jetzt aber nahet das Malheur
denn in der Flasche ist Likör!“

 

Sechzehnter Tag im August

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Gestern als ich aus meinem Mittagsschläfchen erwachte, hörte ich ein seltsames, aber nicht unvertrautes Geräusch. Was war es nur? Regen? Rauschen der Bäume? Beides schloß ich aus, dann fiel es mir ein, es war das Lärmen von vielen vielen Staren in den Bäumen.
Ich lief hinaus und ein riesiger Schwarm flog auf, ich konnte gerade noch den Rest davon mit der Kamera einfangen.
Le ciel 15.8.2016 Wieder ein Bausteinchen des nahenden Herbstes. (*schluck*) Heute habe ich scheint’s zu lange gewartet, vorhin waren herrliche Wolken vor blauester Himmelsweite, nun haben wir ein Einheitsgrau, das seines Gleichen sucht. Regen. Geradeso habe ich noch hinein gefunden, Umhang, Kissen, Buch, Diktaphone, Kamera zu einem Bündel geknüllt im Arm. Sonnenbrille und Gartenbankauflage blieben draußen und werden nun wieder mal naß. Typisch. Aber schadet nichts. Allerdings diese Sommer mit ihrem ewigen „bloß nichts liegenlassen, weil es könnte regnen“-Modus sind scheußlich. Es regnet TÄGLICH mindestens einmal. So kannte ich MeckPomm auch noch nicht. Ganz unypisch. (Die Ernte war schlecht, las ich heute noch, 20-30% Einbußen.) Immerhin wurden bei uns keine winzigen Flüßchen zu reißenden Strömen.

Ich bekomme oft schöne Dinge geschickt, oft auch Postkarten. Zwei Lieblinge zeige ich hier mal. Four sisters on my shelf
Die erste stammt von meiner Hamburger Blogfreundin Stadtpomeranze, die diese vier Schwestern in Santa Fe aufgestöbert hat und dabei gleich an mich denken mußte, ob sie mir gefielen. Tun sie und wie! Ich liebe solche Bilder und natürlich erinnern sie mich an die Brown Sisters.

Die zweite stammt von Flickrfreundin Zeilensprung, die mir das John Lennon Bild aus England mitbrachte. Witzigerweise ist mir das Foto gänzlich unbekannt. Ich mag es sehr gerne. Nun wacht der olle Lennon über meinen Kunstraumtisch („give art a chance“).
John Lennon postcard

Die nun immer früher beginnenden Abende vertreibe ich mir oft mit absichtslosen vor-mich-hin-Malereien. Gestern gefielen mir die Farben besonders. Fav colours

Ich arbeite gerne mit den Faber Castell Pastellstiften und den dazu passenden Kreiden.
Idea for a fabric design 2 Ergänzt durch Neocolors und Aquarellfarben, sowie Inktense. Idea for a fabric design
Das wäre ein hübsches Stoffmusterdesign.

Fünfzehnter Tag im August

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Seltsam, vorgestern bekam ich plötzlich Lust auf den Song „Riders on the storm“. Ich hörte ihn mir an, während ich den gigantischen Himmel betrachtete, in einem Moment, als es noch ganz freundlich und sonnig war im Garten.

Echslein Nur wenige Stunden später dann sah ich diese winzige Eidechse, die erste in diesem Jahr. Eine Zeitlang hatten wir mehr, in den letzten Jahren sind sie rar geworden, in diesem Jahr sowieso, weil sie es gerne warm und trocken haben. Erst am Abend fiel mir die seltsame Koinzidenz zu den Doors auf: the lizard king.

Momentan lese ich mit Gewinn in Ryszard Kapuścińskis „Notizen eines Weltbürgers“. Was ich an seinen Büchern so mag ist dieses Häppchenhafte. Es wird immer mehr zu der Literaturform, die ich am meisten bevorzuge. Vielleicht auch, weil man sich in den Text ein- und ausklinken kann wie man möchte, man fühlt sich nie unter Druck ganze Kapitel auszulesen. Mehr noch aber sind es die kleinen detaillierten Beobachtungen und Weisheiten, die mich anregen. Alles ist Stückwerk, alles fügt sich zu einem großen Ganzen. Und so liest man angeregt über die Welt im Großen und im Kleinen.

Interessant ist das Buch auch, weil es zumeist aus Texten der End-90er Jahre besteht. Damals als Internet in den Kinderschuhen steckte und an eine mobile Kommunikationsvernetzung wie wir sie heute erleben nicht einmal zu denken war. Es zeigt einem, dass diese Welt, die nun schon 20 Jahre her ist, noch ganz anders tickte und funktionierte. Ryszard Kapuściński "Notizen eines Weltbürgers"
Viele Passagen aber haben auch noch Jahren noch dieselbe Gültigkeit. (Ich streiche kräftig an und freue mich schon jetzt darauf, das Buch in ein, zwei, drei Jahren nochmal durchzublättern und die angestrichenen Passagen zu lesen.)

Monday's sofa Die Post brachte “Heart of a dog”, ich bin sehr gespannt auf den Film und warte auf den richtigen Moment an dem ich ihn in Ruhe sehen kann. (Vielleicht heute?) Ich hab ziemlich lange drauf gewartet, mal war er angekündigt, dann wieder nicht zu haben, dann hörte ich „Theaters only“, was blöd wäre, denn ich komme einfach nie ins Kino und wenn dann in keins, in dem er läuft. Am Ende konnte ich die DVD dann doch erstehen. Gut!

Eine witzige Zufallsstory gab es dann auch noch im Zusammenhang mit dem Kapuścińskibuch. Just an dem Tag, an dem mir meine Freundin Sandra aus den USA einen ihrer täglichen Glücksmomente schickte (das Fotografieren eines „monarch butterfly“s), las ich abends in dem Buch genau das, was sie mir auch geschrieben hat. Diese wunderschönen Schmetterlinge ziehen jedes Jahr von der Ostküste der USA nach Mexiko und wieder zurück. Sie werden nur etwa einen Monat alt, so daß man nie denselbem Schmetterling wieder begegnen wird, sondern meist erst der 4. oder 5. Generation danach. Eines ihrer Fotos habe ich hier verwenden dürfen. Butterfly on orange2

Hier gibt es mehr Bilder von Sandra.

Dreizehnter Tag im August

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Gestern sah es hier so aus.
Le ciel 12.8.2016 Heute nur wenig anders. Nun aber werde ich stur. Ich ziehe mich warm an, wickle mich in eine Decke, lege mich auf die Gartenbank und lese. Bei Sturm. Immerhin aber nicht bei Regen. (Noch nicht) Und ein wenig wärmer ist es auch geworden. Gestern waren 15°. Da war ich mit Heizkissen im Bett und mochte gar nicht mehr aufstehen. War aber gemütlich. Man baut sich eine Höhle und veschwindet mit dem Tablet darin, guckt einen Film, liest in ein paar Bücher rein, taucht nur auf, um sich einen Kakao und zwei Schmelzkäsebrote zu machen. Kindheitsfeeling. Rainy day

Alles sieht so nach Herbst aus.
The waning year

Am Schreibtisch dann rumgespielt. Mini Book Imaginations 1

Erstaunlich, daß hier nichts durchgeht, zumal der Stift wirklich fast eddingartige Qualitäten hat. Es ist ein Water Colour Marker von Winsor & Newton. Also wasservermalbar.
Wie auch immer, das Ganze war eine simple Spielerei. Das Büchlein zu machen hat ca. 5 Minuten gedauert. Und dann habe ich Text dazu heraus gesucht und einfach irgendwas genommen, was schön crazy war. Aber wie das immer so ist in dieser absichtslosen Absicht, gefällt mir das hinterher ganz gut.

Mini Book Imaginations 2

Mini Book Imaginations 3

Mini Book Imaginations 4

Hier das ganze Gedicht:

Friday night,
a pile of lipsticked cigarette butts.
While the papers were laughing
I was running for the woods.
We pledged never to say goodbye.
He tries to remember
her house,
the water tower,
the chilly picknick.

That was me,
coiled beneath a snowflake
like a snake.
I dropped my glove.
And you said yes.

Later we went back,
All seeing a psychiatrist.
We had history.

Come back.

Alles ist aus dem Buch “Snow angel” entstanden. Sehr dankbares Material, vielseitig. Da geht noch was.

Neunter Tag im August

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Die ganze Zeit ist es unterirdisch kühl für August, aber wenn man einmal in town fährt, dann muß es natürlich heiß wie Hecke werden.
Nun ja.
Berlin, derselbe Kiez wie neulich, diesmal aber mein Töchting mitgehabt.
Spreegold Leider landeten wir im schlechtesten Restaurant Berlins. (Ich kann mich nicht erinnern in den letzten Jahren überhaupt mal irgendwo schlecht gegessen zu haben) Also ausdrücklich keine Empfehlung von mir: Das „Spreegold“ auf der Hufelandstrasse. Das angebliche Powergetränk war ein Bonbonwasser mit undefinierbaren Stückchen, die im Hals kratzten und hatte ungelogen 8 Eiswürfel mit drin. Ich hasse diese Eiswürfelunsitte! Das Essen dauerte ewig, war wenig und lieblos angerichtet und überteuert. Bedienung gab es eher keine. Und auf dem Klo lief scheußliche süddeutsche Volksmusik.

Entschädigt wurden wir von dem leckeren Bioeis in der „Rosa Canina“. Ich hatte ein NY cheesecake Eis, das ich nur empfehlen kann. S. nahm etwas Veganes aus Johannisbeeren, obwohl sie meinte, sie halte das für einen übertriebenen Hype. Ihr fiel ein Poster auf, wo eine Faust eine Möhre hielt: Go vegan! Sie sagte: „Wie so ein Befehl!“ Sie hielt es für völlig falsch eine Sache, die eine freie Entscheidung sein sollte schon fast mit Gewaltandrohung zu verbinden. Ich finde das auch. Es ist ein wenig too much. Schreib irgendwo „vegan“ drauf und es verkauft sich besser. Ach ja, dieser Blog hier ist auch vegan, übrigens. Und bio und fairtrade und womanmade und überhaupt. Oscar Wilde Quote

Mir fällt auf, mit S., die einen ähnlichen Detailblick hat, der aber andere Dinge auffallen, ist es nochmal anders durch die Stadt zu gehen. Auch ganz ungewohnt, gehen und quatschen. Alles wäre einfacher, wenn es nicht über 28° wären und wenn ich nicht gerade eine meiner schlechten Phasen hätte mit zu viel Schmerzen und zu großer Erschöpfung.

Angekreidet

Hauswand

Vor dem „Revolver Publishing“ steht ein Tisch mit Buchkisten, dazu eine Bank, das kommt gut. Wir browsen durch diverse Bände. S. mochte diesen Bildband, ich auch.
All things pass Was Kunst und Ästhetik angeht, hat S. so klare, geradezu kompromißlose Vorstellungen, die mich immer wieder erstaunen: Reduziert muß es sein, möglichst symmetrisch, dramatisch, gerne düster, gerne morbide, gerne geheimnisvoll. Es muß etwas haben, was einen sofort anspringt. Alles Bunte, Süßliche, Kitschige wird rundweg abgelehnt. (Mir sehr sympathisch) Geht es um Kunst wird meine sonst eher schweigsame Tochter ausgesprochen gesprächig. Ich ließ sie auch die Karte für Marike aussuchen. Ihre Wahl gefiel mir sehr. Postcard from Berlin

Lustig fand ich, daß ich einen Bleistiftstummel auf der Straße fand. Man muß dazu wissen, daß S. Bleistifte sammelt, aber nur gefundene. Sie hat schon oft welche gefunden. Diesmal aber nicht, diesmal ich, die ich noch nie einen gefunden habe. Witzig! Natürlich hab ich ihn ihr geschenkt.

Litfass

Mo-Fr

Bilder im "Bildband"

Wer genau hinsieht, erkennt uns hier im rechten Bild.

Der Laden “Bildband” auf der Immanuelkirchstrasse ist eine klare Empfehlung: hell, freundlich und voller interessanter (und günstiger) Bildbände (wie der Name sagt), meist zum Thema Fotographie, aber auch andere Kunst ist dabei. Ich entdecke ein Buch über Lee Miller, die neulich noch irgendwo in einer Doku erwähnt wurde. Sofort verliebte ich mich in dieses Bild. Lee Miller book 2

Es ist aber auch inhaltlich total interessant.

Lee Miller book 1 Wie frei und frisch und kreativ Frauen in den Zwanzigern waren und wie langweilig und unterdrückt ihr Alltag nach dem Kriege. Erschreckend!

Nach dem Haus von Hans Rosenthal habe ich gesucht. Gut, daß ich es dort fand, wo ich es vermutet hatte. (Letztes Mal bin ich die Winsstrasse nicht gegangen) Hans Rosenthal Haus

Eine Kindheit in den 70ern ist ja ohne “Dalli Dalli” gar nicht denkbar. Das wurde bei uns immer geguckt. Komme was da wolle. Heute erscheint einem das so pillepalle (wie so vieles andere auch). Daß man Hans Rosenthal in einer Laubenpieperkolonie versteckt hatte, wußte ich schon als Kind, meine Eltern erwähnten das und es faszinierte mich. Kontakt zur Außenwelt hatte er nur über das Radio, das wurde seine Welt. Als der Krieg vorbei war, ging er sofort zum RIAS.

Im Erdgeschoß hat jemand entweder einen preiswerten Sichtschutz erfunden oder das gleiche Problem wie ich: wohin mit dem Rohmaterial für Collagen?
Fenster

Siebter Tag im August

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Das Beste am gestrigen Tag war, daß D. und ich zum Stadthafen fuhren und uns in Wind und Sonne der Aussicht hingaben und über die grandiosen Farben der Ostsee staunten.
Rostock Stadthafen 1 Ich machte ungefähr 50 Fotos, aber leider ist es unmöglich das einzufangen: die Farbe, die sich mit jedem Lichteinfall ändert von flaschengrün über tintenblau bis zu meinem geliebten Payne’s grey und Lakritz. The sea

Da saßen wir in unserem kleinen Auto, D. kochte sich hinten einen Kaffee (er hat immer seinen kleinen Gaskocher nebst aller Equipments dabei) und zitierten Kempowski. „Ob noch Schiffe eingetroffen wären.“ War das alles hier? Vom Kontor zum Hafen.
„Warum geht der Mann so?“
-„Dem ham seine beiden Söhne so viel Kummer gemacht.“
Wo wohl der Plattenladen war: Löhrer und Wessel. Und der olle Uhu bei Töpfer Sowieso, der so häßlich war, daß Robert immer meinte, eines Tages kaufe er ihn und schmeiße ihn kaputt. Und dann kamen die Luftangriffe auf Rostock und der olle Uhu stand immer noch.
Zack mi seu!

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